Stillen: Stillpositionen

Veröffentlicht von: Sandra von dem Hagen (16. August 2016)

Wer einmal andere Frauen beim Stillen beobachtet oder Bücher und das Internet nach Informationen durchforstet hat, der kann schnell den Eindruck bekommen, dass Stillen nicht nur der Nahrung dient, sondern eine eigene Kunstform ist. Stillen im Liegen, im Wiege- oder Rückengriff, mit oder ohne Stillkissen (und welches ist das richtige?), im Doppelpack mit Zwillingen oder gar beim Spazierengehen im Tragetuch – manch werdende Mutter bekommt da schnell Zweifel, ob Sie dem gewachsen sein wird.

Stillen will zwar erlernt sein (und zwar sowohl von der Mutter als auch vom Baby), es ist aber keine Kunst! Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, wie Sie Ihr Baby stillen können, Sie müssen diese aber nicht alle durchexerzieren. Viele Stillpositionen dienen lediglich dazu, besondere Situationen auszunutzen (z.B. das Stillen im Tragetuch) oder Babys, die beim Trinken Probleme haben, zu unterstützen (z.B. Kinder mit Down-Syndrom über den Rückengriff).

Die häufigsten gewöhnlichen (und meist ausreichenden) Stillpositionen sind:

  • Wiegegriff / Wiegehaltung
  • Rückengriff / Rückenhaltung
  • Stillen im Liegen

Wiegehaltung

Eine Mutter stillt ihr Kind in Wiegehaltung. © Jupiterimages/Comstock Images

Die Wiegehaltung ist die gängigste Stillposition.

Für die Wiegehaltung sitzen Sie aufrecht, aber bequem. Sie können sich dafür beispielsweise auf die Couch oder in einen bequemen Sessel setzen. Stützen Sie gerade in der Anfangsphase Ihren Rücken mit einem Kissen und Ihre Arme (und eventuell auch das Baby) mit einem Stillkissen, einer zusammengefalteten Decke oder mehreren Sofakissen.

  • Für den Wiegegriff legen Sie Ihr Baby quer vor Ihren Bauch. Sein Kopf zeigt dabei zu der Seite, auf der Sie stillen möchten.
  • Halten Sie das Baby so, dass sein Kopf in Ihrer Armbeuge liegt und Ihr Arm seinen Rücken stützt.
  • Gesicht, Bauch und Beine Ihres Babys liegen möglichst in einer Linie und das Gesicht zeigt zu Ihnen und ist auf Höhe mit Ihrer Brust.
  • Achtung: Lehnen Sie sich nicht zum Baby vor, das bereitet nur Rückenschmerzen. Legen Sie lieber noch ein Kissen mehr unter den unterstützenden Arm und heben Sie so das Baby höher an.
  • Legen Sie den unteren Arm Ihres Babys unter Ihren unterstützenden Arm oder um Ihren Rücken herum. So können Sie Ihr Baby optimal anlegen.

Keine Sorge: Mit der Zeit, wenn sich das Stillen eingespielt hat, werden Sie den Wiegegriff auch auf einem einfachen Stuhl ohne spezielle Unterstützung für Baby oder Arme perfekt beherrschen!

Vorteile: Die Wiegehaltung können Sie, wenn sie erst einmal eingespielt ist, praktisch überall einsetzen, auch auf der Parkbank oder im Café.

Nachteile: Bei einer Kaiserschnittentbindung kann die Wiegehaltung die Narbe reizen und Ihnen Schmerzen bereiten. Einige Säuglinge haben außerdem anfangs Probleme, im Wiegegriff die Brustwarze richtig zu greifen.

Rückenhaltung

Eine Mutter stillt ihr Baby in der Rückenhaltung © iStock

Rückenhaltung

Die Rückenhaltung kann für Sie und Ihr Baby geeignet sein, wenn Sie beispielsweise eine Kaiserschnittnarbe entlasten möchten. Auch wenn Sie das Gefühl haben, dass im Wiegegriff die Brust nicht ganz entleert wurde und Ihr Kind noch trinken möchte, können Sie den Rückengriff anwenden. Die Rückenhaltung unterstützt außerdem Babys, die besonders klein sind oder Probleme mit dem Andocken haben. Mütter von Zwillingen haben es oft leichter, wenn Sie die Babys gleichzeitig in der Rückenhaltung stillen.

  • Für die Rückenhaltung sitzen Sie, wie für die Wiegehaltung, aufrecht aber bequem.
  • Hilfreich ist ein Stillkissen auf der Seite, auf der Sie stillen möchten.
  • Klemmen Sie sich dann Ihr Baby mit dem Kopf nach vorne unter den Arm und legen Sie seinen Kopf sanft in Ihre Hand.
  • Nun können Sie mit der anderen Hand die Brust umgreifen und Ihr Baby anlegen.

Stillen im Liegen

Eine Mutter stillt ihr Kind im Liegen. © Jupiterimages/Hemera

Stillen im Liegen ist für Mutter und Kind sehr entspannend.

  • Um im Liegen zu stillen, können Sie Ihren Kopf mit Kissen stützen. Viele Mütter stillen aber auch in der ganz normalen Seitenlage ohne weitere Unterstützung.
  • Ihr Baby liegt mit dem Gesicht zu Ihnen.
  • Je nachdem, was für Sie bequemer ist, stützen Sie seinen Rücken und Kopf mit Ihrem oberen oder unteren Arm.
  • Das war's schon: Aus dieser Position heraus können Sie Ihr Baby anlegen, indem Sie es einfach nah an Ihren Körper ziehen.

Vorteile: Stillen im Liegen kann besonders nachts von Vorteil sein. Viele stillende Mütter schwören darauf, ihr Baby im Halbschlaf einfach an die Brust zu ziehen und weiter dösen zu können, während es trinkt. Das macht häufiges Anlegen in der Nacht erträglicher.

Stillen im Liegen ist außerdem entspannend, wenn Sie unter Rückenschmerzen leiden – aber auch einfach schön, wenn Sie es sich mit Ihrem Baby gemütlich machen möchten.


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