Stillen: Komplikationen

Veröffentlicht von: Sandra von dem Hagen (16. August 2016)

Beim Stillen kann es zu einem sogenannten Milchstau kommen, welcher unter anderem zu wunden Brustwarzen führen kann. Als mögliche Folgeerkrankung kann sich eine Brustentzündung (Mastitis) entwickeln.

Aber auch andere Komplikationen können auftreten, so zum Beispiel durch:

  • Unsicherheit der Mutter: Hier kann ein Gespräch mit der Nachsorgehebamme oder der Stillberaterin hilfreich sein.
  • Hohlwarzen / Schlupfwarzen: Die Brustwarze kann vom Säugling nicht richtig umfasst werden. Hier können sogenannte Stillhütchen helfen.
  • Erkrankungen der Mutter
  • Medikamente, die die Mutter einnehmen muss

Milchstau – wunde Brustwarzen – Brustentzündung

Ein Milchstau kann zu wunden Brustwarzen führen, was wiederum eine Brustentzündung zur Folge haben kann. Infolge dessen wird das Stillen schwieriger und es kann wiederum zu einem Milchstau kommen. Diesen Teufelskreis sollten Sie möglichst frühzeitig unterbrechen.

Ein Milchstau entsteht, wenn die Brust nicht ausreichend entleert wurde. Ursachen für eine mangelnde Entleerung können zum Beispiel sein:

  • eine falsche Anlegetechnik
  • psychische Belastungen, die sich ungünstig auf den Milchflussreflex auswirken
  • zu eng sitzende BHs
  • ein Ungleichgewicht zwischen Milchbildung und Hunger des Kindes

Beim Milchstau ist die Brust prall gespannt und schmerzt. Das milchgefüllte Drüsengewebe drückt die Milchgänge ab und die Milch kann immer schlechter abfließen. Ihr Kind hat Schwierigkeiten, den gesamten Warzenhof mit dem Mund zu umfassen. In der Folge besteht die Gefahr, dass die Brustwarzen wund werden, was durch eine falsche Stilltechnik noch verstärkt werden kann. Durch die Schmerzen beim Stillen verkrampft sich die Mutter noch mehr und der Milchfluss kommt folglich schwerer in Gang.

Dringen durch die kleinen Hautverletzungen an der wunden Brustwarze Keime ein, insbesondere das Bakterium Staphylococcus aureus, kann sich die Brust entzünden. Die Brust ist dann geschwollen, gerötet und schmerzt, außerdem haben die betroffenen Frauen oft Fieber bis 40 Grad Celsius.

Was tun?

Der Übergang vom Milchstau zur Brustentzündung (Mastitis) verläuft fließend. In den Frühstadien der Entzündung sollten Sie die Brust mit Quarkkompressen kühlen. Außerdem sollten Sie dafür sorgen, die Brust leerzuhalten, indem Sie ...

  • Ihr Baby häufig anlegen,
  • die Milch unter der Dusche zusätzlich ausstreichen oder
  • mit einer Milchpumpe abpumpen.

Vor dem Anlegen ist es oft hilfreich, wenn Sie den Milchfluss in Gang bringen, indem Sie warme Umschläge auflegen oder die Brust manuell ausstreichen. So schmerzt das Ansaugen Ihres Babys weniger. Gegen wunde Brustwarzen können Sie etwas Muttermilch auf der Brust antrocknen lassen. Lassen Sie möglichst viel Luft an die Brust und stillen Sie einige Zeit häufiger, aber kürzer.

Bessern sich die Beschwerden nicht innerhalb von 24 Stunden, sollten entzündungshemmende Medikamente und stillfreundliche Antibiotika eingesetzt werden. Eventuell wird der Arzt vorübergehend einen sogenannten Prolaktinhemmer verabreichen, um die Milchbildung zu reduzieren. Es ist aber meist dennoch möglich, weiter zu stillen. Dies wird von Stillberaterinnen, solange der Stillwunsch der Mutter besteht, auch generell empfohlen.

Vorbeugen

Einem Milchstau können Sie gut vorbeugen. Achten Sie auf die Anzeichen: Wenn Ihre Brustwarzen wund werden oder Ihre Brust häufig unangenehm prall gefüllt ist, sollten Sie aufmerksam beobachten, wie sich die Situation entwickelt. Bei Fieber suchen Sie gleich einen Arzt auf!

Wunde Brustwarzen können Sie mit speziellen Salben aus dem Drogeriemarkt oder der Apotheke behandeln. Die Salben stören das Baby nicht beim Trinken und sind unbedenklich. Es kann auch helfen, wenn Sie Ihr Baby eine Zeitlang kürzer (dafür häufiger) trinken lassen, um die Brust nicht zu überreizen. Das sollten Sie aber nicht zu lange machen, da die erste Milch der Mahlzeit weniger fettreich ist. Um dauerhaft genügend Nahrung zu bekommen, sollte Ihr Baby bald wieder länger trinken dürfen.

Eine prall gefüllte Brust können Sie einfach selber entlasten: Wenn es schnell gehen muss und Sie wenig Zeit haben, können Sie die Brust etwas ausstreichen: Fahren Sie dazu kräftig mit der flachen Hand mehrfach von der Achsel aus zur Brustwarze. Meist reicht das aus, um die Milch in einem kräftigen Strahl fließen zu lassen. Wenn Sie das Gefühl haben, dass die Brust entlastet ist, halten Sie einige Sekunden einen Finger auf die Brustwarze, bis die Milch wieder versiegt. Die fließende Milch können Sie auffangen und kurze Zeit im Kühlschrank lagern. Wenn Sie Ihrem Kind diese Milch mit der Flasche geben, entlastet das wiederum vorrübergehend Ihre Brustwarzen.

Wenn Sie die Zeit haben und sich wohler dabei fühlen, ganze Stillmahlzeiten durch die Flasche zu ersetzen, können Sie auch Milch mit einer Milchpumpe abpumpen. Lassen Sie sich in der Apotheke oder von einer Hebamme oder Stillberaterin beraten, was für Sie in Frage kommt. Häufig übernimmt die Krankenkasse die Kosten für eine Milchpumpe, wenn Ihr Arzt Ihnen ein entsprechendes Rezept ausstellt. Sie können dann für eine gewisse Zeit eine Milchpumpe aus der Apotheke ausleihen.

Aber Achtung: Einige Säuglinge reagieren mit einer sogenannten Saugverwirrung, wenn Sie einmal die Flasche, einmal die Brust bekommen. Wenn Ihr Baby Probleme hat, sich abwechselnd darauf einzustellen, träufeln Sie die Milch besser mit einer Spritze (ohne Kanüle!) in seinen Mund.

Wann Sie nicht stillen sollten

Es gibt einige Infektionskrankheiten, bei denen die Sie nicht stillen sollten. Denn die entsprechenden Erreger können über die Muttermilch an Ihr Baby weitergegeben werden. HIV-infizierte Mütter und Frauen mit aktiver Hepatitis B, Zytomegalie sowie Tuberkulose sollten ihren Säugling nicht stillen. Auch Schad- und Giftstoffe, wie zum Beispiel Nikotin, Alkohol, Drogen oder bestimmte Medikamente, werden über die Muttermilch übertragen. Wenn Sie an einer Infektionskrankheit leiden, klären Sie im Gespräch mit Ihrem Frauenarzt individuell ab, ob Sie stillen dürfen.


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