Afterloading: Prinzip von Afterloading

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (10. Oktober 2014)

Das Prinzip von Afterloading lässt sich leichter verstehen, wenn man zuvor eine spezielle Form der Bestrahlung – die Brachytherapie – näher betrachtet: Im Gegensatz zu einer Bestrahlung von außen (z.B. mit einem Linearbeschleuniger) geht es bei der Brachytherapie darum, radioaktives Material in direkten Kontakt mit Tumorgewebe zu bringen. Mediziner verwenden in diesem Zusammenhang auch den Begriff Kontaktbestrahlung. Das Material sendet Strahlung aus, die das umliegende Gewebe nur im Zentimeterbereich durchdringen kann. Die Wirkung der Strahlen beschränkt sich damit auf das erkrankte Gewebe. Das ist auch sinnvoll, denn für "normales" Gewebe stellen radioaktive Strahlen eine gesundheitliche Belastung dar.

Bei der Kontaktbestrahlung der Haut liegt die Strahlenquelle dem Krebsgewebe einfach auf. Befindet sich das erkrankte Gewebe innerhalb eines Hohlraums im Körper (z.B. Magen-Darm-Trakt, weibliche Geschlechtsorgane), muss das radioaktive Material in die entsprechende Körperöffnung eingeführt werden. Man spricht dann von intrakavitärer oder intraluminaler Strahlenbehandlung. In manchen Fällen ist für die Bestrahlung ein Eindringen in kompaktes Körpergewebe – zum Beispiel mit kleinen Nadeln – notwendig. Diese Methode heißt dann interstitielle Strahlentherapie.

Hat ein Strahlentherapeut früher seine Patienten mithilfe der Kontaktstrahlung oder interstitiellen Bestrahlung behandelt, so waren er und sein Assistenzpersonal beim Anbringen der radioaktiven Substanzen wie Iridium (192Ir) oder Cäsium (137Cs) deren Strahlung ausgesetzt. Heute gelangt das strahlende Material ohne erhöhtes Strahlenrisiko für Arzt oder Personal in die Nähe des Tumors.

Dabei kommt das Prinzip von Afterloading ins Spiel: Bevor Iridium oder anderes strahlendes Material in die Nähe des Tumors gelangt, sind spezielle Vorbereitungen zu treffen. Wenn es sich beispielsweise um eine Frau mit einem Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) handelt, führt der Arzt der Patientin einen speziellen Hohlzylinder – den Applikator – in die Scheide ein, bis dieser direkt am Tumor liegt. Der Applikator ist über einen Schlauch mit dem Afterloading-Gerät verbunden, in der sich die radioaktive Iridium-Quelle befindet. Je nach Krebserkrankung stehen verschiedene Applikator-Formen zur Verfügung. Bei Tumoren in Speiseröhre oder Lunge können der Applikator und der Verbindungsschlauch mit einem Endoskop kombiniert sein.

Der Arzt prüft anschließend (z.B. mit Ultraschall oder einer Röntgenuntersuchung), ob der Applikator an der richtigen Position sitzt. Liegt der Applikator gut und sind alle sonstigen Vorbereitungen abgeschlossen, können Arzt und medizinisches Personal den Behandlungsraum verlassen (Sicht- und Hörkontakt mit dem Patienten bleiben aber gewährleistet). Über einen Computer können sie vom Nebenraum aus die eigentliche Bestrahlung jetzt ferngesteuert starten: Die Strahlenquelle wandert daraufhin, geführt von einem biegsamen Draht, durch den Schlauch bis zum Applikator. Dort fährt sie den zu bestrahlenden Bereich nach einem vorher einprogrammierten Plan schrittweise ab.

Bei der sogenannten interstitiellen Bestrahlung "spickt" man einen Tumor mit kleinen radioaktiven Nadeln. Auch diese Behandlung läuft nach dem Prinzip von Afterloading ab. Beim Prostatakarzinom wiederum können mithilfe von Afterloading kleine Kügelchen (sog. "Seeds") direkt ins Tumorgewebe eingepflanzt werden, um dort radioaktive Strahlung abzugeben und den Krebs zu bekämpfen.