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Katheter

Medizinische Anwendung

Stand: 29. März 2011Autor: Onmeda-Redaktion

Katheter sind aus der medizinischen Versorgung heute nicht mehr wegzudenken. Die biegsamen, schlauchförmigen Instrumente ermöglichen sowohl die Erkennung von Krankheiten als auch die Behandlung unterschiedlichster Störungen und Erkrankungen. Daher gibt es Katheter auch in vielfältigen Varianten, die – je nach medizinischem Einsatzgebiet – auch mit verschiedenen zusätzlichen Verfahren kombiniert werden.

Unterschiedliche Erkrankungen können es erforderlich machen, einen Katheter zu legen – deshalb gehören Katheter zum medizinischen Alltag verschiedener Fachgebiete: Große Bedeutung haben Katheter zum Beispiel in Bereichen der Urologie, der Inneren Medizin, der Radiologie oder auch in der Schmerztherapie und Neurologie. Zu den häufig verwendeten Kathetern gehören unter anderem Blasenkatheter, Venenkatheter oder Herzkatheter.

Ganz gleich, wo ein Katheter zum Einsatz kommt – der Umgang mit Kathetern erfordert immer eine absolut saubere, soweit wie möglich keimfreie Handhabung, damit keine Infektion verursacht wird, wenn Ärzte oder medizinisches Personal einen Katheter legen.

Blase und Nieren

Ein klassisches Anwendungsfeld für Katheter findet sich in der Diagnostik und Behandlung urologischer Erkrankungen oder Symptome.

Der Blasenkatheter ist dabei ein bekanntes Beispiel: Mit einem sogenannten Einmal-Katheter durch die Harnröhre können Arzt oder entsprechend geschultes Pflegepersonal eine Urinprobe (z.B. für die Untersuchung auf Bakterien) entnehmen oder eine Harnstauung rasch entlasten und den aufgestauten Urin ablaufen lassen. Patienten können solche Einmal-Katheterisierungen auch selbst erlernen und durchführen. So können zum Beispiel Patienten, bei denen der Blasenschließmuskel aufgrund einer Querschnittslähmung ein normales Wasserlassen verhindert, in regelmäßigen Abständen ihre Blase entleeren.

Alternativ zu wiederholten einmaligen Katheterisierungen kann bei manchen Erkrankungen – zum Beispiel wenn die Harnröhre durch einen Tumor oder eine vergrößerte Prostata dauerhaft eingeengt ist – das langfristige Einlegen eines Blasenkatheters sinnvoll sein. Diese Dauer- oder Verweilkatheter genannten Blasenkatheter leiten den Urin kontinuierlich in entsprechend angeschlossene Auffang-Beutel ab. Dauerkatheter durch die Harnröhre (transurethrale Katheter) sind geeignet, um die Blase während langer Operationen und bei intensivmedizinisch betreuten Patienten zu entleeren. Ist ein Dauerkatheter über einen längeren Zeitraum notwendig, ist ein sogenannter suprapubischer Katheter sinnvoll, da bei dieser Variante für den Betroffenen ein geringeres Risiko für Harnwegsinfektionen besteht. Der suprapubische Katheter verläuft nicht durch die Harnröhre, sondern der Urologe legt den Katheterschlauch durch die Haut am Unterleib direkt in die Blase ein.

Sowohl für den suprapubischen als auch für den Harnröhren-Katheter gilt grundsätzlich: Eine gute Hygiene und die regelmäßige Katheterpflege sind wichtig!

Neben dem Blasenkatheter, gibt es auch weitere Katheter bei speziellen urologischen Erkrankungen: Drückt zum Beispiel ein Tumor im Bauch- beziehungsweise Beckenraum auf einen Harnleiter (Ureter), so fließt der Harn aus der Niere nicht in die Blase ab und staut sich zurück. Dieser Rückstau, der letztlich zu Schäden am Nierengewebe führen kann, lässt sich durch den sogenannten Double-J-Katheter beheben. Dieser Katheter liegt wie ein biegsamer Strohhalm oder eine "Schiene" im Harnleiter und hält die Engstelle offen – das obere Ende des Double-J-Katheters liegt dabei im Nierenbecken, das untere in der Blase. So kann der Harn aus der Niere wieder normal abfließen. Um Verletzungen im Nierenbecken oder der Blase zu vermeiden, sind die beiden Enden des Double-J-Katheters zu Kringeln aufgewunden – der Katheter heißt deshalb auch Pigtail-Katheter (pigtail = engl. Schweineschwänzchen).

