Das Skelett: Schädel, Kopfverletzungen & Gehörknöchelchen

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (03. Februar 2014)

Das Skelett des Schädels ist aus 26 mehr oder weniger unregelmäßig geformten Knochen zusammengesetzt. Rechnet man die Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel dazu, dann besteht das Skelett des Schädels aus insgesamt 29 Knochen. Sie sind entweder über entsprechende Nahtstellen miteinander verknüpft, wie die Knochenplatten des Schädeldachs, oder gelenkig verbunden, wie die Knochen von Ober- und Unterkiefer oder die Gehörknöchelchen. Ebenfalls zum Skelett des Schädels zählt das Zungenbein. Es ist U-förmig und dient der Zungenmuskulatur als Ansatzpunkt. Diese Knochen fügen sich zu einer Einheit zusammen und bilden das Schädel-Skelett, das unterschiedliche Funktionen erfüllt.

Grundsätzlich gliedert sich das Schädel-Skelett in:

  • den Gesichtsschädel (Viscerocranium) und
  • den Gehirnschädel (Neurocranium).

Mit Ausnahme der Ober- und Unterkieferknochen sowie der Gehörknöchelchen sind alle Knochen, aus denen sich das Skelett des Schädels zusammensetzt, fest miteinander verbunden. Die Grenze zwischen Gesichtsschädel und Gehirnschädel verläuft beiderseits vom äußeren Gehörgang über den oberen Rand der Augenhöhle bis zur Nasenwurzel.

Gehirnschädel

Der Gehirnschädel setzt sich aus dem Schädeldach und der Schädelbasis zusammen. Der Gesichtsschädel baut sowohl das Nasen-Skelett als auch das Kiefer-Skelett auf. An mechanisch besonders belasteten Stellen bilden einzelne Schädelknochen zusätzliche Verstrebungen aus, die die Stabilität erhöhen.

Abbildung eines Schaedels, Seitenansicht © LifeART image/2001/ Lippncott Williams & Wilkins all rights rese

Anatomie des Schädels im Profil

Die Knochen des Schädeldachs sind Teil des Skeletts. Sie sind durch unregelmäßig verlaufende Knochennähte starr miteinander verbunden, die aus schmalen Bindegewebsstreifen bestehen. Das Schädeldach baut sich aus insgesamt sechs Knochen (Knochenplatten) auf: Am Vorderende beginnt das Schädeldach mit dem Stirnbein (Squama frontalis). An das Stirnbein grenzt das aus zwei separaten Knochenplatten bestehende Scheitelbein (Os parietale) an. Am hinteren Ende des Schädeldachs befinden sich noch zusätzlich die beiden sogenannten Suturenknochen sowie das Hinterhauptbein (Squama occipitalis). Innerhalb des menschlichen Skeletts wird der untere Teil des Gehirnschädels als Schädelbasis bezeichnt. Man unterteilt sie in die äußere und die innere Schädelbasis (Basis cranii externa und interna). Im Übergang zwischen dem seitlichen Schädeldach und der Schädelbasis schließt sich das Schläfenbein (Os temporale) an. Auf das Schläfenbein folgt schließlich das Keilbein. Zur Schädelbasis gehört zusätzlich das Siebbein (Os ethmoidale).

Fontanelle bei Neugeborenen

Während die Knochengrenzen (Suturen) des Schädeldachs im Skelett eines Erwachsenen an entsprechender Stelle Knochennähte ausbilden, sind diese Nähte (oder besser: Zwischenräume) beim Neugeborenen noch mit Bindegewebe gefüllt. Sie liefern die Zuwachsflächen für die späteren Nähte des Schädeldachs. Treffen beim Neugeborenen mehrere Schädeldachknochen zusammen, so bilden die einzelnen Bindegewebsflächen eine sogenannte Fontanelle aus, zu Deutsch Knochenlücke aus.

Die Funktion der Fontanelle besteht darin, den Weg des Neugeborenen durch den Geburtskanal zu erleichtern.

Insgesamt finden sich im Skelett eines Neugeborenen sechs Fontanellen, alle im Bereich des Schädels. Die größte Fontanelle, die Stirnfontanelle (Fonticulus anterior), sitzt zwischen Stirn- und Scheitelbein. Im Falle einer Hirnhautentzündung (Meningitis) kann sich diese Fontanelle etwas nach außen wölben oder verhärten. Bei etwa der Hälfte der Kinder schließt sich die Stirnfontanelle zwischen dem 9. und dem 18. Lebensmonat, spätestens jedoch bis zum 27. Lebensmonat.

Die kleine Fontanelle, auch Hinterhaupts-Fontanelle (Fonticulus posterior) genannt, befindet sich zwischen Scheitelbein und Hinterhauptbein. Diese Fontanelle ist dreieckig geformt und schließt sich innerhalb des ersten Vierteljahres nach der Geburt.

Die hinteren Seiten-Fontanellen (Fonticulus mastoideus) sitzen jeweils links und rechts zwischen Schläfen-, Scheitel- und Hinterhauptbein und schließen sich bis zum 18. Lebensmonat. Die vorderen Seiten-Fontanellen (Fonticulus sphenoidalis) sitzen jeweils links und rechts zwischen Stirnbein, Scheitelbein und großem Keilbeinflügel. Sie schließen sich im ersten Lebensjahr.

