EEG (Elektroenzephalo­graphie): Durchführung

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (16. Februar 2011)

Bei der EEG-Untersuchung (Elektroenzephalographie) werden Elektroden, die in regelmäßiger Anordnung in einer Haube befestigt sind, auf dem Kopf platziert. Die Spannungsunterschiede zwischen den einzelnen Elektroden (Hirnströme) stellen sich auf einem Monitor wellenförmig dar und können ausgewertet werden. Strom vom Gerät zum Patienten fließt beim EEG nicht. Die Elektroenzephalographie ist also ungefährlich.

Damit die Aufnahme der Hirnstromwellen möglichst unverzerrt erfolgt, ist es wichtig, dass der zu Untersuchende entspannt ist. Die Aufnahme des EEGs selbst ist schmerzlos und dauert in der Regel 20 Minuten. Zusätzliche Provokationsmethoden können helfen, epilepsietypische Veränderungen darzustellen, die in der normalen EEG-Ableitung nicht sichtbar sind. Mit den drei verfügbaren Provokationsmethoden (Hyperventilation, Photostimulation und Schlafentzug) soll kein epileptischer Anfall ausgelöst werden, dies kann aber vorkommen.

Bei der Hyperventilation atmet der Patient am Ende der Routine-Ableitung für etwa drei bis fünf Minuten heftig ein und aus.

Bei der Photostimulation werden kurze, helle Lichtblitze in wechselnder Frequenz (Stroboskoplicht) auf die geschlossenen Augen des Patienten projiziert.

Während des Schlafentzugs darf der Patient für eine Nacht nicht schlafen; am folgenden Morgen wird die EEG-Ableitung durchgeführt und während des anschließenden Schlafs fortgesetzt.

Auswertung

Die beim EEG gemessenen Hirnströme werden je nach Frequenz in vier beziehungsweise fünf Rhythmen eingeteilt. Durchschnittlich schnelle Frequenzen bedeuten, die Person ist wach und die Gehirnaktivität normal; je langsamer eine Frequenz ist, umso tiefer ist das Schlafstadium, das sie signalisiert – oder es handelt sich um einen krankhaften Befund.

Bei einem wachen, entspannten Patienten zeigt das EEG gewöhnlich eine Alpha-Aktivität vornehmlich in den hinteren Hirnregionen. Schneller ist noch der sogenannte Beta-Rhythmus. Mit 14 bis 30 Hertz (Schwingungen pro Sekunde) ist er durch Medikamente oder fehlende Entspannung verursacht, kann aber auch eine Normvariante (z.B. bei Augenöffnungen) des Alpha-Rhythmus (8 bis 13 Hz) sein.

Die langsameren Theta-Wellen (4 bis 7 Hertz) sind bei Kindern und Jugendlichen normal. Sehr langsame Delta- (0,5 bis 3 Hz) und Subdelta-Wellen (unter 0,5 Hz) kennzeichnen den Tiefschlaf. Im wachen Zustand und wenn die Augen geöffnet bleiben, sollten Delta-Wellen jedoch nicht durchgängig auftreten – dies würde auf eine krankhafte Veränderung hinweisen. Diese kann auf das Gehirn begrenzt sein, aber auch Folge eines allgemeinen Prozesses sein, zum Beispiel einer Stoffwechselerkrankung oder Entzündung. Mit der Elektroenzephalographie können jedoch nur abweichende Hirnströme erkannt werden, die Ursache muss im Anschluss an das EEG mit weiteren Methoden untersucht werden (Computer- und Magnetresonanztomographie).

Anders verhält es sich bei dem Krankheitsbild der Epilepsie. Hier liefert das EEG eindeutige Aussagen zur Krankheit bis hin zu bestimmten Anfallstypen und zwar nicht nur während eines Anfalls sondern auch in anfallsfreien Phasen. Auf dem Monitor sind zum Beispiel typische Spitzen-Wellen-Muster oder steile und scharfe Wellen anstelle der sonst regelmäßigen Alpha-Wellen sichtbar. Sie weisen auf Krampfpotentiale hin. Besonders im Kindesalter korrespondieren die einzelnen Muster mit bestimmten Epilepsieformen. Durch Provokationsmethoden wie Schlafentzug kann die Krampfschwelle gesenkt und eine nicht ganz eindeutige Epilepsie demaskiert werden.

Eine Epilepsie wird diagnostiziert, wenn es wiederholt zu epileptischen Anfällen gekommen ist. Bei einem einmaligen Krampfanfall ohne erkennbare Auslöser können EEG und andere Untersuchungsmethoden nur auf einen Epilepsie-Verdacht verweisen.