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Schutzimpfung kontrovers diskutiert

Behauptung 2

Stand: 12. Juni 2011Autor: Onmeda-Redaktion

"Bei einer Epidemie erkranken nachweislich mehr Geimpfte als Ungeimpfte."

Diese Behauptung der Impfgegner ist paradoxerweise sogar richtig, führt aber dennoch in die Irre. Ohne etwas Mathematik geht es aber nicht. Ein Beispiel:

Angenommen, in einem Dorf leben 1.000 Einwohner, von denen 20 Menschen nicht geimpft sind. Ein Besucher schleppt die Erreger der Masern ein, woraufhin die 20 Ungeimpften erkranken. Die Schutzimpfung gegen Masern hat eine Erfolgsquote von etwa 95 Prozent. Dies bedeutet: Die restlichen 5 Prozent – das heißt 49 Geimpfte – sind nicht gegen Masern immun und erkranken trotz Impfung ebenfalls. Somit gäbe es in dem Dorf 49 Erkrankte unter den Geimpften gegenüber 20 Erkrankten ohne eine Impfung. Das macht in der Rechnung fast dreimal so viel aus. Wäre aber kein einziger von den 1.000 Einwohnern geimpft worden, gäbe es unter Umständen 1.000 (!) Erkrankte.

Behauptung 3

"Das Durchleben einer Infektion ist natürlicher und sorgt beim Kind oft für einen Entwicklungsschub."

Das in dieser Behauptung verwendete Wort natürlich setzen viele mit gut gleich. Im Mittelalter betrug die durchschnittliche Lebenserwartung 35 Jahre – das war damals natürlich. Zu Goethes Zeiten starb die Hälfte aller Kinder – auch das war natürlich. Die sogenannten Kinderkrankheiten sind sicherlich natürlich, harmlos sind sie aber auf keinen Fall. Die Rate von Gehirnentzündungen (Enzephalitiden) beträgt bei Masern etwa 1:1.000 bis 1:2.000 – bei geimpften Menschen hingegen 1:1.000.000. Ohne Schutzimpfung gegen Masern würde die Zahl also innerhalb weniger Jahre um ein Mehrhundertfaches ansteigen. Bei 20 bis 30 Prozent der Betroffenen hinterlässt die Gehirnentzündung ernste körperliche oder geistige Schäden. In 10 bis 20 Prozent der Fälle endet sie tödlich.

Impfgegner profitieren von der Unübersichtlichkeit großer Zahlen: Um auch nur einen einzigen Komplikationsfall mit Gehirnentzündung mitzuerleben, ist es statistisch gesehen erforderlich, 2.000 ungeimpfte Kinder zu kennen – wer hat einen so großen Bekanntenkreis? Lassen also 2.000 Elternpaare ihr Kind nicht gegen Masern impfen, so stellen nachfolgend 1.999 von ihnen keine Komplikationen fest. 10.000.000 ungeimpfte Kinder führen aber bereits zu 5.000 Komplikationsfällen. Bei der gleichen Anzahl geimpfter Kinder (10.000.000) ergeben sich hingegen nur 10 Komplikationsfälle.

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