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Forenexperte: Prof. Dr. Peter Wust
Forum Krebserkrankungen
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Stand: 1. Februar 2011Autor: Onmeda-Redaktion
Welches der beiden Hauptverfahren bei einer Knochenmarkbiopsie – die Stanzbiopsie oder die Aspiration – zuerst angewandt wird, ist unterschiedlich. Meist beginnt der untersuchende Arzt mit der Durchführung einer Biopsie; dann folgt die Aspiration von Knochenmark.
Als Entnahmestelle für Knochenmark bietet sich bei der Knochenmarkbiopsie vor allem der Beckenknochen, speziell der hintere Beckenkamm an. Der Arzt sticht hier mit der Biopsie-Nadel ein – er "punktiert" hier. Deshalb spricht man auch von "Punktionsstelle"und von "Knochenmarkpunktion".
Im Gegensatz zu anderen Körperstellen besteht am hinteren Beckenkamm keine Gefahr, dass die Biopsie-Nadel lebenswichtige Organe oder größere Gefäße verletzt. Außerdem ist hier der Eingriff weniger schmerzhaft. In Sonderfällen – zum Beispiel bei Patienten auf einer Intensivstation – weicht der Arzt auch auf den vorderen Beckenkamm aus. Von einer Knochenmarkentnahme am Brustbein (sog. sternale Knochenmarkpunktion – Sternum = lateinisch für Brustbein) sieht man wegen der möglichen Komplikationen und der Schmerzen eher ab. Sie kann aber unter bestimmten Voraussetzungen notwendig sein, wenn beispielsweise der Beckenkamm wegen starken Übergewichts nicht mehr sicher tastbar ist.
Bei der Entnahme von Knochenmark liegt der Patient möglichst entspannt auf der Seite. Der Arzt reinigt und desinfiziert die Punktionsstelle am hinteren Beckenkamm. Dann betäubt er örtlich die Haut und auch das darunterliegende Gewebe einschließlich der empfindlichen Knochenhaut. Bis das Betäubungsmittel vollständig wirkt, vergehen etwa fünf bis zehn Minuten. Ein drei Millimeter großer Hautschnitt reicht aus, um die Punktionsnadel einzuführen und unter Drehbewegungen durch den Knochen bis in die Knochenmarkhöhle vorzuschieben. Die Punktionsnadel ist hohl und stanzt bei diesem Vorgang einen winzigen Zylinder aus dem Knochenmark heraus. Der Arzt zieht die Nadel – und damit auch den Gewebezylinder – wieder aus der Einstichstelle heraus und schickt die Gewebeprobe zur weiteren Untersuchung umgehend ins Labor.
Im Anschluss an die Biopsie setzt der Arzt eine 10-ml-Spritze hinten auf die Punktionsnadel. Ein kurzer, kräftiger Zug am Kolben der Spritze saugt das Knochenmark an. Trotz einer noch so sorgfältigen Betäubung kann es vorkommen, dass der Patient bei dieser Prozedur Schmerzen empfindet. Die so gewonnenen Zellen werden unter dem Mikroskop ausgewertet: Das Ergebnis gibt vor allem Auskunft über die Zelldichte und die Anzahl der einzelnen Zellformen (Blutplättchen, rote und weiße Blutkörperchen).
Auf die Einstichstelle kommt nach der Untersuchung ein Pflaster. Zur Blutstillung bekommt der Untersuchte ein Sandsäckchen in den hinteren Beckenbereich gelegt, auf dem er dann eine Weile liegen bleiben muss. Eine Stunde später wird kontrolliert, ob die Stelle nachgeblutet hat. Man sollte am Tag des Eingriffs möglichst ruhen und zum Beispiel erst 24 Stunden nach der Knochenmarkpunktion wieder aktiv am Straßenverkehr teilnehmen.
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