Blutdruck messen: Physikalische Grundlagen

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (17. Juni 2015)

Um Ihren Blutdruck selbst zu messen, müssen Sie keine Berechnungen anstellen, sondern können den Wert direkt von Ihrem Blutdruckmessgerät ablesen. Wenn Sie das Prinzip der Blutdruckmessung aber besser verstehen möchten, lohnt sich ein kurzer Blick auf die physikalischen Grundlagen:

Das Blut durchströmt die Arterien eines gesunden Menschen mit einer mittleren Geschwindigkeit. Diese ist meist so gering, dass das Blut in dem Blutgefäß sozusagen "geregelt" fließt (sog. laminare Strömung) – es treten dabei also keine Verwirbelungen des Blutstroms (Turbulenzen) auf. Um den Blutdruck messen zu können, erzeugt man solche Turbulenzen künstlich von außen, denn: Turbulenzen erzeugen wiederum hörbare Geräusche, was man sich bei der Blutdruckmessung zunutze macht.

Wenn Sie den Blutdruck messen, ermitteln Sie vereinfacht gesagt die Außendrücke, die nötig sind, um den Blutstrom zu verwirbeln. Dazu dient die aufblasbare Blutdruckmanschette, mit der Sie von außen Druck auf die Arterie ausüben, beispielsweise von Oberarm oder Handgelenk:

  • Wenn Sie die Manschette aufpumpen, ist die Arterie ab einem bestimmten Außendruck verschlossen – der Blutfluss ist also unterbrochen. Wegen der fehlenden Strömung sind auch keine Geräusche zu hören.
  • Lassen Sie nun die Luft aus der Manschette langsam entweichen, sinkt der Außendruck auf die Arterie  – und die Arterie öffnet sich wieder etwas.
  • Der Gefäßdurchmesser ist aber immer noch verengt, weshalb das Blut nicht laminar durch die  Arterie strömen kann – stattdessen entstehen hörbare Turbulenzen. Solange der Druck von außen die Arterie einengt, bleibt es bei der hörbaren turbulenten Strömung.
  • Sinkt der Außendruck so weit, dass er niedriger ist als der innere Gefäßdruck (d.h. der arterielle Blutdruck), ist die Arterie vollständig geöffnet. Das Blut strömt dann wieder ohne Verwirbelungen durch die Arterie – die Turbulenzen und die damit verbundenen Geräusche sind also verschwunden.

Ein physikalischer Schlüsselwert für das Entstehen von Turbulenzen ist die sogenannte Reynolds-Zahl Re. Sie hängt – bei der Blutdruckmessung – ab von der Fließgeschwindigkeit des Bluts, der Weite der Blutgefäße und den Eigenschaften des Bluts (Dichte und Zähflüssigkeit). Überschreitet die Reynolds-Zahl einen bestimmten Wert, ist die Strömung turbulent und hörbar. Anhand dieser Geräusche können Sie den Blutdruck messen: Das Auftauchen der Geräusche markiert den höheren Blutdruckwert, das Verschwinden den niedrigeren.

Die Maßeinheit für Druck ist Pascal (Pa) oder bar. Für den Blutdruck hat sich in der Medizin bis heute allerdings die Einheit Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) erhalten.