Immunsystem: Historisches: Pasteur, Behring und Ehrlich

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (30. Dezember 2014)

Zu unserem heutigen Wissen über das Immunsystem haben viele weitere Menschen beigetragen – unter anderem Pasteur, Behring und Ehrlich. Auch jeder ihrer Beiträge stellt ein wichtiges historisches Ereignis in der Entwicklung der Medizin dar.

Der französische Chemiker Louis Pasteur (1822-1895) beschäftigte sich auf der Grundlage der von Jenner entwickelten Impfmethode mit der Frage, wie sich Infektionskrankheiten verhüten lassen. 1880 gelang es ihm zum ersten Mal, einen Impfstoff gegen Cholera bei Hühnern herzustellen. Pasteurs Schüler Emile Roux (1853-1933) konnte das aktive Prinzip dieser Immunabwehr durch Blutuntersuchungen nachweisen. 1884 heilte Pasteur zum ersten Mal einen Patienten, der sich mit dem Erreger der Tollwut infiziert hatte, indem er ihn erfolgreich impfte.

Der Arzt und Naturforscher Emil von Behring (1854-1917) führte 1890 gemeinsam mit Shibasaburo Kitasato (1852-1931) Immunisierungsversuche durch: Hierbei übertrugen sie Blut von mit Bakterien infizierten Tieren auf gesunde Tiere. Die auf diese Weise geimpften Tiere entwickelten eine Widerstandsfähigkeit (Resistenz) gegen die bakteriellen Giftstoffe (= Toxine). Behring schloss daraus, dass der Körper bei einer Infektion als Abwehrmechanismus sogenannte Antitoxine bildet – also gegen die Toxine gerichtete Stoffe.

Auf Grundlage dieser Entdeckung versuchte Behring, ein Blutserum gegen die Krankheit Diphtherie zu entwickeln, was ihm in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts gelang. Dies ermöglichte die sogenannte passive Immunisierung: Hierbei überträgt man die spezifische Abwehrfähigkeit eines anderen (menschlichen oder tierischen) Organismus auf den Körper, ohne dass dessen Immunsystem selbst spezifische Abwehrstoffe bildet.

Die Entdeckung der vom körpereigenen Immunsystem gebildeten Antitoxine führte zur Entwicklung der antibakteriellen Therapie. Der deutsche Arzt und Biologe Paul Ehrlich (1854-1915) verfolgte die Idee, die Struktur der biologischen Antitoxine aufzuklären und darüber chemische Heilstoffe mit antibakterieller Wirkung herzustellen. 1910 brachte er mit einem arsenhaltigen Präparat gegen den Erreger der Syphilis das erste sogenannte Chemotherapeutikum auf den Markt. Dies war der Ausgangspunkt für die Entwicklung der Antibiotika.

Moderne Forschungsmethoden des 20. Jahrhunderts – wie die sogenannte Elektrophorese, bei der man Substanzgemische in einem elektrischen Stromfeld zur weiteren Analyse trennt – ermöglichten es beispielsweise, Antikörper zu identifizieren und darüber das Immunsystem des Menschen beziehungsweise dessen Struktur weiter zu klären.