Die Schweißdrüsen: Das Immunsystem riechen

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (19. Juni 2012)

Ein weiterer Faktor äußert sich beim Menschen über den Geruch, selbst wenn dieser nicht unbedingt bewusst als solcher wahrgenommen wird, sondern einfach Teil des Körpergeruchs ist: Denn jeder Mensch besitzt eine individuelle Variante des sogenannten MHC-Komplexes. Unter MHC-Komplex versteht man einen speziellen Teil des Immunsystems, der sich bei jedem Menschen etwas unterscheidet und von den Genen festgelegt ist.

Den MHC-Komplex des Gegenübers zu erschnuppern, liefert einem auf unbewusster Ebene Informationen darüber, wie genetisch ähnlich einem der MHC-Komplex – und damit das Gegenüber selber ist. Mitglieder der eigenen Familie lassen sich zum Beispiel im Versuch anhand dieses Geruches erkennen. Der Geruch des MHC-Komplexes beeinflusst zudem möglicherweise die Partnerwahl: In Experimenten, in denen Frauen T-Shirts von Männern nach dem Geruch auswählen sollten, bevorzugten Frauen vor allem den Geruch von MHC-Komplexen, die sich von ihrem eigenen möglichst unterschieden – und damit genetisch am weitesten vom eigenen abweichen.

Allerdings gerät der MHC-Geruch ins Hintertreffen, wenn nach anderen Faktoren ausgewählt werden soll. In Versuchen, in denen Frauen Fotos von Männern auswählen sollten, bevorzugten diese Gesichter von Männern, die eher der eigenen Gesichtssymmetrie und dadurch genetisch auch dem eigen MHC-Komplex ähnelten.

Experten vermuten, dass beide Faktoren (geruchliche und optische) eine Rolle spielen und unbewusst in die Entscheidung bei der Partnerwahl mit einfließen. Demnach wird also ein Partner gesucht, dessen MHC-Komplex ähnlich, aber doch unterschiedlich genug ist. Zu große Unterschiede sollen sich nämlich möglicherweise schädlich auf den Nachwuchs auswirken können.

Wie groß der Einfluss des MHC-Komplexes auf die Partnerwahl letzten Endes tatsächlich ist, kann bislang jedoch niemand sagen.