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Hyposensibilisierung

Anwendungsgebiete

Stand: 22. April 2011Autor: Onmeda-Redaktion

Die für eine Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie = SIT) infrage kommenden Anwendungsgebiete sind begrenzt: Eine Immuntherapie ist nur bei Allergien sinnvoll, bei denen das auslösende Allergen bekannt und eine geeignete Therapielösung erhältlich ist. Dies ist vor allem bei Insektengiftallergien, bei der Pollenallergie und bedingt bei der Hausstaubmilbenallergie der Fall. Bei Allergien auf Lebensmittel, Schimmelpilze und Kontaktallergien ist die Hyposensibilisierung wegen der Komplexität der Allergene meist erfolglos.

Außerdem müssen bestimmte gesundheitliche Voraussetzungen für die Anwendung der Hyposensibilisierung erfüllt sein: Bei Vorliegen einer Schwangerschaft, Tumorerkrankung, Tuberkulose, Leberfunktionsstörung, Niereninsuffienz, Autoimmunerkrankung oder bei einem geschwächten Immunsystem darf keine spezifische Immuntherapie erfolgen.

Die besten Ergebnisse mit einer Erfolgsquote von etwa 90 Prozent erzielt die klassische Hyposensibilisierung (= subkutane Immuntherapie bzw. SCIT mit unter die Haut – subkutan – gespritzter Therapielösung) bei einer Bienen- und Wespengiftallergie. Weitere Anwendungsgebiete, auf denen die klassische Hyposensibilisierung große Wirkung zeigt, sind die allergische Rhinokonjunktivitis (= allergischer Schnupfen mit Bindehautentzündung) durch eine Allergie gegen Pollen oder Hausstaubmilben sowie allergisches Asthma. (Wenn jedoch durch jahrelanges Bestehen des Asthmas die Lungenfunktion bereits dauerhaft eingeschränkt ist, ist es ratsam, auf eine Hyposensibilisierung zu verzichten.) Der Einsatz einer SCIT gegen bestimmte Schimmelpilzallergien (Alternaria, Cladosporium) und Tierallergien (Katzen) kann sich ebenfalls lohnen.

Die Anwendungsgebiete der neueren Form der Hyposensibilisierung (= sublinguale Immuntherapie bzw. SLIT mit unter die Zunge – sublingual – geträufelter Therapielösung) sind wesentlich kleiner: Bei einer Hausstaubmilbenallergie beziehungsweise bei allergischem Asthma stellt die SLIT keinen Ersatz für die Therapie mit Spritzen (SCIT) dar. Bei Pollenallergien findet neben der klassischen Hyposensibilisierung durch Spritzen jedoch zunehmend die sublinguale Immuntherapie Anwendung. Die unter die Zunge gegebenen Tropfen mit Pollenallergenen haben sich besonders gegen allergischen Schnupfen mit Bindehautentzündung bei Erwachsenen (auch bei saisonaler Anwendung) als wirksam erwiesen. Aber auch bei Kindern und Jugendlichen, bei denen eine Hyposensibilisierung per Spritze nicht infrage kommt, ist die SLIT anwendbar. Bei einer Gräserallergie, die eine Allergie gegen das Wiesenlieschgras einschließt, kann auch die Gräsertablette zur Hyposensibilisierung zum Einsatz kommen. Sie ist ebenso wie die sublinguale Hyposensibilisierung mit Tropfen besonders für Erwachsene geeignet, die starken Heuschnupfen haben und eine Desensibilisierung mit Spritzen ablehnen. Eine Hyposensibilisierung mit Gräsertabletten ist aber auch bei Kindern ab fünf Jahren möglich: Bei ihnen zeigt die einjährige spezifische Immuntherapie mit Tabletten eine ähnliche Wirkung wie bei Erwachsenen. Wie die Gräsertablette bei Kindern langfristig wirkt, lässt sich noch nicht sagen. Grundsätzlich ist es bei einer Allergie gegen Pollen ratsam, jegliche Hyposensibilisierung erst zu beginnen, wenn sich entsprechende Beschwerden auch in der zweiten Pollensaison zeigen.

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