Die Milz: Funktion

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (27. März 2017)

Die Milz nimmt als Lymphorgan eine wichtige Funktion ein und unterstützt die körpereigene Abwehr. Als Teil des Blutkreislaufs durchfließt das Blut die Milz, welche eine Art immunologische Filterfunktion innehat.

Das arterielle Blut fließt in die Milz und wird hier durch feine Gefäße geleitet, die jeweils von lymphatischem Gewebe (Milzknötchen und Lymphgefäße) umgeben sind. In diesem finden sich Zellen des Immunsystems, nämlich:

Jedes Milzknötchen wird von nur einem einzigen feinen, zentralen Gefäß (sog. Zentralarterie) durchkreuzt. Für den Fall, dass das Blut, das die Milz durchströmt, Antigene mit sich führt, können die B- und T- Zellen sofort reagieren und damit beginnen, Abwehrstoffe zu bilden: die sogenannten Antikörper.

Was sind Antigene?
Damit die körpereigene Abwehr mit einer Immunantwort auf Eindringlinge (z.B. Bakterien, Viren, Pilze) reagieren kann, muss es diese erst einmal erkennen. Das gelingt anhand der fremden Oberflächenstruktur des Eindringlings. Diese setzt sich unter anderem aus körperfremden Eiweißen zusammen, die man als Antigene bezeichnet.

Hinter dem Milzknötchen verzweigt sich die Zentralarterie in feinere Gefäße (Kapillaren). Diese gehen schließlich

  • entweder in das netzartige (retikuläre) Bindegewebe der roten Pulpa über und das Blut gelangt später über den sogenannten Milzsinus ins venöse Blut (offener Kreislauf),
  • oder sie gehen (zu einem geringeren Teil) direkt in den Milzsinus über (geschlossener Kreislauf) und das Blut gelangt direkt in das venöse Blut der Pulpavene.

Jede Kapillare ist von einer rundlichen Hülse umgeben (sog. Hülsenkapillare), in der sich zahlreiche Fresszellen des Immunsystems (Makrophagen) befinden.

Was ist der Milzsinus?
Als Milzsinus bezeichnet man den Übergangsbereich eines Kapillargefäßes in den venösen Blutkreislauf über die Pulpavene. Der Milzsinus selbst zählt dabei bereits als venöses Gefäß. Von außen stabilisieren Zellen des umliegenden Bindegewebes den Milzsinus, von innen kleiden sogenannte Endothelzellen das Gefäß aus. Die Endothelzellen schließen das Gefäß nicht vollständig nach außen ab, sondern stehen etwas lückenhaft, sodass Spalten entstehen.

Damit rote Blutkörperchen (Erythrozyten) aus dem umliegenden Bindegewebe zurück in den Blutstrom gelangen, müssen sie sich durch die engen Lücken zwischen den Endothelzellen des Milzsinus hindurchzwängen. Das gelingt jedoch nur, wenn die roten Blutkörperchen intakt sind, denn dann können sie sich noch verformen. Untypisch geformte oder alte, verbrauchte Erythrozyten "stranden" außerhalb des Milzsinus. Außen auf den Sinuswänden stehen Makrophagen (Fresszellen des Immunsystems) bereit, welche die verbrauchten Blutzellen in ihr Inneres aufnehmen und dort abbauen.

Die Milz dient also auch dazu, alte und verbrauchte Erythrozyten auszusortieren und aus dem Blutkreislauf zu entfernen. Stoffe, die beim Abbau der roten Blutkörperchen verfügbar werden, kann der Körper wiederverwenden oder speichern. Beim Abbau des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin) wird zum Beispiel Eisen frei.

Innerer Aufbau der Milz

Der innere Aufbau der Milz