Das Rückenmark – Brücke zwischen Kopf und Körper: Weitere Bestandteile

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (28. März 2014)

Graue und weiße Substanz

Im Mittelpunkt des Rückenmarks lässt sich eine graue Substanz in Form eines Schmetterlings erkennen. Hier finden sich die Nervenzellkörper. Die graue Substanz ist umschlossen von einer weißen Substanz, in der hauptsächlich markhaltige Nervenfasern der auf- und absteigenden Nervenbahnen verlaufen.

Die Vorwölbungen der grauen Substanz werden unterteilt in Vorderhorn (vordere Vorwölbungen) und Hinterhorn (hintere Vorwölbungen). Im Bereich der Brust befindet sich zwischen den beiden Vorwölbungen des Rückenmarks zusätzlich ein Seitenhorn.

Das Vorderhorn enthält vor allem motorische Nervenzellen, deren efferente Nervenfasern das Rückenmark über die vordere Wurzel verlassen. Sie leiten überwiegend Signale zur Muskulatur weiter und heißen Motoneurone.

Im Hinterhorn befinden sich Zellen der Schaltneurone (Interneurone). Eintretende afferente Nervenfasern aus der Peripherie enden in einer Synapse, die Signale an die nächste Nervenfaser umschaltet.

In den Seitenhörnern im Brustbereich arbeiten motorische Nervenzellen des vegetativen Nervensystems. Hier verlassen efferente Nervenzellen, die Impulse vom Zellkörper wegleiten, das Rückenmark über die vordere Wurzel – sie übertragen Reize zu inneren Organen und Drüsen.

Die Zellkörper der afferenten Fasern liegen teilweise außerhalb des Rückenmarks. Dort gibt es Ansammlungen von Nervenzellkörpern, die eine Verdickung des Nervenstranges bilden. Diese Nervenknoten bezeichnet man an dieser Stelle als Spinalganglion. Hier treffen Informationen aus dem Körper ein und werden über die hintere Nervenwurzel ins Rückenmark geleitet.

Das Bild zeigt einen Wirbelkanal.

Das Rückenmark mit seiner grauen und weißen Substanz ist u.a umgeben von Wirbelkörpern, Rückenmarkshäuten und Liquor cerebrospinalis.

Liquor

In der Mitte der grauen Substanz verläuft der mit Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit (Liquor, Liquor cerebrospinalis) gefüllte Zentralkanal des Rückenmarks. Liquor ist eine klare Flüssigkeit, die als Schutz dient, indem sie Erschütterungen dämpft. Die Rückenmarksflüssigkeit befindet sich außerdem in einem Zwischenraum (Subarachnoidalraum), der von den Rückenmarkshäuten begrenzt wird und Gehirn und Rückenmark umschließt. Das gesamte Zentralnervensystem "schwimmt" in Liquor.

Mittels eines einfachen Verfahrens (Lumbalpunktion) ist es für einen Mediziner möglich, Liquor zu entnehmen. Die Untersuchung der Flüssigkeit kann wichtige Hinweise über Vorgänge im Gehirn liefern. So kann sie zum Beispiel bei der Diagnose von Störungen innerhalb des ZNS (wie z.B. Infektionen oder Alzheimer) nützlich sein.

Rückenmarkshäute

Gehirn und Rückenmark sind nicht nur von Schädelknochen, Wirbelkanal und Liquor geschützt; zusätzlich umgeben bindegewebsartige Häute (Meningen) die empfindlichen Gewebe – sie dienen ebenfalls dem Schutz. Als Verlängerung der Hirnhäute umschließen die Rückenmarkshäute das Rückenmark und die Spinalnervenwurzeln im Wirbelkanal. Wie auch die Hirnhäute bestehen Rückenmarkshäute aus drei verschiedenen Schichten:

  • harte Rückenmarkshaut (Dura mater spinalis)
  • Spinnengewebshaut (Arachnoidea spinalis)
  • weiche Rückenmarkshaut (Pia mater spinalis)

Die harte Rückenmarkshaut ist am Übergang von Gehirn zum Rückenmark (Hinterhauptloch, Foramen magnum) und in den Zwischenwirbelkörpern befestigt – sie erstreckt sich bis zum zweiten Kreuzbeinwirbel. Zwischen dem Knochen des Wirbelkanals und der harten Rückenmarkshaut befindet sich ein mit Fettgewebe gefüllter Zwischenraum, der ein Netz an venösen Blutgefäßen enthält.

Die Spinngewebshaut liegt direkt auf der harten Rückenmarkshaut auf. Daran grenzt ein weiterer Zwischenraum (Subarachnoidalraum), in dem sich die Rückenmarksflüssigkeit befindet. An der anderen Seite begrenzt die weiche Rückenmarkshaut den Subarachnoidalraum. Spinngewebshaut und weiche Rückenmarkshaut sind durch feine Bindegewebsstränge miteinander verbunden.