Stillen: Abstillen

Veröffentlicht von: Sandra von dem Hagen (16. August 2016)

Wenn Sie abstillen möchten, können Sie das gewöhnlich ohne Medikamente tun. Ersetzen Sie einfach die Muttermilch nach und nach durch Beikost oder Flaschennahrung. Aufgrund des allmählich geringer werdenden Bedarfs geht die Milchproduktion von selbst zurück: Je seltener Sie stillen, umso weniger Muttermilch wird produziert. Wenn Ihre Brüste trotzdem spannen, können Ihnen kühle Umschläge, Quarkpackungen oder das Ausstreichen der Milch (am einfachsten unter der Dusche) helfen. Viele Mütter schwören auf Salbei- und Pfefferminztee, die die Milchmenge reduzieren sollen.

Oft ist bewusstes Abstillen auch gar nicht nötig. Einige Kinder verzichten selbstständig auf die Milchmahlzeit, wenn ihnen zunehmend mehr feste Nahrung angeboten wird. Sie möchten dann vorwiegend nachts gestillt werden. Durch das seltenere Stillen lässt die Milchmenge nach. Das wiederum führt dazu, dass das Kind nach und nach das Interesse an der Brust verliert, was wiederum die Milchmenge reduziert. Irgendwann möchte das Kind dann gar nicht mehr gestillt werden.

Unter bestimmten Umständen kann es notwendig sein, die Milchproduktion mithilfe von Medikamenten abrupt zu hemmen. Man unterscheidet dabei das primäre Abstillen vor dem Milcheinschuss (wenn Sie nicht stillen möchten oder eine über die Muttermilch übertragbare Erkrankung haben) vom sekundären Abstillen bei bereits begonnener Milchproduktion.

Das sekundäre Abstillen kann zum Beispiel bei einer Entzündung der Brust (Mastitis) notwendig werden oder wenn das Stillen trotz aller Bemühungen nicht funktioniert. In diesen Fällen wird Ihnen Ihr Arzt Hormonpräparate verschreiben (sog. Prolaktinsekretionshemmer wie Cabergolin oder Bromocriptin). Zusätzlich können physikalische Maßnahmen helfen, wie das Hochbinden der Brust – meist reicht schon ein straffer BH – und kühlende Umschläge.

Verhütung in der Stillzeit

Manche Frauen sind sich unsicher, ob sie während des Stillens verhüten müssen oder nicht. Der Spiegel des Hormons Prolaktin ist nach der Geburt sehr hoch. Prolaktin erhält einerseits die Milchsekretion aufrecht, andererseits hemmt es aber auch den Eisprung und die Menstruation während der Stillzeit. Daher werden viele Frauen während der Stillzeit trotz ungeschützten Geschlechtsverkehrs häufig nicht schwanger. Eine sichere Verhütung in der Stillzeit ist aber nur gegeben, wenn Sie auf andere Verhütungsmittel zurückgreifen.

Stillen ist keine sichere Verhütungsmethode!

Es kann während der Stillzeit trotz Einfluss des Prolaktins zu einem Eisprung kommen, auch wenn Sie Ihre Menstruation nach der Geburt noch nicht wieder hatten. Wenn Sie eine frühe weitere Schwangerschaft verhindern möchten, sollten Sie daher zum Beispiel mit Kondomen, der Spirale (IUP, Intrauterinpessar) oder einem gestagenhaltigen Präparat (Minipille) verhüten.

Auch östrogenfreie Pillen können zur Verhütung in der Stillzeit eingesetzt werden: Da sie keine Östrogene enthalten, die sich über die Muttermilch negativ auf die Entwicklung des Babys auswirken können, sind sie für viele Frauen während und nach der Stillzeit eine gute Alternative. Die herkömmliche Kombinationspille sollten Sie jetzt aber nicht einnehmen: Sie kann die Zusammensetzung der Muttermilch verändern und die Milchproduktion hemmen.


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