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Das vegetative Nervensystem: Sympathikus, Parasympathikus und enterisches Nervensystem

Veröffentlicht von: Till von Bracht (01. Oktober 2015)

Der menschliche Körper muss sich ständig an wechselnde Bedingungen anpassen: erhöht sich zum Beispiel die Umgebungstemperatur, aktivieren sich die Schweißdrüsen – strengt man sich körperlich an, steigt auch die Herzfrequenz.

Verantwortlich für diese lebenswichtigen Anpassungen ist das sogenannte vegetative Nervensystem. Es untergliedert sich in drei verschiedene Nervensysteme: Man unterscheidet

Funktionell kann man Sympathikus und Parasympathikus als sogenannte Antagonisten verstehen, das heißt ihre Wirkungen auf die verschiedensten Organe sind meist gegensätzlich.

Die Wirkung von Sympathikus und Parasympathikus auf verschiedene Organe

OrganSympathikusParasympathikus
Herz Herzfrequenz steigt, Herzkranzgefäße weiten sich Herzfrequenz sinkt, Herzkranzgefäße verengen sich
Blutgefäße Verengung Erweiterung
Blutdruck Steigt (durch die Verengung der Blutgefäße) Sinkt (durch die Erweiterung der Blutgefäße)
Lunge Entspannung: die Bronchien erweitern sich Kontraktion: die Bronchien verengen sich
Magen/Darm Verdauung wird gehemmt Verdauung wird gefördert
Niere verminderte Harnausscheidung (Antidiurese) Harnausscheidung (Diurese)
Auge Pupillen weiten sich Pupillen verengen sich
Harnblase Harnverhalten Harnentleerung

Sympathikus

Der Sympathikus versetzt den Körper in einen Zustand höherer Aufmerksamkeit und Fluchtbereitschaft.

Ein Mensch, der einer unmittelbaren Stresssituation oder Gefahrenquelle ausgesetzt ist (zum Beispiel durch ein wildes Tier), wird versuchen, die Flucht zu ergreifen. Dafür benötigt er mehr Blut in den Muskeln, um flüchten zu können. Das Herz muss demnach mit einer höheren Pumpfrequenz arbeiten.

Sein Sympathikus arbeitet in höchster Aktivität. Der Mensch beginnt zu schwitzen, da der Sympathikus auch die Schweißdrüsen aktiviert. Seine Lunge arbeitet stärker, um mehr Sauerstoff ins Blut zu schaffen.

In diesem Beispiel bedeutet die Aktivierung des Sympathikus also erhöhte Aufmerksamkeit. Der Körper und die Psyche werden durch den Sympathikus in Alarmbereitschaft gesetzt.

Der Sympathikus ist kein Organ, das sich wie zum Beispiel das Herz oder die Leber an einem bestimmten Ort im Körper befindet. Vielmehr ist der Sympathikus im ganzen Körper verteilt.

Die Nervenzellen des Sympathikus entspringen im Brust- und Lendenrückenmark. Ihre Fortsätze münden zum Teil in benachbarte Zellansammlungen, den sogenannten Ganglien. Die Ganglien sind untereinander nach oben und unten verbunden, sodass rechts und links vom Rückenmark ein perlschnurartiges Gebilde entsteht. Der aktivierte Sympathikus setzt in den Ganglien den Neurotransmitter Noradrenalin frei und schickt ihn zu den Zielorganen. Dort angekommen bindet sich Noradrenalin an bestimmte Andockstellen (Alpha- und Betarezeptoren) und stimuliert so die Organe.

Parasympathikus

Der Parasympathikus bringt den Menschen in einen Ruhezustand – er sorgt zum Beispiel dafür, dass die Herzfrequenz und der Blutdruck sinken und die Verdauungsaktivität steigt.

Wie der Sympathikus befindet sich auch der Parasympathikus nicht an einer bestimmten Stelle im Körper, sondern ist im ganzen Körper verteilt.

Die Ursprungsneurone des Parasympathikus liegen entweder im Hirnstamm oder im sakralen Rückenmark (das heißt im unteren Bereich der Wirbelsäule). Etwa 75 Prozent aller Nervenfasern des Parasympathikus entspringen im Hirnstamm. Sie regulieren die Funktion

  • der Augen,
  • der Drüsen,
  • des Herzens,
  • der Bronchien,
  • der Nieren und
  • des Magen-Darm-Trakts.

Die parasympathischen Nervenfasern, die ihren Ursprung im sakralen Rückenmark haben, steuern den Dickdarm, die Genitalien und die Harnblase.

Sobald höheren Zentren (z.B. der Hypothalamus) den Parasympathikus aktivieren, setzen die Nervenzellen im Hirnstamm und im Sakralmark den Neurotransmitter Acetylcholin frei und schicken ihn zu den Ganglien in Richtung der Zielorgane.

Beim Parasympathikus befinden sich die Ganglien in der Nähe oder sogar innerhalb der Organe. Das ankommende Acetylcholin regt die Ganglien wiederum dazu an, ebenfalls Acetylcholin freizusetzen. Dieser Neurotransmitter wirkt dann direkt auf das Organ und führt zum Beispiel dazu, dass sich die Pupillen verengen.

Enterisches Nervensystem

Das enterische Nervensystem ist ein kompliziertes Geflecht aus Nervenzellen, das nahezu den gesamten Magen-Darm-Trakt durchzieht. Man kann das enterische Nervensystem als "Gehirn des Verdauungskanals" ansehen, da es völlig unabhängig vom zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) funktioniert.

Wird zum Beispiel ein Teil des Darms durch den Darminhalt gedehnt, nimmt das enterische Nervensystem diese Informationen auf. Anschließend leitet es die Signale an die Muskulatur des Darms weiter, der sich daraufhin abwechselnd zusammenzieht und wieder entspannt. Durch diese Darmbewegungen wird der Speisebrei durchmischt und weiterbefördert. Der medizinische Fachausdruck dafür lautet Darmperistaltik.

Das enterische Nervensystem reguliert sich zwar unabhängig von äußeren Einflüssen – der Sympathikus und der Parasympathikus können es allerdings beeinflussen. Der Sympathikus hemmt die Verdauung, der Parasympathikus regt sie an.


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