Muskeln: Bizeps, Trizeps & Co. : Quergestreifte und glatte Muskulatur

Veröffentlicht von: Till von Bracht (17. November 2014)

Muskeln sind nicht gleich Muskeln. Grundsätzlich lässt sich Muskulatur in drei Arten gliedern:

  1. die quergestreifte Muskulatur,
  2. die glatte Muskulatur und
  3. der Herzmuskel.

Diese Einteilung beruht darauf, wie die kleinsten Muskelbauteile (sog. Sarkomere) aufgebaut sind. Sarkomere bestehen aus dicken und dünnen Fasern (Filamenten), die ineinander gleiten können – auf diese Weise zieht sich ein Muskel zusammen.

Bei einer gleichmäßigen Anordnung der Sarkomere lässt sich unter dem Lichtmikroskop eine Querstreifung erkennen. Dies ist zum Beispiel bei allen Skelettmuskeln der Fall.

Eine Illustration der verschiedenen Muskeltypen. © Jupiterimages/iStockphoto

Prinzpiell kann man zwischen quergestreiften und glatten Muskeln unterscheiden – der Herzmuskel nimmt allerdings eine Sonderstellung ein.

Quergestreifte Muskulatur

Egal ob Bizeps, Trizeps, Bauchmuskeln oder die Muskeln des Oberschenkels – die quergestreifte Muskulatur bildet das gesamte System der Skelettmuskulatur. Der Mensch besitzt mehr als 400 verschiedene Skelettmuskeln, die insgesamt aus etwa 250 Millionen quergestreiften Muskelfasern zusammengesetzt sind.

Bei der querstreiften Muskulatur reiht sich ein Sarkomer an das nächste. Nebeneinander liegende Reihen sind dabei exakt parallel angeordnet – das heißt, die einzelnen Muskelabschnitte liegen auf einer Höhe. Da die Sarkomere jeweils aus einem hellen und einem dunklen Teil bestehen, erscheinen unter dem Lichtmikroskop gleichmäßige Hell-Dunkel-Streifen.

Die quergestreifte Muskulatur wird vom zentralen Nervensystem gesteuert – das heißt vom Gehirn und Rückenmark. Sie lässt sich bewusst an- und wieder entspannen. Dies ist die Grundlage jeder Bewegung.

Glatte Muskulatur

Die glatte Muskulatur befindet sich unter anderem in den Muskelwänden der Hohlorgane, zum Beispiel

Auch die Körperhaut ist mit glatter Muskulatur ausgestattet. Bei kalten Temperaturen sorgen die glatten Muskeln an den Haarschäften dafür, dass sich die feinen Härchen an Armen und Beinen aufrichten – eine "Gänsehaut" entsteht.

Das Besondere an der glatten Muskulatur ist, dass man unter dem Lichtmikroskop keine Querstreifen erkennen kann. Der Grund: Hier sind die einzelnen Muskelfasern wesentlich "lockerer" angeordnet als bei der Skelettmuskulatur.

Im Gegensatz zu den Skelettmuskeln lässt sich die glatte Muskulatur nicht willentlich steuern. Sie arbeitet sozusagen automatisch, ohne dass sich der Mensch dessen bewusst ist – daher kann man zum Beispiel die Muskeln des Darms nicht aktiv anspannen.

Gesteuert wird die glatte Muskulatur von Hormonen und dem sogenannten vegetativen Nervensystem.

Der Herzmuskel

Der Herzmuskel nimmt eine Sonderstellung ein. Die Sarkomere des Herzmuskels sind ähnlich aufgebaut wie die der Skelettmuskeln – daher ist der Herzmuskel ebenfalls quergestreift. Im Unterschied zu den Skelettmuskeln liegen die einzelnen Muskelzellen des Herzmuskels jedoch nicht streng parallel zueinander, sondern sind untereinander verzweigt.

Die Muskelzellen des Herzmuskels sind über sogenannte Glanzstreifen miteinander verbunden. Diese Verbindungen sorgen dafür, dass sich das Herz wie ein einziger großer Muskel nur entweder vollständig oder gar nicht erregen lässt.

Der Herzmuskel lässt sich nicht bewusst steuern. So ist es zum Beispiel nicht möglich, das Herz für einen Moment "anzuhalten". Der Herzmuskel arbeitet autonom – das bedeutet, dass das Herz die Erregungen, die seine Kontraktionen auslösen, selbst produziert. Nur die Herzfrequenz, also die Häufigkeit, mit der sich der Herzmuskel pro Minute zusammenzieht, unterliegt äußeren Einflüssen.