Das Skelett: Rumpf

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (03. Februar 2014)

Zum Rumpf-Skelett zählen – neben der Wirbelsäule (Columna vertebralis) – der Brustkorb (Thorax), der sich aus Rippen (Costae), Brustbein (Sternum) und Brustwirbelsäule zusammensetzt, sowie die Arme.

Der Übergang des Menschen zum aufrechten Gang hat sich nachhaltig auf das Skelett, insbesondere auf das Rumpf-Skelett ausgewirkt und zu einem ausgeprägten Wandel im Bereich des Rumpfs geführt. Denn infolge des aufrechten Gangs wurde der Rumpf zum Träger des Schädels. Die Arme veränderten ihre Funktion: Aus Fortbewegungsorganen wurden Greiforgane. Zusätzlich führt der aufrechte Gang zur typischen doppelten S-Krümmung der Wirbelsäule und der Verbreiterung der Hüftbeine.

Wirbelsäule

Die Wirbelsäule (Columna vertebralis) ist Teil des Skeletts, genauer des tragenden Teils: Denn die Wirbelsäule trägt Kopf, Hals und Rumpf sowie die Arme.

Das Wirbelsäulen-Skelett besteht aus einzelnen Wirbeln. Betrachtet man die Wirbelsäule von der Seite, so erkennt man, dass sie leicht doppelt S-förmig gekrümmt ist. Die Wirbelsäule unterteilt sich in fünf Abschnitte:

  • Halswirbelsäule (HWS): Die Halswirbelsäule umfasst 7 Halswirbel (Vertebrae cervicales). Zu ihnen zählen auch die am unteren Ende des Schädels ansetzenden Halswirbel Atlas und Axis. Sie ermöglichen die freie Drehung des Kopfes zur Seite sowie nach oben und unten (Nickbewegung).
  • Brustwirbelsäule (BWS): Sie besteht aus insgesamt 12 Brustwirbeln (Vertebrae thoracicae).
  • Lendenwirbelsäule (LWS): Sie besteht aus 5 Lendenwirbeln (Vertebrae lumbales)
  • Kreuzbein: Im Gegensatz zu Hals-, Brust- und Lendenwirbeln besteht das Kreuzbein aus insgesamt 5 Kreuzwirbeln, die zwischen dem 20. und 25. Lebensjahr miteinander verschmelzen.
  • Steißbein: Das Steißbein schließt die Wirbelsäule am unteren Ende ab. Sie besteht aus 3 bis 6 Wirbeln, die miteinander verschmolzen sind. Bei den meisten Menschen besteht die Wirbelsäule aus 4 miteinander verschmolzenen Wirbeln.
Man sieht die schematische Darstellung der Wirbelsäule.

Die Wirbelsäule von der Seite gesehen

Zu den häufigsten Fehlstellungen der Wirbelsäule zählt die Skoliose, bei der sich die einzelnen Wirbelkörper des Wirbelsäulen-Skeletts gegeneinander verdrehen. Es kommt zu einer Verbiegung der Wirbelsäule. Von der Skoliose sind neben den Wirbeln der Brustwirbelsäule insbesondere die Wirbel der Lendenwirbelsäule betroffen. Allerdings handelt es sich bei der Skoliose um keine verschleißbedingte Erkrankung der Wirbelsäule. Denn die Skoliose tritt vor allem im Kleinkind-, Kindes- und Jugendalter auf und wird durch bestimmte Fehlstellungen der Wirbel verursacht.

Video: Anatomie der Halswirbelsäule

Des Weiteren können im Bereich der Wirbelsäule Erkrankungen wie zum Beispiel Morbus Scheuermann und Morbus Bechterew auftreten. Beim Morbus Bechterew handelt es sich um rheumatisch-entzündliche Erkrankung, die im Bereich der Wirbelsäule zu Entzündungen in den Gelenken der Wirbelkörper führt, wodurch diese sich versteifen können. Morbus Scheuermann ist durch eine Wachstumsstörung der Wirbel bedingt und zeichnet sich typischerweise durch einen Rundrücken im Brustwirbelbereich aus.

Bandscheiben

Die Wirbel sind untereinander durch Bandscheiben (Zwischenwirbelscheiben, Disci intervertebrales) sowie verschiedene Bänder miteinander verbunden. Bandscheiben bestehen aus einem äußeren Ring aus Bindegewebe und Knorpel und einem inneren Gallertkern (Nucleus pulposus). Sie dienen als elastischer Puffer zwischen den Wirbeln. Zusätzlich stehen die einzelnen Wirbel des Wirbelsäulen-Skeletts über Gelenke und Bänder miteinander in Verbindung. Die Größe der einzelnen Wirbel nimmt zur Lendenwirbelsäule hin zu. Der Grund: Die Wirbelbelastung durch das eigene Körpergewicht ist in diesem Bereich höher. Hier treten Rückenschmerzen und Verschleißerscheinungen auch häufiger auf als zum Beispiel im Bereich der Halswirbelsäule.

Illustration: Die Bandscheibe.

Bandscheibe von vorne

Auch der Bandscheibenvorfall, der eine Konsequenz von verschleißbedingten Veränderungen von Wirbeln und Bandscheiben im Wirbelsäulen-Skelett ist, ereignet sich in der Mehrzahl der Fälle im Bereich der Lendenwirbelsäule. Die Halswirbelsäule ist deutlich seltener von einem Bandscheibenvorfall betroffen.

Entgegen der landläufigen Meinung handelt es sich bei einem Hexenschuss nicht um den Vorboten oder die Auswirkungen eines Bandscheibenvorfalls, sondern vielmehr um Blockierungen der Wirbelgelenke oder akute Muskelzerrungen.

