Muskeln: Bizeps, Trizeps & Co. : Rückenmuskeln

Veröffentlicht von: Till von Bracht (17. November 2014)

Ohne die Rückenmuskulatur könnte der Mensch nicht aufrecht stehen: Die Schwerkraft würde den Brustkorb und den Kopf nach unten ziehen und man würde einfach vornüberkippen. Die Rückenmuskulatur spielt also vor allem für die Stabilität des Körpers eine wichtige Rolle.

Darüber hinaus ist die Rückenmuskulatur an zahlreichen Bewegungen des Oberkörpers und der Arme beteiligt – zum Beispiel beim Holzhacken oder beim Staubsaugen. Eine dritte wichtige Funktion der Rückenmuskulatur ist es, die Atmung zu unterstützen.

Prinzipiell lässt sich die Rückenmuskulatur in zwei Gruppen unterteilen:

  1. die tieferliegende, sogenannte autochthone Rückenmuskulatur (Rückenstrecker)
  2. die oberflächlich gelegene Rückenmuskulatur (wie z.B. der Trapezmuskel oder der Latissimus dorsi)

Autochthone Rückenmuskulatur (Rückenstrecker)

Die autochthone Rückenmuskulatur umfasst ein System von tiefen Rückenmuskeln, die sich direkt an der Wirbelsäule befinden und die einzelnen Wirbelkörper direkt und übergreifend miteinander verbinden. Von außen sind diese Muskeln nicht zu sehen.

Die autochthone Rückenmuskulatur ist an allen Bewegungen der Wirbelsäule beteiligt. Zieht sich die autochthone Rückenmuskulatur beidseitig zusammen, wird der Oberkörper gestreckt – daher bezeichnet man die autochthone Rückenmuskulatur manchmal auch als Rückenstrecker. Findet nur eine einseitige Kontraktion des Rückenstreckers statt, neigt sich der Oberkörper zur Seite.

Insgesamt betrachtet bildet die autochthone Rückenmuskulatur ein kompliziertes Muskelsystem entlang der Wirbelsäule. Die kleinen Rückenmuskeln des Rückenstreckers erstrecken sich von Dornfortsatz zu Dornfortsatz, von Dornfortsatz zu Querfortsatz, von Querfortsatz zu Querfortsatz und können auch den einen oder anderen Wirbelkörper überspringen.

Illustration: Abbildung eines Wirbels (von oben) © LifeART image/2001/ Lippncott Williams & Wilkins all rights rese

Die autochthone Rückenmuskulatur verbindet die einzelnen Wirbelkörper miteinander.

Wissenswertes

In einigen Lehrbüchern findet man die autochthone Rückenmuskulatur manchmal auch unter der lateinischen Bezeichnung "Musculus erector spinae", was übersetzt so viel wie "Muskel zum Aufrichten der Wirbelsäule" bedeutet.

Trapezmuskel (Kapuzenmuskel)

Der Trapezmuskel, fachsprachlich "Musculus trapezius" genannt, ist ein relativ großer Rückenmuskel, der sich im Bereich des Nackens und des oberen Rückens befindet. Der Trapezmuskel ermöglicht verschiedene Bewegungen der Arme, der Schulterblätter und des Kopfes.

Wie der Name schon sagt, bilden die beiden dreieckigen Einzelmuskeln rechts und links neben der Wirbelsäule zusammen ein Trapez. Da das Erscheinungsbild des Trapezmuskels einer auf dem Rücken herabhängenden Kapuze ähnelt, wird er manchmal auch als Kapuzenmuskel bezeichnet.

Anatomische Darstellung des Trapezmuskels. © Jupiterimages/iStockphoto

Der Trapezmuskel hat die Form einer herabhängenden Kapuze – deshalb bezeichnet man ihn auch als Kapuzenmuskel.

Funktionell gesehen lässt sich der Trapezmuskel in drei Teile gliedern:

  1. oberer Trapezmuskel: Der obere Teil des Trapezmuskels umgibt schalenförmig den Nacken. Er hebt die Schultern an, dreht den Kopf und ist beim Anheben der Arme beteiligt. Besonders ausgeprägt ist der obere Teil des Kapuzenmuskels bei Menschen, die andauernd schwer tragen – umgangssprachlich auch als "Stiernacken" bekannt.
  2. mittlerer Trapezmuskel: Der mittlere Trapezmuskel hat seinen Ursprung an der Brustwirbelsäule und setzt an dem knöchernen Vorsprung des Schulterblatts (sog. Akromion) an. Die Fasern dieses Muskels verlaufen also annähend horizontal. Die Hauptaufgabe des mittleren Kapuzenmuskels ist es, die Schulterblätter zusammenzuziehen.
  3. unterer Trapezmuskel: In diesem Teil des Trapezmuskels verlaufen die Muskelfasern von dem unteren Teil der Brustwirbel schräg aufwärts bis zum Schulterblatt. Durch diesen schrägen Verlauf ist der untere Kapuzenmuskel vor allem daran beteiligt, die Schulter zu senken und zu drehen.

Latissimus (Musculus latissimus dorsi)

Er ist der flächenmäßig größte Muskel des Menschen: der Musculus latissimus dorsi, manchmal auch nur Latissimus genannt. Der Latissimus ist vergleichsweise dünn, erstreckt sich aber fast über die gesamte untere Hälfte des Rückens.

Anatomische Darstellung des Latissimus dorsi. © Jupiterimages/iStockphoto

Der Latissimus ist der flächenmäßig größte Muskel des Menschen – er erstreckt sich fast über den gesamten unteren Rücken.

Ebenso wie der Trapezmuskel besitzt auch der Latissimus mehrere Ursprungspunkte. Genauer gesagt werden beim Latissimus dorsi – abhängig vom Ursprung – vier Anteile unterschieden:

Die Anteile und Ursprungspunkte des Latissimus dorsi

Bezeichnung Ursprung
Pars vertebralis 7. bis 12. Brustwirbelkörper
Pars costalis 9. bis 12. Rippe
Pars iliaca Darmbeinkamm
Pars scapularis unterer Teil des Schulterblattes

Alle Muskelfasern des Latissimus verlaufen von ihrem Ursprung nach außen und setzen gemeinsam am Oberarm an.

Der Latissimus dorsi sorgt für Stabilität (z.B. beim Hochstützen des Körpers) und ermöglicht zahlreiche unterschiedliche Armbewegungen. So dient er unter anderem dazu, die Arme an den Körper heranzuziehen.

Ein Beispiel: Wenn sich Ihre Arme ausgestreckt über dem Kopf befinden, zieht der Latissismus sie wieder nach unten. Wenn Sie sich mit Ihren Händen an einer Stange oder einem Felsvorsprung festhalten, können Sie sich mithilfe des Latissimus dort hochziehen – wie etwa bei einem Klimmzug oder beim Klettern.

Ein Ruderer zum Beispiel benötigt einen gut ausgeprägten Latissimus, um die kräftigen Ruderbewegungen auszuführen.

Darüber hinaus führt der Latissimus dorsi den Arm hinter den Rücken, weshalb er manchmal auch "Schürzenbindermuskel" genannt wird. Im Sport ist der Latissimus an sämtlichen Ausholbewegungen beteiligt – zum Beispiel bei einem Wurf oder einer Schlagbewegung.

Wissenswertes:

Eine weitere wichtige Funktion des Latissimus ist es, die Atmung zu unterstützen. Zieht sich der Latissimus zusammen, wird auch der Brustkorb zusammengedrückt, was wiederum die Ausatmung erleichtert. Deshalb wird der Latissimus dorsi manchmal auch als Hustenmuskel bezeichnet.