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Neuraltherapie

(Stand: 5. Dezember 2008)

Allgemeines

Die Neuraltherapie ist ein Verfahren, das sowohl zur Diagnose als auch zur Therapie von Erkrankungen eingesetzt werden kann. Bei dieser Methode werden örtlich wirksame Betäubungsmittel injiziert, um Erkrankungen aufzuspüren und Schmerzen zu lindern. Vor allem in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien ist die Neuraltherapie sehr verbreitet.

Grundlage

Die Neuraltherapie stützt sich auf zwei Theorien. Die Störfeldtheorie beruht auf der Vorstellung, dass krankhafte Prozesse, Verletzungen und Narben in einem Organ Einfluss auf andere Organe haben können. Ursächliche Stellen werden mit den Begriffen Herd, Fokus, Störfeld oder Irritationszentrum bezeichnet. Vertreter der Neuraltherapie sind der Meinung, dass der Körper für einen kurzen Zeitraum derartige Störungen ausgleichen kann. Langfristig gesehen werden die Störherde jedoch aktiviert und es entsteht ein organisches Leiden. Nach der Herd-Störfeld-Theorie ist es möglich, dass Krankheiten in einer Körperregion ihre Ursache in anderen Körperregionen haben. Ein aktives Störfeld wird erkannt, indem an der entsprechenden Stelle ein lokales Betäubungsmittel wie Prokain injiziert wird. Verschwinden die Beschwerden an anderen Körperstellen daraufhin, wurde das aktive Störfeld identifiziert und ausgeschaltet.

Bei der Segmenttheorie der Neuraltherapie geht man davon aus, dass es Nervenverbindungen zwischen den Organen und der Haut gibt. Jeder Körperabschnitt wird einem bestimmten Hautareal, der so genannten Head-Zone, zugeordnet. Ist die Haut in einer bestimmten Zone sehr empfindlich, kann auf eine Erkrankung des damit verbundenen Organs geschlossen werden. Die Neuraltherapie wird durch eine lokale Injektion vorgenommen. Die dabei eingesetzten Betäubungsmittel werden dazu verwendet, das vegetative Nervensystem zu beeinflussen.

Historisches

Die Neuraltherapie beruht auf einem Kunstfehler, der dem deutschen Arzt Ferdinand Huneke (1891-1966) bei der Behandlung seiner Schwester passierte. Er spritzte ihr das Lokalanästhetikum Prokain versehentlich in eine Vene statt in einen Muskel. Überraschenderweise verschwanden ihre Kopfschmerzen innerhalb von wenigen Sekunden. Huneke und sein Bruder Walter führten das Ergebnis auf das Prokain zurück, meinten jedoch, dass die Wirkung dadurch entstanden war, dass das vegetative Nervensystem beeinflusst wurde.

In weiteren Experimenten fand Huneke heraus, dass lokal injiziertes Prokain auch eine sekundäre Wirkung haben kann. Sein Konzept der Neuraltherapie beruht daher auf der Tatsache, dass Beschwerden an bestimmten Körperregionen durch Injektionen an entfernten Körperstellen behandelt werden können.

Wirksamkeit

Über die Wirksamkeit der Neuraltherapie gibt es nur wenige wissenschaftliche Untersuchungen. Zwar traten in diesen Studien positive Ergebnisse auf, aufgrund der geringen Studienteilnehmerzahl kann aber keine allgemein gültige Aussage über die Wirksamkeit gemacht werden.

Weiterlesen: Neuraltherapie: Durchführung

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