Melatonin: Wirkung

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (04. Dezember 2014)

Das Hormon Melatonin entsteht vor allem abends beziehungsweise in der Nacht, wenn es dunkel ist. Es beeinflusst den Schlaf-Wach-Rhythmus und die innere Uhr. Melatonin macht müde, fördert das Einschlafen und drosselt manche Körpervorgänge, während es andere aktiviert. So senkt Melatonin zum Beispiel in der Nacht die Körpertemperatur und stimuliert das Immunsystem.

Weitere Effekte von Melatonin (Beispiele):

  • wirkt als Antioxidans
  • beeinflusst die Ausschüttung von Sexualhormonen
  • senkt den Energieverbrauch
  • hat Einfluss auf den Hippocampus im Gehirn und damit auf Lernen und Gedächtnis
  • senkt den Blutdruck
Man sieht ein schlafendes Pärchen. © Jupiterimages/iStockphoto

Melatonin macht müde und fördert das Einschlafen.

Eine Zeit lang galt Melatonin als regelrechtes Wundermittel: So vermutete man etwa, dass das Hormon den Alterungsprozess verlangsamt oder vor Krebs schützen kann. Viele der angeblichen Wirkungen konnten bislang nicht oder nur zum Teil durch wissenschaftliche Studien bestätigt werden oder wurden sogar ganz widerlegt. Unbestritten ist dagegen der Einfluss auf den Schlaf.

Jetlag / gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus

Ein verschobener Schlaf-Wach-Rhythmus, wie zum Beispiel bei einem Jetlag nach einer langen Flugreise über mehrere Zeitzonen oder bei Schichtarbeit, kann Probleme bereiten. In solchen Fällen hilft eine Melatonin-Einnahme möglicherweise dabei, schneller in den eigenen Schlaf-Wach-Rhythmus zurückzufinden.

Maß für die Jahreszeiten

Mithilfe von Melatonin registriert der Körper, welche Jahreszeit gerade herrscht und kann – so vermutet man – auf diese Weise Körperprozesse entsprechend anpassen. In einem Teil der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) zeichnen spezielle Zellen (sog. Kalenderzellen) auf, wie viel Melatonin die Zirbeldrüse gerade ausschüttet. Da über das Jahr hinweg die Tages- und dadurch auch die Nachtlänge variiert, lassen sich mithilfe der Kalenderzellen Unterschiede zwischen heller und dunkler Jahreszeit messen. Ob dies tatsächlich Auswirkungen auf den Menschen hat und wenn ja, welche, ist noch nicht näher bekannt.

Melatonin als Anti-Aging-Hilfe?

Das Hormon Melatonin besitzt antioxidative Eigenschaften und wirkt als Radikalfänger. Man vermutet deshalb, dass sich Melatonin günstig auf der Zellalterung auswirken könnte. Bei Mäusen, die Melatonin erhielten, verlängerte sich die Lebenszeit um etwa 20 Prozent. Aus diesem Grund erlangte das Hormon seinen Ruf als Anti-Aging-Mittel, insbesondere in den USA. Ob sich diese Ergebnisse jedoch auf den Menschen übertragen lassen, ist bislang zweifelhaft. Zudem ließ sich bisher kein direkter Einfluss von Melatonin auf Zellalterungsprozesse nachweisen.

Schutz vor Krebs durch Melatonin?

Als Radikalfänger kann Melatonin Zellen bis zu einem gewissen Maß vor Schäden am Erbgut (DNA) schützen und dadurch vor einer Entartung in bösartige Krebszellen. Die Ergebnisse hierzu sind allerdings widersprüchlich: Zwar zeigte sich einerseits, dass Melatonin auf Tumoren hemmend wirken kann. Andere Studien wiesen jedoch genau das Gegenteil nach: Melatonin kann das Wachstum von Tumoren demnach auch fördern. Andererseits kann das Unterdrücken der körpereigenen Melatonin-Produktion wiederum ebenfalls das Risiko für manche Krebserkrankungen erhöhen. Bei diesem Thema besteht weiterer Forschungsbedarf.