Gesichtsschädel

Das Skelett des Gesichtsschädels besteht aus insgesamt fünf Bereichen:

  • Augenhöhle
  • Mundhöhle
  • Nasenhöhle
  • Zungenbein
  • Gehörknöchelchen
Abbildung eines Schaedels, Frontalansicht © LifeART image/2001/ Lippncott Williams & Wilkins all rights rese

Anatomie des Schädels von vorne

Im Zentrum des Gesichtsschädels liegt das Nasenbein, ein paariger Knochen (Os nasale), an den sich zur Schädelinnenseite hin die Nasenmuschel (Concha nasalis) anschließt, die aus mehreren Teilen besteht. Links und rechts des Nasenbeins schließen sich das Tränenbein (Os lacrimale) und das Jochbein (Os zygomaticum) an. Beide Knochen liegen ebenfalls paarig vor. Unterhalb des Nasenbeins liegt der Oberkiefer (Maxilla), der gemeinsam mit dem Unterkieferknochen (Mandibula) den Kiefer bildet. Daneben zählen folgende Knochen zum Gesichtsschädel:

  • das Pflugscharbein (Vomer)
  • das Gaumenbein (Os palatinum)
  • das Zungenbein (Os hyoideum)
  • die Gehörknöchelchen des Mittelohrs:
    • Hammer (Malleus)
    • Amboss (Incus)
    • Steigbügel (Stapes)

Kopfverletzungen

Das Skelett des Schädels schützt das Gehirn vor Kopfverletzungen, die in den unterschiedlichsten Situationen auftreten können, wie zum Beispiel beim Sport, im Haushalt, bei Arbeits- oder Autounfällen. Allerdings nur bis zu einem gewissen Grad: Ist die Gewalteinwirkung zu groß, dann kann es zu schweren Kopfverletzungen kommen, bei denen möglicherweise auch das Gehirn verletzt wird.

Je nach Schwere der Verletzung unterscheidet man zwischen

  • einer Gehirnerschütterung (Commotio cerebri),
  • einer Gehirnprellung (Contusio cerebri) oder
  • einer Gehirnquetschung (Compressio cerebri).

Außerdem kann es in verschiedenen Schädelbereichen zu Brüchen (Kopffrakturen) kommen. Besonders betroffen sind im Bereich des Schädel-Skeletts:

  • das Nasenbein
  • das Schädeldach
  • die Schädelbasis
  • Gesichtsschädel

Zu den häufigsten Kopfverletzungen zählt der Nasenbeinbruch (Nasenbeinfraktur), der in der Regel durch einen Sturz oder einen Schlag auf das Nasenbein verursacht wird. Zu den deutlich seltener auftretenden Kopfverletzungen zählt der sogenannte Gesichtsschädelbruch, der durch massive Gewalteinwirkung auf das Gesicht entsteht, zum Beispiel infolge eines Autounfalls. Ein Gesichtsschädelbruch ist meist schon mit bloßem Auge zu erkennen: Das Gesicht ist geschwollen und die Gesichtszüge sind oft asymmetrisch gegeneinander verschoben. Im Gegensatz dazu ist ein Schädelbasisbruch (Schädelbasisfraktur) äußerlich nur sehr schwer zu erkennen. Zum Schädelbasisbruch kommt es ebenfalls durch starke Gewalteinwirkung zum Beispiel infolge eines Unfalls.

Ein Bruch im Bereich der Knochen des Schädeldachs wird als Schädelbruch (Kalottenfraktur) bezeichnet. In schweren Fällen kann sogar ein Schädelknochen aus der Haut austreten.

Gehörknöchelchen

Innerhalb des Schädel-Skeletts zählen die Gehörknöchelchen zum Gesichtsschädel. Sie liegen in der Paukenhöhle, einem Hohlraum im Mittelohr.

Abilldung der einzelnen Gehörknochen: Hammer, Amboss und Steigbügel © LifeART image/2001/ Lippncott Williams & Wilkins all rights rese

Abbildung der Gehörknochen

Zu den Gehörknöchelchen zählen:

  • Hammer (Malleus)
  • Amboss (Incus)
  • Steigbügel (Stapes)

Alle drei Gehörknöchelchen sind über Gelenke miteinander verbunden. Sie leiten den Schall, der auf das Außenohr trifft, zum Innenohr weiter. Der Schall wird dabei um ein Vielfaches verstärkt.

Die Gehörknöchelchen sind die kleinsten Knochen im menschlichen Körper. Im Mittelohr von den übrigen Teilen des Schädel-Skeletts umgeben, sind die Gehörknöchelchen weitgehend vor Verletzungen durch Gewalteinwirkungen geschützt. Allerdings kann es durch entzündungsähnliche Prozesse zu Schädigungen in den Gehörknöchelchen kommen, die man als Otosklerose bezeichnet. In der Folge wird der Steigbügel zunehmend steif und unbeweglich und verliert dadurch seine Fähigkeit, den Schall vom Amboss auf das Innenohr zu übertragen und zu verstärken. Die Otosklerose äußert sich durch Symptome wie schubweise auftretende Schwerhörigkeit.

Die Gehörknöchelchen haben eine zentrale Bedeutung für die Funktion eines Sinnesorgans, des Ohrs.