Physiotherapie (Krankengymnastik)

Ziele

Stand: 25. Juni 2010Autor: Onmeda-Redaktion

Grundsätzlich verfolgt die Physiotherapie (Krankengymnastik) das Ziel, die Bewegungs- und Funktionsfähigkeit des Körpers zu erhalten, zu verbessern oder wieder herzustellen. Vor dem Hintergrund dieser übergeordneten Zielsetzungen legen Physiotherapeuten im direkten Kontakt mit den Behandelten dabei konkrete Nah- und Fernziele fest. Diese hängen von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem vom Alter und dem Krankheitsbild.

Ein Mann mit einer Prothese macht an einem Barren Gehübungen.

Nach einer Operation an den Bandscheiben besteht das Nahziel zum Beispiel darin, die Schmerzen zu lindern und die Kraft der Rückenmuskeln nach und nach zu steigern. Das steigert die Stabilität der Wirbelsäule und beugt einem Rückfall vor. Langfristig soll die Behandlung dem Betroffenen ermöglichen, wieder seinen Beruf auszuüben und sich auch in der Freizeit ohne Beschwerden bewegen zu können.

Für Menschen, die von einem Schlaganfall betroffen sind, kann das Nahziel beispielsweise darin liegen, Muskelkraft, Koordination und Gleichgewicht zu verbessern. Der Betroffene soll dadurch die Fähigkeit erlangen, seinen Alltag möglichst selbstständig zu bewältigen. Besonders bei älteren Betroffenen lässt sich dadurch – als Fernziel – eine Pflegebedürftigkeit verhindern oder zumindest auf eine längere Zeit hinausschieben.

Krankheiten wie Morbus Parkinson oder multiple Sklerose schreiten in vielen Fällen weiter fort und schädigen zunehmend Gehirn und Nerven. Dadurch verschlechtern sich auch die motorischen Fähigkeiten der Betroffenen. Sie sind zum Beispiel von Gangstörungen betroffen, schlurfen oder trippeln etwa beim Gehen. Manche können ihre Bewegungen – aufgrund von unwillkürlichen Kontraktionen der Muskeln (z.B. Muskelzittern) – nicht mehr in dem Maße steuern, wie vor Beginn der Krankheit. Bei solchen Erkrankungen stellt die Physiotherapie oftmals einen lebensbegleitenden Therapiebaustein dar. Akut hilft sie, durch passive Bewegungen oder Massagen Schmerzen und Verspannungen zu lindern. Langfristig können Gangschulung sowie Kraft- und Gleichgewichtsübungen das Fortschreiten der Bewegungsstörungen aufhalten oder verzögern.

Als Mittel zur Vorbeugung (Prävention) kann die Physiotherapie beispielsweise kurzfristig dazu beitragen, Haltungsschwächen des Körpers auszugleichen. Haltungsschwächen entstehen oft aufgrund von Ungleichgewichten im Muskelsystem (sog. Muskeldysbalancen). Besonders Menschen, die lange sitzen und sich in der Freizeit wenig bewegen, neigen zu Muskeldysbalancen. Ihr Risiko für einen Bandscheibenvorfall oder für Beschwerden an Muskeln und Gelenken ist erhöht. Eine Rückenschule kann eine richtige Haltung vermitteln und langfristig einen Bandscheibenvorfall verhindern.

Die folgende Tabelle fasst übergeordnete Nah- und Fernziele der Physiotherapie zusammen:

Nahziele
Schmerzen lindern
Muskelspannung regulieren
Beweglichkeit, Kraft, Ausdauer und Koordination verbessern
Herz-, Kreislauf- und Organfunktionen optimieren
Bei Behinderung (z.B. Lähmungen) Möglichkeiten erarbeiten, die fehlende Bewegungsfunktion auszugleichen
Atmungsfunktionen fördern.
Eine gesunde Körperhaltung schulen
Die Entwicklung gesunder Bewegungsmuster fördern, z.B. bei Säuglingen und Kleinkindern
Fernziele
Krankheiten: Heilen, Fortschreiten aufhalten, Beschwerden lindern
Gesundheitliche Einschränkungen beseitigen und damit langfristig das Ausbrechen einer Erkrankung verhindern
Pflegebedürftigkeit verhindern oder mindern

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