Das Ohr: Ohrenschmalz (Cerumen)

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (24. März 2017)

Der äußere Gehörgang ist von zahlreichen Härchen bedeckt. Die Haut des Gehörgangs enthält Drüsen, deren Sekrete zusammen mit abgestorbenen Hautzellen das fettige und gelb-bräunliche Ohrenschmalz (Cerumen) bilden.

Das Ohrenschmalz schützt die Haut des äußeren Gehörgangs vor dem Austrocknen, aber auch vor eindringendem Wasser. Zudem dient es der Selbstreinigung des Ohrs: Kleinere Staub- oder Schmutzpartikel, die ins Ohr gelangt sind, werden vom Ohrenschmalz umhüllt und mithilfe der Haare in Richtung Ohrmuschel abtransportiert. Das Ohrenschmalz enthält außerdem Bitterstoffe, die bis zu einem gewissen Maß verhindern, dass Insekten oder Bakterien in den Gehörgang eindringen. Ohrenschmalz ist also kein "Schmutz", der ständig entfernt werden müsste, sondern ein Schutz für den äußeren Gehörgang.

Ohrenschmalz entfernen – so geht's richtig!

Eigentlich ist nicht notwendig, die Ohren zu reinigen, denn die äußeren Gehörgänge reinigen sich mithilfe des Ohrenschmalzes gewissermaßen selbst. Da das Ohrenschmalz wichtige Schutzfunktionen hat, sollten Sie bei der Ohrenpflege höchstens Ohrenschmalz entfernen, das sich im Bereich der Ohrmuschel befindet. In den Gehörgang sollten sie dabei nicht eindringen.

So reinigen Sie Ihre Ohren richtig:

  • Reinigen Sie nur den äußeren Teil des Ohrs, also die Ohrmuschel, nicht aber den Gehörgang.
  • Verzichten Sie auf Wattestäbchen, denn diese können
    • die empfindlichen Gehörgänge oder das Trommelfell verletzen.
    • das Ohrenschmalz tief ins Ohr hineinschieben und zu einem Ohrenschmalzpfropf führen.
  • Benutzen Sie zum Reinigen der Ohrmuschel am besten einen feuchten Waschlappen oder ein angefeuchtetes Wattepad.
  • Achten Sie beim Reinigen darauf, dass Seife oder Shampoo nicht in die Gehörgänge gelangen.
  • Wer gar nicht ohne Wattestäbchen auskommt: Baby-Wattestäbchen sind speziell verdickt und verhindern, dass man damit zu tief ins Ohr rutscht.


Ohrenschmalzpfropf

Bei einigen Menschen produziert das Ohr zu viel Ohrenschmalz. Dann verhärtet es sich unter Umständen, quillt auf und bildet einen sogenannten Ohrenschmalzpfropf (auch Ceruminalpfropf oder Cerumen obturans genannt). Der Ohrenschmalzpfropf kann den äußeren Gehörgang ganz oder teilweise verstopfen und die Schallleitung unter Umständen erheblich beeinträchtigen – Betroffene hören dann plötzlich schlecht und haben ein unangenehmes oder dumpfes Gefühl im Ohr. Der Ohrenschmalzpfropf lässt sich durch eine Spülung mit körperwarmem Wasser beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt leicht aus dem Gehörgang entfernen. Die Beschwerden bessern sich danach in der Regel sofort. Bei manchen Menschen kann solch eine Spülung mitunter den Vagus-Nerv reizen und zu einem Husten- oder Brechreiz führen.