Blutgefäße und Herz

Legt ein Arzt einen Katheter in ein Blutgefäß, so schafft er damit einen vorübergehenden Zugang zum Blutkreislauf des Patienten. Das wiederum ermöglicht die Diagnose und zum Teil auch die Therapie vieler unterschiedlicher Erkrankungen – auch von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie der Koronaren Herzkrankheit.

Wer schon einmal Blut gespendet hat oder im Rahmen eines Krankenhausaufenthalts Infusionen erhalten hat, dem ist eine sehr häufig verwendete Katheter-Form bereits begegnet: der sogenannte periphere venöse Verweilkatheter. Mit einer Hohlnadel sticht der Arzt in eine Vene des Patienten – besonders die Venen in der Armbeuge oder am Unterarm bieten sich hier an. Dann schiebt er über diese Nadel einen kleinen Katheterschlauch in das Blutgefäß hinein. Nach dem Herausziehen der Nadel wird der Katheter mit einem Pflaster fixiert, so dass der kleine Schlauch nicht verrutscht. Über diesen Katheter erhält der Patient zum Beispiel Flüssigkeit oder Medikamente (z.B. Antibiotika-Infusionen).

In manchen Fällen ist es notwendig, einen Venenkatheter in eine große herznahe Vene einzulegen. Diesen Katheter bezeichnen Mediziner dann als zentralen venösen Katheter, (auch: zentraler Venenkatheter, kurz ZVK). Über diesen Katheter lassen sich Flüssigkeiten zur Ernährung und Medikamente verabreichen – auch solche, die für einen peripheren venösen Verweilkatheter nicht geeignet sind, weil sie zum Beispiel die kleineren Gefäße schädigen könnten. Außerdem können Ärzte mithilfe zentraler Venenkatheter in den großen Venen den Druck messen. Das Einlegen beim ZVK ist komplizierter als beim peripheren Venenkatheter: Meist sticht der Arzt dazu in eine Vene am Hals und führt den Katheterschlauch über einen Draht bis in die richtige Position vor. Ein EKG und eine Röntgenaufnahme dienen dabei in der Regel zur Kontrolle.

Fachärzte für Herzerkrankungen (Kardiologen) nutzen ganz spezielle Katheter – zum Beispiel zur Beurteilung und Behandlung von verengten Herzkranzgefäßen (sog. Koronararterien). Der sogenannte Herzkatheter wird dazu meist in eine Leistenarterie eingeführt und in Richtung Herz vorgeschoben. Der Herzkatheter besteht aus mehreren Schläuchen (Kanälen), über die der Arzt Kontrastmittel direkt an den Herzkranzgefäßen einspritzen kann. So macht er mögliche Engstellen oder komplette Verschlüsse dieser Blutgefäße gut auf einem Röntgenbildschirm sichtbar. Außerdem kann der Arzt Spezial-Instrumente über den Herzkatheter bis in die Koronararterien schieben: Mithilfe von kleinen aufblasbaren Ballons kann er so die Verengungen wieder aufdrücken (Ballondilatation) oder kleine Röhrchen – sogenannte Stents – platzieren, die dann das Blutgefäß offen halten.

Schmerztherapie und Anästhesie

In der Anästhesie spielen Katheter zum einen bei der Behandlung von Schmerzen und zum anderen bei der Betäubung während operativer Eingriffe eine wichtige Rolle. Bei der Periduralanästhesie sticht der Anästhesist mit einer feinen Nadel in den Bereich, der den Wirbelsäulenkanal umgibt (Epiduralraum) und legt durch diesen Einstich einen feinen Katheterschlauch ein. Über diesen sogenannten Periduralkatheter – kurz PDK – kann er ein örtliches Betäubungsmittel (Lokalanästhetikum) verabreichen, dass die Schmerzübertragung in den Rückenmarksnerven hemmt – entsprechend schmerzfrei laufen dann Operationen oder auch Entbindungen für die Patienten ab. Auch die Therapie von chronischen Schmerzen über solche Katheter ist möglich. Meist kommen dabei stärkere Schmerzmittel zum Einsatz, deren Dosierung der Patient in manchen Fällen sogar selber steuern kann.

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