Die Schweißdrüsen: Apokriner Schweiß

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (19. Juni 2012)

Im Unterschied zum ekkrinen Schweiß ist das Sekret der Duftdrüsen (apokrine Schweißdrüsen) alkalisch, milchig-trüb und weniger flüssig. Apokriner Schweiß enthält vor allem:

  • Fette (Lipide)
  • Glykoproteine
  • Abbauprodukte des männlichen Sexualhormons Testosteron (bei Männern höhere, bei Frauen niedrigere Konzentrationen)
  • körpereigene Duftstoffe (Pheromone)

Schweißgeruch

Der typische Schweißgeruch ist im Grunde eine "apokriner Schweißgeruch", denn er entsteht eigentlich durch das Sekret der Duftdrüsen (apokrine Schweißdrüsen). Diese kommen nur im Bereich der Achselhöhlen, Brustwarzen sowie im Genital- und Analbereich vor. Das frische Sekret der apokrinen Schweißdrüsen ist erst einmal geruchlos.

Jeder Mensch besitzt eine Hautflora, also Mikroorganismen, die natürlicherweise die Haut besiedeln. Befindet sich apokriner Schweiß eine Weile auf der Haut, kommt er in Kontakt mit diesen Bakterien. Das Sekret der Duftdrüsen enthält Stoffe, die vor allem von Corynebakterien (häufiger beim Mann) und Mikrokokken (häufiger bei der Frau) zersetzt werden. Corynebakterien und Mikrokokken sind typische Keime der Hautflora. Diese zersetzen das Sekret (insbesondere Fette und Eiweiße) und bilden dabei unangenehm riechende Stoffe, wie Buttersäure, Propion- und Essigsäure, die wir als den typischen säuerlichen (v.a. bei Frauen) oder stechenden Schweißgeruch (v.a. bei Männern) wahrnehmen.

Wie stark der Geruch ist, hängt auch davon ab, wie viele Bakterien sich auf der Haut befinden. Bis sich der Schweißgeruch entwickelt, dauert es zudem eine Weile. In den meisten Fällen lässt sich Schweißgeruch daher durch eine regelmäßige Körperhygiene vorbeugen.

Bestimmte Faktoren fördern die Entstehung von Schweißgeruch, weil Bakterien der Hautflora den apokrinen Schweiß dabei schneller beziehungsweise leichter zersetzen, so zum Beispiel:

  • warmes Wetter
  • hohe Luftfeuchtigkeit
  • geistige Anstrengung
  • Stress
  • Behaarung im Achsel- und Schambereich: Der Haarwuchs kann zum einen die Reinigung erschweren. Zum anderen sammeln sich durch die Haare rascher Zelltrümmer der Hautzellen und Schweiß im jeweiligen Körperbereich – ein idealer Nährboden für Bakterien. Bei mangelnder Hygiene können Corynebakterien sich z.B. dicht um den Haarschaft herum anheften und regelrecht daran kleben.

Sexualhormone

Apokriner Schweiß von Männern riecht anders als der von Frauen. Und Schweiß von Kindern riecht fast gar nicht. Das liegt daran, dass die apokrinen Schweißdrüsen erst mit Beginn der Pubertät aktiv werden und ein Sekret abgeben. Also dann, wenn die Produktion von Sexualhormonen beginnt.

Sowohl Frauen als auch Männer geben über die Duftdrüsen ein Abbauprodukt des männlichen Sexualhormons Testosteron ab, das Androstadienon, – allerdings in unterschiedlichen Konzentrationen: Während das Hormon bei Frauen nur in geringen Mengen vorkommt, ist die Konzentration bei Männern deutlich höher und kommt deshalb in puncto Schweißgeruch auch vor allem bei ihnen zum Tragen.

Für sich genommen ist Androstadienon erst mal geruchslos – auch in frischem Schweiß hat es keinen Geruch. Erst wenn sich das Abbauprodukt länger auf der Haut befindet, haben Bakterien Zeit, es weiter zu zersetzen. Auf diese Weise wird es erst in das urinähnlich riechende Androstenon und dann in Androstenol umgewandelt, das moschus- und sandelholzartig riecht.

Wie apokriner Schweiß für andere riecht, ist individuell verschieden. Während manche Menschen vor allem die unangenehme, schweißig- oder urinartige Komponente wahrnehmen, sticht für andere eher ein holziger, süßer und blumiger Aspekt hervor, der als angenehm empfunden wird. Einige Menschen (ca. 40 %) sind hingegen gar nicht in der Lage, diesen durch Hormone verursachten Geruch wahrzunehmen.

Die Unterschiede in der Geruchswahrnehmung haben ihre Ursache in einem bestimmten Gen, das bei Menschen in unterschiedlichen Variationen vorkommt. Dieses Gen bestimmt, wie empfindlich bei ihnen ein bestimmter Riechrezeptor ist und hat zur Folge, dass manche Menschen den Schweißgeruch sehr intensiv wahrnehmen und unangenehm (sog. "supersmellers") oder angenehm empfinden – oder auch kaum bis gar nicht wahrnehmen.

Mit Beginn der Pubertät, wenn die Produktion der Sexualhormone beginnt, verändert sich zudem bei Männern die Schwelle für die Geruchswahrnehmung von Androstenon beziehungsweise dessen Vorläufer, sodass Männer diese Komponente im eigenen Schweiß geruchlich weniger oder sogar gar nicht mehr registrieren. Parallel verstärkt sich bei Frauen ab der Pubertät die Wahrnehmung von Androstenon.