Bypass-Operation: Durchführung

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (21. Oktober 2014)

Um die verengte Herzkranzgefäße (Koronararterien) genau zu lokalisieren, nimmt der Arzt zur Vorbereitung auf die Bypass-Operation zunächst eine Herzkatheteruntersuchung vor.

Der eigentliche Eingriff findet immer unter Vollnarkose statt. Um an das Herz und an die verengten Blutgefäße zu gelangen, öffnet der Chirurg den Brustkorb, indem er das Brustbein auftrennt.

Es drei Möglichkeiten, die verengte Stelle mit einem Bypass zu überbrücken:

  • Arterienbypass: Eine an der Innenseite des Brustkorbs verlaufende Arterie – die Arteria mammaria – ist in der Größe den Herzkranzgefäßen sehr ähnlich. Sie wird ein Stück weit freigelegt und jenseits der Verengung an die Koronararterie angeschlossen. So versorgt sie den zuvor unzureichend durchbluteten Bereich des Herzmuskels wieder mit Blut und somit auch mit Sauerstoff. Da bei dieser Form der Bypass-Operation die Gefahr eines erneuten Verschlusses kleiner ist als bei anderen Methoden, gewinnt sie immer mehr an Bedeutung.
  • Venenbypass: Dazu entnimmt der Arzt eine oberflächliche Vene aus dem Fettgewebe des Unterschenkels direkt unter der Haut. Ein Ende des Venenstücks näht der Chirurg während der Bypass-OP direkt an die Aorta. Das andere Ende wird jenseits der Verengung mit dem Herzkranzgefäß verbunden. Sauerstoffreiches Blut kann also aus der Aorta – unter Umgehung der Engstelle im Herzkranzgefäß – direkt zum Herzmuskel gelangen. Normalerweise unterscheiden sich Arterien und Venen in ihrem Aufbau. Das Gewebe der Bypass-Vene bildet nach der Operation aber seine Wände um – die Vene entwickelt mit der Zeit also Eigenschaften einer Arterie.
  • Künstlicher Bypass: In seltenen Fällen überbrücken statt der körpereigenen auch künstliche Gefäßprothesen die Engstellen an den Herzkranzgefäßen. Diese Methode hat allerdings den Nachteil, dass sich in den Prothesen schnell neue Ablagerungen absetzen – der Bypass verengt sich und es kann zu einem Verschluss kommen. Der Herzmuskel erhält dann wieder zu wenig Sauerstoff, ein (erneuter) Herzinfarkt kann die Folge sein.

Da das Herz während der Bypass-Operation nicht schlagen darf, übernimmt während dieser Zeit eine Herz-Lungen-Maschine dessen Aufgabe. Die Maschine pumpt das Blut durch den Körper und hält so den Blutkreislauf aufrecht. Gleichzeitig reichert sie das Blut mit Sauerstoff an und entfernt überschüssiges Kohlendioxid. Um zu vermeiden, dass das Blut gerinnt, wenn es die Herz-Lungen-Maschine durchströmt, erhält der Patient gerinnungshemmende Medikamente.

Nachdem der Herzchirurg die Gefäßbrücken am Herzen vernäht und damit einen wesentlichen Part der der Bypass-Operation vollzogen hat, bringt ein kleiner elektrischer Impuls das Herz wieder zum Schlagen. Den Rest der Bypass-OP kann der Chirurg am schlagenden Herzen durchführen.

Schlüsselloch-Chirurgie

Wie in vielen anderen medizinischen Bereichen spielen auch bei der Bypass-Operation die Stichworte "minimal-invasiv" und "Schlüsselloch-Chirurgie" eine Rolle. Man versucht dabei, die operative Öffnung des Körpers möglichst klein zu halten. Auf diese Weise wird weniger Gewebe verletzt – außerdem ist das Infektionsrisiko geringer und die zurückbleibenden Narben sind deutlich kleiner.

Video: Bypass-Operation am schlagenden Herzen

Bei der sogenannten MIDCAB (Abkürzung für engl. minimal invasive direct coronary artery bypass) öffnet der Operateur den Brustkorb mit lediglich einem kleinen Schnitt seitlich zwischen den Rippen. Diese Öffnung reicht aus, um eine Brustarterie (Arteria mammaria) als Bypass einzunähen. Da das Herz bei dieser Operationsmethode weiter schlagen kann, ist eine Herz-Lungen-Maschine nicht nötig. Die Operation am schlagenden Herzen gilt allerdings als sehr anspruchsvoll und wird deshalb nur in spezialisierten Kliniken durchgeführt.