Video: Künstliche Bandscheibe – wie wird sie eingesetzt?

Wirbel

Grundsätzlich besteht jeder Wirbel im Skelett der Wirbelsäule aus dem eigentlichen Wirbelkörper (Corpus vertebrae), dem Wirbelbogen (Arcus vertebrae) und dem Wirbelloch (Foramen vertebrale). Das Wirbelloch liegt im Zentrum des Wirbels und ermöglicht den Durchtritt des Rückenmarks durch das Wirbelsäulen-Skelett. Die Wirbellöcher aller Wirbel bilden den Wirbelkanal zum Schutz und zur Durchleitung des Rückenmarks.

Jeder Wirbel besitzt einen nach hinten weisenden Dornfortsatz (Processus spinosus) und einen zur Seite weisenden, paarigen Querfortsatz (Processus transversus).

Illustration: Abbildung eines Wirbels (von oben) © LifeART image/2001/ Lippncott Williams & Wilkins all rights rese

Ein Wirbelbogen von oben

Zusätzlich befinden sich am Wirbelbogen jedes Wirbels zwei Gelenkfortsätze (Processus articularis superior und inferior), die die gelenkige Verbindung mit den jeweils darüber und darunter liegenden Nachbarwirbeln herstellen. Dieses sogenannte Facettengelenk ermöglicht die Bewegung der Wirbel gegeineinander, schränkt ihre Bewegung allerdings in andere Richtungen ein. Die Wirbel liegen wie ein Stapel Dachziegel übereinander.

Im Bereich der Wirbelkörper kann es zu Wirbelkörperbrüchen kommen, zum Beispiel nach starker Gewalteinwirkung. In einigen Fällen können sogenannte pathologische Wirbelbrüche auftreten, die insbesondere im Rahmen von Krebserkrankungen durch Tochtergeschwulste (Metastasen) entstehen, aber auch durch rheumatische Erkrankungen hervorgerufen werden.

Brustkorb

Abbildung des Brustkorb-Skeletts, Frontalansicht

Brustkorb von vorne

Der Brustkorb umschließt die Brusthöhle und schützt die inneren Organe, die in der Brusthöhle liegen. Das Skelett des Brustkorbs besteht aus:

  • Brustbein (Sternum),
  • Rippen (Costae) und
  • Brustwirbelsäule.

Insgesamt 12 Rippenpaare beteiligen sich am Aufbau des schützenden Rippenbogens. Lediglich die ersten 7 von ihnen münden tatsächlich im vorne zentral liegenden Brustbein. Die restlichen Rippenpaare verschmelzen entweder mit den Rippenpaaren, die mit dem Brustbein in Kontakt treten oder sie enden frei im Raum zwischen Muskel und seitlicher Bauchwand.

Schulter

Illustration: Aufbau der Schulter

Schulterbereich von vorne

Die Schulter-Skelett besteht aus:

  • Schulterblatt (Scapula),
  • Schlüsselbein (Clavicula),
  • Schulterhauptgelenk,
  • Nebengelenken sowie
  • Muskeln, Bändern und Sehnen.

Der Schultergürtel verbindet Arme und Oberkörper miteinander. Der Schultergürtel setzt sich aus dem Schlüsselbein (Clavicula) und dem Schulterblatt (Scapula) zusammen, das aus jeweils zwei Knochen besteht. Das Schulterblatt bildet die Gelenkpfanne für das Gelenk des Oberarmknochens. Zu den häufigsten Komplikationen, die im Bereich des Schultergürtels auftreten können, zählt der Schlüsselbeinbruch. Er gehört zu den häufigsten Knochenbrüchen überhaupt.

Arm

Das Skelett des Arms besteht aus drei Abschnitten:

  • dem Oberarm,
  • dem Unterarm und
  • der Hand.

Oberarm

Der Oberarm ist aus dem Oberarmknochen (Humerus) aufgebaut, an dem verschiedene Muskeln ansetzen, um ihre Kraft zu entfalten. Zu ihnen zählen der Armbeuger oder Bizeps (Musculus biceps brachii) und der Armstrecker oder Trizeps (Musculus triceps brachii). Oberarm und Unterarm stehen über das Ellenbogengelenk in Verbindung.

Unterarm

Im Gegensatz zum Oberarm besteht das Skelett des Unterarms aus zwei Knochen, die als Speiche (Radius) und als Elle (Ulna) bezeichnet werden.

Abbildung der Armknochen (Oberarmknochen, Unterarmknochen, Hand-Skelett © LifeART image/2001/ Lippncott Williams & Wilkins all rights rese

Skelett des Arms

Die Knochen des Unterarms beginnen mit dem Ellenbogengelenk und münden über das Handgelenk in die Knochen der Hand. Wenn man den rechten Unterarm im rechten Winkel beugt und die Hand nach oben öffnet, liegt die Speiche auf der rechten Seite des Unterarms und die Elle auf der linken Seite.

Die Speiche ist um die Längsachse drehbar und überträgt die Drehung auf die Hand. Die Elle ist auf Grund ihres Aufbaus nicht in der Lage, solche Rotationsbewegungen durchzuführen. Sie fungiert über das Ellenbogengelenk gemeinsam mit dem Oberarmknochen als stabiles Scharnier. Beide Unterarmknochen stehen über das Handgelenk mit der Hand, genauer der Handwurzel, in Verbindung.

Der Bruch der Speiche in der Nähe des Handgelenks zählt zu den häufigsten Knochenbrüchen überhaupt. Besonders davon betroffen sind Kinder im Alter zwischen 6 und 12 Jahren, da sie öfter stürzen.