Stillen: Die Muttermilch

Veröffentlicht von: Sandra von dem Hagen (16. August 2016)

Während einer Schwangerschaft produziert der Körper vermehrt Östrogen und Progesteron. Diese Hormone sorgen dafür, dass die Brust wächst und sich darauf vorbereitet, die Muttermilch zu produzieren. Während der Schwangerschaft hemmen die Hormone zunächst noch die Milchproduktion. Bei einigen Frauen treten in dieser Zeit aber schon einige Tropfen der sogenannten Vormilch aus. Ob Sie schon während der Schwangerschaft Vormilch produzieren oder nicht, lässt aber keine Aussage darüber zu, ob Sie nach der Geburt ausreichend Muttermilch zur Verfügung haben.

Darum keine Sorge: Frauen, der Brüste zunächst kaum wachsen und die keine Vormilch bemerken, haben die gleichen Chancen auf eine entspannte Stillzeit wie Frauen, die zwei Körbchengrößen zulegen oder laufend Vormilch produzieren.

Wenn Ihr Baby auf der Welt ist und auch die Plazenta ausgestoßen wurde, fallen die Östrogen- und Progesteronspiegel sehr schnell auf einen niedrigen Pegel ab. Stattdessen steigt jetzt der Spiegel des vorher unterdrückten Prolaktins steil an. Prolaktin ist ein Hormon der Hirnanhangdrüse und setzt die Milchproduktion in Gang. Ein weiterer im Gehirn produzierter Botenstoff, das Oxytocin, bewirkt, dass sich die Milchgänge in der Brust auf einen Saugreiz hin zusammenziehen und somit die Muttermilch freigeben. Das Stillen kann beginnen.

Die Muttermilch verändert im Laufe der Zeit ihre Zusammensetzung:

  • Vormilch: Spätestens gegen Ende der Schwangerschaft bildet sich die sogenannte Vormilch (Kolostrum, auch: Colostrum) in den Brüsten. Diese klare, meist gelbliche Flüssigkeit steht Ihrem Baby in den ersten Tagen nach der Geburt zur Verfügung. Vormilch ist weniger fett als reife Muttermilch und enthält auch weniger Kohlenhydrate, liefert jedoch immunologische Schutzfaktoren (IgA-Antikörper), welche sich in der Darmschleimhaut des Neugeborenen ausbreiten und eine Barriere gegen Krankheitserreger bilden. Vormilch enthält außerdem mehr Eiweiß und Mineralstoffe als die spätere Milch.
  • Übergangsmilch: Nach etwa zwei bis vier Tagen kommt es zum sogenannten Milcheinschuss und es bildet sich die Übergangsmilch. Sie hat einen höheren Fett- und Kohlenhydratanteil als die Vormilch.
  • Frauenmilch: Etwa ab der dritten Lebenswoche bildet sich die sogenannte reife Frauenmilch. Ihre Konsistenz und Zusammensetzung kann sich je nach Tageszeit oder Ihrer Ernährung leicht verändern. Die reife Frauenmilch ist sowohl die einzige Nahrung als auch die einzige Flüssigkeit, die Ihr Baby für die nächsten Monate benötigt.

Die Muttermilch enthält alle für das Baby wichtigen Stoffe (Eiweiße, Fette, Milchzucker, Vitamine, Abwehrstoffe). Je nach Alter des Säuglings sind Zusammensetzung und Menge der Muttermilch genau auf den Bedarf abgestimmt. Diese natürliche Regulation wird durch die zusätzliche Gabe von Flaschenmilch oder Tee gestört: Je weniger das Baby an der Brust saugt, desto weniger Milch wird produziert. Wenn Sie daher das Gefühl haben, dass Sie zu wenig Milch produzieren, legen Sie Ihr Baby häufiger an. Oft reicht das aus, um die Milchproduktion anzukurbeln.


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