EKG (Elektrokardio­graphie, Elektrokardio­gramm): EKG-Auswertung

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (26. März 2013)

Nach der EKG-Ableitung folgt die EKG-Auswertung. Der Arzt interpretiert das Elektrokardiogramm anhand der absoluten Höhen der einzelnen Spannungen, ihrer zeitlichen Abstände zueinander, sowie ihrer "Steilheit" und Dauer. Aus diesen Werten lassen sich viele krankhafte Veränderungen des Herzens erkennen. Zur EKG-Auswertung nimmt der Arzt ein genormtes EKG-Lineal zu Hilfe.

Die charakteristischen Spannungshöhen beziehungsweise -tiefen der Herzkurven im EKG sind mit Buchstaben gekennzeichnet:

  • P-Welle: Die P-Welle ist charakteristischerweise die erste kleine, positive, halbrunde Welle nach der Null-Linie. Sie stellt die Erregung der Vorhöfe des Herzens dar.
  • Q-Zacke: Die Q-Zacke ist im Allgemeinen klein, das heißt weder breit noch tief, und stellt die erste negative Zacke nach der P-Welle und dem Ende der PQ-Zeit dar. Die Q-Zacke bezeichnet den Beginn der Kammererregung.
  • R-Zacke: Die R-Zacke ist immer schmal und hoch. Sie ist die erste positive Zacke nach der Q-Zacke bzw. die erste positive Zacke nach der P-Welle, wenn die Q-Zacke fehlen sollte. Die R-Zacke ist Ausdruck der Kammererregung.
  • S-Zacke: Die S-Zacke ist gewöhnlich klein, ähnlich der Q-Zacke. Sie ist die erste negative Zacke nach der R-Zacke und gehört ebenfalls zur Kammererregung.
  • QRS-Komplex: Der QRS-Komplex bezeichnet die Erregungsausbreitung, das heißt die sogenannte Depolarisation, der Herzkammern. Depolarisation bedeutet, dass sich die elektrischen Eigenschaften – die Potenziale – der Herzzellen der Herzkammern verändern. Dies ist im QRS-Komplex des EKG erkennbar. Parallel zu der Depolarisation der Kammern beginnt die Repolarisation der Vorhöfe. Damit normalisiert sich das Potenzial der Vorhöfe nach deren Erregung wieder, doch "verschwindet" dieser Spannungsimpuls im QRS-Komplex – und ist im EKG nicht zu erkennen.
  • T-Welle: Die T-Welle ist relativ breit, groß und halbrund und stellt den ersten positiven Ausschlag nach dem QRS-Komplex dar. Sie entspricht der Erregungsrückbildung, also der Repolarisation der Kammern. Nach dem Ende einer T-Welle ist eine elektrische Herzaktion beendet. Nach einer bestimmten Pause entsteht dann der nächste Zyklus. Je höher die Herzfrequenz ist, desto kürzer ist dieser Abstand.
  • U-Welle: Die U-Welle ist eine sehr kleine, positive, halbrunde Zacke gleich nach der T-Welle und nicht immer sichtbar. Sie entspricht Nachschwankungen der Kammererregungsrückbildung.

Neben den einzelnen Zacken im EKG sind für eine Interpretation noch die Zeiten zwischen den Zacken von Bedeutung.

  • PQ-Zeit: Die PQ-Zeit (Strecke) reicht vom Beginn der P-Welle bis zum Beginn der Q- bzw. R-Zacke (wenn die Q-Zacke fehlt). Sie stellt die sogenannte atrioventrikuläre Überleitungszeit dar. Hinter dem Fachwort verbirgt sich die Erregungsüberleitungszeit, also die Zeit, in welcher die elektrische Erregung von den Vorhöfen auf die Kammern übergeht.
  • ST-Strecke: Die ST-Zeit (Strecke) reicht vom Ende der S- oder R-Zacke (wenn die S-Zacke fehlt) bis zum Beginn der T-Welle. Sie zeigt den Beginn der Erregungsrückbildung der Kammern an.
  • QT-Dauer: Die QT-Zeit (Strecke) umfasst den QRS-Komplex, die ST-Strecke und die T-Welle. Die Zeit vom Beginn der Erregungsausbreitung bis zum Ende der Erregungsrückbildung der Kammer entspricht der Kontraktion der Herzkammern (elektrische Kammersystole).

Unter der Erregungsausbreitung der Kammern versteht man im EKG den QRS-Komplex. Spricht der Arzt von der Erregungsrückbildung, sind die ST-Strecke und die T-Welle gemeint.

Illustration: Auswertung eines EKGs

Normales EKG nebst Bezeichnungen