Schreibaby, Schreikinder: Das kann man tun!

Veröffentlicht von: Sandra von dem Hagen (17. Juni 2014)

Wenn Sie unsicher sind, ob Sie ein Schreikind haben, können Sie zunächst versuchen, es mit folgenden Mitteln zu beruhigen:

  • Überprüfen Sie zunächst naheliegende Bedürfnisse:
    • Hat Ihr Kind Hunger? Gerade in den ersten Monaten trinken Säuglinge nicht immer gleiche Mengen und halten keine festen Uhrzeiten für ihre Mahlzeiten ein. Es kann also sein, dass Ihr Baby schon wieder hungrig ist, obwohl Sie es erst vor einer halben Stunde gestillt haben.
    • Ist Ihr Kind müde oder überreizt? Ihr Baby hatte rund 40 Wochen seine Ruhe in Ihrem Bauch, Geräusche und Licht kamen nur gedämpft zu ihm durch. Mit der Geburt beginnt der "Stress" – viele Babys sind von lauten oder anhaltenden Geräuschen oder zu vielen Eindrücken überfordert. Da kann es helfen, den Kinderwagen mit einem Tuch abzudecken oder den Schlafraum etwas abzudunkeln.
    • Fehlt dem Baby Nähe? Die meisten Säuglinge lassen sich beruhigen, wenn sie Körperkontakt zu einer Bezugsperson haben. Säuglinge sind Traglinge, die wenigsten Babys mögen es, alleine im Stubenwagen oder im Kinderwagen zu liegen. Schon das kann zu Schreiattacken führen. Tragen Sie Ihr Baby, wenn möglich, viel am Körper, beispielsweise in einem Tragetuch.
    • Ist die Windel voll? Eine naheliegende Lösung, die man aber zwischen all den anderen Aufgaben, die mit Baby anfallen, einfach einmal übersehen kann.
    • Ist dem Baby zu warm / zu kalt? Hat Ihr Baby einen feuchten Nacken, ist ihm zu warm, hat es kalte Arm- und Fußgelenke, ist ihm zu kalt.
  • Massieren Sie Ihrem Baby den Bauch. Die meisten Babys reagieren entspannt darauf und genießen den Körperkontakt. Massieren Sie immer mit leichtem Druck und grundsätzlich im Uhrzeigersinn.
  • Vielen Säuglingen tut es auch gut, im Fliegergriff getragen zu werden – dabei liegt Ihr Baby auf dem Bauch auf Ihrem Unterarm, der Kopf ruht in Ihrer Hand.
  • Verzichten Sie auf Kuhmilchprodukte bzw. reduzieren Sie deren Aufnahme. In einigen Fällen kann eine Lebensmittelallergie hinter dem exzessiven Schreien stecken.

Wenn alles nichts hilft und Ihnen die Situation über den Kopf wächst, wenden Sie sich an Ihren Kinderarzt oder eine Schreiambulanz. Adressen von Schreiambulanzen bekommen Sie bei Ihrem Kinderarzt, in Kinderkliniken oder beim Jugendamt.

Und machen Sie sich immer wieder bewusst: Ihr Baby schreit nicht, um Sie zu ärgern!

Wenn organische Ursachen (wie beispielsweise eine Allergie) Grund für das Schreien sind, müssen diese behandelt und wenn möglich beseitigt werden. Häufig lässt sich das Schreien so zumindest reduzieren.

Es ist auch möglich, dass der Arzt nach umfassender Anamnese keinerlei Auslöser für das exzessive Schreien ermitteln kann. In einem solchen Fall handelt es sich um eine sogenannte "unkomplizierte Regulationsstörung", die natürlich nicht weniger belastend für die Eltern ist.

In diesem Fall, aber auch, wenn Probleme im sozialen Umfeld des Babys Ursache für das übermäßige Schreien sind, ist es sinnvoll, sich Hilfe zu suchen.

  • Häufig hilft es schon, den durch das Schreien verunsicherten Eltern beratend zur Seite zu stehen. Zur Beratung der Eltern gehört z.B.:
    • Entwicklungsberatung
    • psychotherapeutische Gespräche
    • Anleitung zur Selbsthilfe
  • Therapeutische Hilfe – diese kann ambulant, stationär, aber auch im häuslichen Umfeld erfolgen.

Gefahren

Exzessives Schreien kann weitreichende Folgen für das Schreikind haben. So kann die Eltern-Kind-Beziehung dauerhaft belastet und gestört sein, was sich wiederum auf die Entwicklung des Kindes auswirkt. In extremen Fällen kann das Kindeswohl akut gefährdet sein, beispielsweise wenn überforderte Eltern das Baby aus Verzweiflung schütteln, um es zum Schweigen zu bringen.

Aber auch die geistige Gesundheit des Kindes kann auf Dauer leiden, wenn sich Eltern beispielsweise zurückziehen oder im Gegenteil aggressiv reagieren, weil sie das Schreien nicht mehr ertragen können.

Daher ist es sowohl für das Kind, aber auch für die Eltern wichtig, dass schon früh Hilfe in Anspruch genommen wird, wenn das Schreien überhand nimmt und zur Belastung wird.


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