Darmreinigung: Darmspülung – "Darmreinigung" aus Wellness-Gründen

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (13. Oktober 2015)

In der Alternativmedizin und im Wellness-Bereich versteht man unter einer Darmreinigung in der Regel eine Darmspülung. Ihr kommt vor allem als Teil sogenannter ausleitender Verfahren eine größere Rolle zu – zum Beispiel für eine Art innere Reinigung oder als Vorbereitung auf eine Fastenkur. Einer Darmspülung schreiben viele Menschen gesundheitsfördernde Effekte zu, wissenschaftliche Belege gibt es dafür nicht.

Bei einer Darmspülung leitet man mit einem Schlauch rektal Wasser in den Darm ein, um den Darm zu entleeren. Das abfließende Wasser samt Darminhalten wird über einen zweiten Schlauch abgeleitet. Je nach gewählter Variante können die Wassermengen bei einer Darmspülung deutlich variieren: Bei einer Darmspülung fließen in der Regel größere Mengen Wasser durch den Darm – teilweise bis zu 60 Litern.

Eine Frau blickt aufs Meer hinaus. © Jupiterimages/Brand X Pictures

Innere Reinigung dank Darmspülung?

Beim klassischen Einlauf mit Klistier gelangt dagegen nur eine kleinere Menge Wasser in den Darm: Hierbei werden mit dem Klistier, also einem kleinem, flüssigkeitsgefüllten Plastikbehälter mit Einführvorrichtung, höchstens 5 bis 200 Milliliter Flüssigkeit rektal in den Darm "gespritzt". Diese müssen (wenn möglich) vom Betroffenen aktiv für kurze Zeit im Darm gehalten werden, ehe die Flüssigkeit wieder ablaufen kann.

Anwendungsbeispiele gibt es im alternativmedizinischen Bereich viele – oft unter der Annahme, dass eine Darmreinigung Krankheitsbilder (z.B. Arthritis, Allergien, Asthma, Kopfschmerzen) bessern kann, das Immunsystem stärkt oder auch einfach nur das Wohlbefinden positiv beeinflusst. Zwar berichten manche Betroffene, dass sie sich nach einer Darmspülung besser fühlen – wissenschaftlich Beweise für diese Wirkungen gibt es bislang nicht.

Weit verbreitet ist die Annahme, dass sich im Darm "Schlacken" oder Giftstoffe ansammeln, die auf Dauer zu gesundheitlichen Problemen führen und deshalb mit einer Darmreinigung entfernt werden müssen. Aus medizinischer Sicht ist dieses "entschlacken" jedoch unnötig. Mithilfe der normalen Darmtätigkeit entledigt sich der Körper bereits ganz natürlich der Stoffe, die er nicht gebrauchen kann.

Je nach Art der Darmspülung enthalten die eingenommenen abführenden Präparate oder das per Darmspülung zugeführte Wasser Stoffe wie:

Als Folge der Darmspülung kann es zu Nebenwirkungen kommen, wie etwa:

Wissenschaftlich gesehen gibt es für eine Darmreinigung außer zum Beispiel im Rahmen einer Darmspiegelung oder Operation am Darm keine Gründe, die dafür sprechen. Unsachgemäß durchgeführt kann eine Darmreinigung zu Verletzungen oder gesundheitlichen Beschwerden führen, so zum Beispiel:

  • Verletzungen der Darmwand (Darmperforationen)
  • Infektionen
  • Austrocknung
  • Verschiebungen im Elektrolyt-Gleichgewicht

Während einer Darmreinigung verlieren Sie viel Wasser, achten Sie deshalb darauf, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen!

Insbesondere für Personen mit Vorerkrankungen besteht ein erhöhtes Risiko für schwere, zum Teil lebensbedrohlich Nebenwirkungen – sie sollten deshalb von einer Darmreinigung absehen, sofern diese nicht medizinisch notwendig ist. Zu solchen Erkrankungen zählen unter anderem:

Von einer Darmreinigung aus Wellness-Gründen absehen sollten außerdem Patienten, die erst vor kurzem eine Darmoperation hatten.

Um sicherzugehen, dass keine gesundheitlichen Gründe gegen eine Darmreinigung sprechen, ist vorab ein Gespräch mit dem Hausarzt sinnvoll. Er kann abschätzen, ob eventuell Risikofaktoren bestehen. Ohnehin ist es empfehlenswert, bereits bestehende gesundheitliche Beschwerden vor der Darmreinigung vom Arzt abklären zu lassen.

Den Darm "entschlacken"?

Auf den Menschen bezogen gibt es die Begriffe Entschlacken beziehungsweise Schlacken noch nicht sehr lange. Erst 1935 führte Otto Buchinger (1878-1966) diese Begrifflichkeiten ein – der deutsche Arzt wurde vor allem durch seine Konzepte zum Thema Heilfasten bekannt.

Buchinger stellte sich vor, dass sich im Darm schädliche Stoffe ablagern, die regelmäßig entfernt werden müssten – ähnlich wie Hochöfen oder Feuerkessel von Dampflokomotiven immer wieder eine Reinigung brauchten, weil sich auf Dauer Schlacke (Verbrennungsrückstände) ansammelte.

Dass sich im Darm oder in anderen Körperbereichen sogenannte Schlacken ablagern, konnte jedoch bislang nicht nachgewiesen werden. Verwertbare Stoffe werden vom Köper aufgenommen – nicht verwertbare Substanzen über die Nieren und den Darm ausgeschieden.