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Das Ohr: Innenohr

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (24. März 2017)

Das Innenohr (Auris interna) besteht aus

Das Innenohr (Auris interna) liegt gut geschützt im knöchernen Schädel, genauer gesagt im Felsenbein. Das Innenohr besteht aus einem komplizierten Kanalsystem und heißt deswegen auch Labyrinth. Das Labyrinth lässt sich nach seiner Funktion in zwei Abschnitte teilen:

  • das Schneckenlabyrinth (Labyrinthus cochlearis) mit dem eigentlichen Hörorgan (Corti-Organ) und
  • das Vorhoflabyrinth (Labyrinthus vestibularis) mit dem Gleichgewichtsorgan.

Das knöcherne Felsenbein umschließt die verschlungene Form des Innenohrs und bietet so eine Art knöchernen Abguss der verschiedenen Gänge und Räume – daher nennt man den knöchernen Bereich auch knöchernes Labyrinth. Im knöchernen Labyrinth wiederum liegt das sogenannte häutige Labyrinth (auch: membranöses Labyrinth), das sich in die knöcherne Form des Labyrinths einschmiegt.

Illustration: Darstellung des Innenohrs

Das Innenohr besteht aus Gleichgewichtsorgan und Hörorgan.

Im Unterschied zum äußeren Ohr und dem Mittelohr, die beide Luft enthalten, ist das Innenohr mit einer klaren Flüssigkeit gefüllt: der sogenannte Peri- und Endolymphe. Das knöcherne Labyrinth enthält Perilymphe, in der das häutige Labyrinth quasi "schwimmt". Das häutige Labyrinth enthält Endolymphe.

Peri- und Endolymphe unterscheiden sich in ihrer elektrochemischen Zusammensetzung: Während die Perilymphe reich an Natrium- und arm an Kaliumionen ist, verhält es sich bei der Endolymphe genau andersherum – sie enthält sehr viel Kalium- , aber nur wenig Natriumionen. Dieser Unterschied spielt eine wichtige Rolle bei der Weiterleitung von Schallreizen (Schallwellen).

Zum knöchernen Labyrinth gehören:

  • die Schnecke (Cochlea) – in ihr befindet sich das Hörorgan,
  • der Vorhof mit den Vorhofsäckchen des Gleichgewichtsorgans,
  • die Knochenkanäle für die Bogengänge und
  • der innere Gehörgang.

Der innere Gehörgang (Meatus acusticus internus) ist etwas mehr als einen Zentimeter lang und enthält:

  • den Hör- und Gleichgewichtsnerv (Nervus vestibulocochlearis, Hirnnerv VIII),
  • den Gesichtsnerv (Nervus facialis, Hirnnerv VII) und
  • ein Blutgefäß (Arteria labyrinthi).

Gleichgewichtsorgan (Vestibularapparat)

Das Gleichgewichtsorgan (Vestibularapparat) besteht aus

  • zwei Vorhofsäckchen und
  • drei Bogengängen.

Sinneszellen in den Vorhofsäckchen

Die beiden Vorhofsäckchen (Utriculus und Sacculus) enthalten die Makulaorgane – darunter versteht man zwei Sinnesfelder (Macula utriculi und Macula sacculi), in denen sich Sinneszellen befinden. Diese Bereiche haben im Durchschnitt eine Fläche von 2 bis 3 Quadratmillimetern (mm2). Die hier gelegenen Sinneszellen registrieren lineare, also geradlinige Veränderungen in der Bewegung. Von den beiden Sinnesfeldern der Vorhofsäckchen ist eines horizontal und das andere vertikal ausgerichtet. Je nach Lageänderung des Kopfes werden die Sinneszellen entsprechend unterschiedlich aktiviert

Die Fortsätze der Sinneszellen (Sinneshaare) ragen in eine Gelschicht hinein, der kleine Kristallkörnchen aus Calciumcarbonat (sog. Otolithen, Statolithen oder „Ohrsteine“) aufgelagert sind. Sie verleihen der Gelschicht eine höhere Dichte als die umgebende Endolymphe und eine gewisse Trägheit bei Bewegungen. Die Einheit aus Gelschicht und Otolithen nennt man auch Otolithenmembran oder Statolithenmembran. Bei einer Änderung der geradlinigen Bewegung, das heißt bei allen Abweichungen des Kopfes aus der senkrechten Position, beginnen die Otolithen und dadurch auch die Gelschicht, sich zu bewegen. Als Folge werden die von ihr umschlossenen Sinneszellen bewegt und können nun die Information über die Bewegungsänderung an das Gehirn weiterleiten.

