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Stand: 27. April 2012Autor: Onmeda-Redaktion
Wenn der Verdacht auf bestimmte Erkrankungen des Gehirns und Rückenmarks (zentrales Nervensystem, ZNS) besteht, ist es oft ratsam, mit einer Lumbalpunktion (Liquorpunktion) Nervenwasser (Liquor) zu entnehmen. Im Labor wird die Flüssigkeit dann genau untersucht. Die Ergebnisse dieser Liquoruntersuchung (Liquordiagnostik) unterstützen den Arzt dabei, die richtige Diagnose zu stellen.
Im Normalfall ist der Liquor wasserklar und farblos. Ist das Nervenwasser allerdings rosafarben oder rötlich, besteht der Verdacht, dass rote Blutkörperchen (Erythrozyten) im Nervenwasser vorhanden sind. Eine Blutung kann dafür die Ursache sein. Kann man beim Verdacht auf eine Blutung eine rötliche Verfärbung des Liquors nicht mit bloßem Auge erkennen, helfen spezielle Teststreifen, den roten Blutfarbstoff Hämoglobin im Nervenwasser nachzuweisen. Bei einer großen Anzahl weißer Blutkörperchen (Leukozyten) erscheint das Hirnwasser weißlich getrübt. Eine Gelbfärbung des Nervenwassers entsteht bei einer eitrigen Hirnhautentzündung (Meningitis).
Ist man gesund, enthält der Liquor nur sehr wenige Zellen – höchstens fünf Zellen pro Mikroliter (µl). Leidet man allerdings an Infektionen, die auch das Nervensystem betreffen, steigt die Anzahl der Zellen an: Eine bakterielle Hirnhautentzündung (Meningitis) hat zum Beispiel eine Zellzahl von über 1.000 Zellen pro Mikroliter zur Folge. Die genaue Bestimmung des Zelltyps erlaubt auch Rückschlüsse darauf, ob Bakterien oder eher Viren die Infektion hervorgerufen haben.
Ein Nachweis von Krebszellen ist bei Hirntumoren und Hirnmetastasen möglich.
Stellt man im Rahmen einer Lumbalpunktion fest, dass im Liquor vermehrt Eiweiß vorhanden ist, gibt es dafür verschiedene Ursachen:
Die Bestimmung der Immunglobuline im Liquor ist für die Diagnose verschiedener Erkrankungen des zentralen Nervensystems wichtig. Immunglobuline sind Antikörper, die Teil des Immunsystems des Körpers sind. Eine Erhöhung der Immunglobulin-Konzentration im Liquor kann zwei Ursachen haben: Zum einen kann die Blut-Liquor-Schranke gestört sein, zum anderen können Immunzellen direkt im Liquor Eiweiße bilden, die für die Abwehrfunktion wichtig sind. Um die genaue Ursache herauszufinden, ist es notwendig, die Immunglobuline auch im Blut zu bestimmen und die Konzentrationen der verschiedenen Untergruppen dieser Eiweiße (sog. IgG, IgM, IgA) miteinander zu vergleichen.
Der Zuckergehalt – genauer gesagt die Glukose-Konzentration – im Liquor sollte für eine eindeutige Diagnose immer zusammen mit dem Blutzucker (Blutglukosewert) bestimmt werden. Im Normalfall ist der Glukosewert im Liquor ungefähr halb so hoch wie der Glukosewert im Blut. Bei einer Entzündung im Gehirn oder Rückenmark kann die Liquorglukose abfallen (unter 50 Prozent der Blutglukose). Erhöht ist sie dann, wenn die Blut-Liquor-Schranke gestört ist.
Laktat ist ein Abbauprodukt der Glukose. Hat der Arzt Liquor mithilfe einer Liquorpunktion entnommen, lässt er auch den Laktat-Wert im Liquor bestimmen. Ein erhöhter Wert kann darauf hinweisen, dass eine bakterielle oder tuberkulöse Hirnhautentzündung (Meningitis) vorliegt.
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