Blutdruck messen: Historisches

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (17. Juni 2015)

Bis weit in das 19. Jahrhundert hinein konnte man den Blutdruck nur direkt messen, das heißt durch Einführen von Messsonden in große Körperarterien beziehungsweise Venen. Diese "blutige" Methode war für die Betroffenen mit Ängsten, Beschwerden und Risiken (wie Infektionen) verbunden. Erst die Entwicklung der "unblutigen" Blutdruckmessung erlaubte es, den Blutdruck einfach und ohne Risiko zu messen.

Frühe Blutdruckmessgeräte dieser Art waren zum Beispiel die modifizierten Pulsmesser des Physiologen Karl Vierodt (1818 bis 1884) und des Pathologen Samuel Siegfried von Basch (1837 bis 1905). Der Italiener Riva-Rocci (1863 bis 1937) schuf dann ein Blutdruckmessgerät, das die Vorlage der modernen Blutdruckmesser bildete. Deshalb spricht man heutzutage vom Blutdruck nach RR (Riva-Rocci), wenn im ärztlichen Alltag vom Blutdruck die Rede ist. Den Blutdruck jederzeit messen zu können ist heute ein wichtiges Hilfsmittel bei der Diagnose und Behandlung vieler Krankheiten.

Riva-Rocci war ein italienischer Kinderarzt, der Ende des 19. Jahrhunderts eine völlig neue Methode der Blutdruckmessung entwickelt hat. Damit war es ihm möglich, den Blutdruck eines Menschen von außen zu messen. Bis dahin war es üblich, den Blutdruck direkt in den Blutgefäßen zu ermitteln, um mögliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen festzustellen. Diese "blutige" Methode war jedoch recht schmerzhaft – und zudem bestand ein hohes Infektionsrisiko.

Riva-Rocci tüftelte deshalb eine neue, "unblutige" Methode aus, um den Blutdruck zu messen. Diese Methode beschrieb er 1896 in einem Fachartikel. Der dazu notwendige Messapparat bestand aus einer Art Fahrradschlauch, der als Oberarmmanschette diente, aus einem Gummiballon zum Aufblasen der Manschette sowie aus einem Quecksilberbarometer, mit dem Riva-Rocci den Druck in der Armarterie maß. Durch Betasten der Pulsader an der Handwurzel (Pulsus radialis) prüfte Riva-Rocci während der Blutdruckmessung, wie der Puls – abhängig vom Blutdruck – bei steigendem (systolischem) Druck verschwand. Anfangs stieß diese neue Methode in Medizinerkreisen auf Ablehnung – setzte sich aber letztlich doch durch. Das Messprinzip findet sich auch heute noch in den modernen Blutdruckmessgeräten wieder, doch folgten technische Verbesserungen.

Im Jahr 1905 verbesserte der russische Militärarzt Sergejewitsch Korotkow (1874 bis 1920) die von Riva-Rocci angegebene Methode, indem er das Stethoskop einsetzte, um den Blutdruck zu messen: Mit dem Stethoskop sind bei der Blutdruckmessung typische Bewegungsgeräusche zu hören, die dadurch zustande kommen, dass das Blut in der Arterie verwirbelt. Diese Geräusche sind als Korotkow-Geräusche bekannt. Ab Ende der 1920er Jahre waren Blutdruckmessgeräte nach dem System Riva-Rocci nicht nur in Krankenhäusern, sondern auch in ärztlichen Praxen anzutreffen.

1968 kam erstmals ein vollautomatisches Blutdruckmessgerät als Vorläufer der modernen 24-Stunden-Blutdruckgeräte zum Einsatz. Seit 1976 gibt es handliche, leicht zu bedienende elektronische Selbstmessgeräte, mit denen man seinen Blutdruck auch ohne Arzt messen kann. Seit 1989 sind Geräte zur Blutdruckmessung am Zeigefinger und seit 1992 elektronische Blutdruckmessgeräte mit Handgelenkmanschette zur Blutdruckmessung am Handgelenk verfügbar.