Lösen sich die Otolithen von der Gelschicht, kann das beim Betroffenen zu starken Schwindelgefühlen führen. Durch ein sogenanntes Repositionsmanöver beim Arzt gelingt es jedoch in der Regel, die Otolithen wieder an ihren ursprünglichen Platz zu bringen und die Schindelbeschwerden zu beseitigen.

Sinneszellen in den Bogengängen

Die drei Bogengänge sind ebenfalls mit Endolymphe gefüllt und registrieren Drehbeschleunigungen (Winkelbeschleunigungen). In den bauchig erweiterten Ansätzen der Bogengänge (den Ampullen) findet sich jeweils die sogenannte Crista ampullaris. Diese enthält ein hügelförmiges Sinnesfeld. Von diesem ragen Sinneszellen mit ihren Fortsätzen hinein. Die Fortsätze (Sinneshaare) werden von einer Art gelartigen Kappe oder Kuppel (Cupula) umschlossen, die bis zum Dach der Ampulle geht. Die Cupula ist von der Endolymphe des Bogenganges umgeben und hat die gleiche Dichte wie sie. Damit unterscheidet sie sich von der Otolithenmembran und reagiert deshalb auch nicht bei linearen Bewegungsveränderungen.

Bewegt sich der Kopf, versetzt das die Endolymphe in den Bogengängen in Bewegung. Sie strömt dabei gegen eine Gelkuppel und lenkt sie dadurch entgegen der Bewegung des Kopfes ab. Die drei Bogengänge stehen entsprechend den drei Dimensionen des Raums rechtwinklig aufeinander. Aus der Kombination der über die Gelkuppeln registrierten Bewegung in den verschiedenen Bogengängen und den Informationen, die die Sinnenzellen ans Gehirn weiterleiten, kann das Gehirn die Richtung der Bewegung feststellen.

Das Ohr: Grafische Darstellung des Vestibularapparats. © iStock

Gleichgewichtsorgan: Sinneszellen in den Bogengängen und den Vorhofsäckchen leiten Information zu Lage und Bewegung des Körpers an das Gehirn weiter.

Hörorgan (Corti-Organ)

Das Hörorgan (Corti-Organ) liegt im Innenohr innerhalb der Schnecke (Cochlea). Die Hörschnecke besteht aus drei übereinander liegenden Kanälen und biegt sich in zweieinhalb Windungen um die sogenannte Schneckenspindel, eine knöcherne Achse. Die Kanäle heißen:

  • Paukentreppe (Scala tympani),
  • Schneckengang (Ductus cochlearis) und
  • Vorhoftreppe (Scala vestibuli).

Die drei Kanäle sind durch dünne Wände voneinander abgegrenzt: Der in der Mitte liegende Schneckengang ist

  • durch die Basilarmembran von der Paukentreppe und
  • durch die Reissner-Membran von der Vorhoftreppe getrennt.

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Paukentreppe und Vorhoftreppe laufen in der Schneckenspitze zusammen und sind dort durch das sogenannte Schneckenloch (Helicotrema) miteinander verbunden. Sie enthalten eine klare Flüssigkeit: die Perilymphe. Im Schneckengang befindet sich dagegen eine andere Flüssigkeit: die Endolymphe.

Im Schneckengang liegt das Corti-Organ, also das eigentliche Hörorgan. Dieses enthält Hörsinneszellen, die sogenannten Haarzellen. Man unterscheidet hierbei eine Reihe innere Haarzellen (ca. 3.500 Stück) und drei Reihen äußere Haarzellen (ca. 15.000 Stück). Innere und äußere Haarzellen haben unterschiedliche Aufgaben beim Hörvorgang. Im Grunde leiten vor allem die inneren Haarzellen leiten Schallsignalen an das Gehirn. Die äußeren Haarzellen dienen dagegen als eine Art Signalverstärker.

Grafische Darstellung des Corti-Organs © iStock

Corti-Organ: Für das Hören sind vor allem die inneren Haarzellen wichtig. Die äußeren Haarzellen dienen als eine Art Verstärker.

Nehmen die inneren Haarzellen Schaden, ist ein kompletter Hörverlust die Folge. Fallen nur die äußeren Haarzellen aus, kommt es zu einer Schwerhörigkeit.

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