Immunreaktion: Ablauf

Veröffentlicht von: Astrid Clasen (30. November 2012)

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Am Ablauf einer Immunreaktion, mit der unser Immunsystem Krankheitserreger abwehrt, ist im Allgemeinen sowohl die spezifische als auch die unspezifische Immunabwehr beteiligt:

Entwicklungsgeschichtlich ist die unspezifische oder angeborene Immunreaktion der älteste Mechanismus zum Schutz vor Infektionen überhaupt. Der Ablauf einer Immunantwort folgt hier immer demselben Schema – egal, wie oft das Immunsystem den Krankheitserreger schon abgewehrt hat. Die spezifische oder erworbene Immunantwort hingegen ist in der Lage, sich an den jeweiligen Erreger anzupassen – weshalb man sie auch als adaptive Immunantwort bezeichnet (lat. Adaptation = Anpassung) – und ihn so gezielt zu bekämpfen.

Der Ablauf einer Immunreaktion beginnt damit, dass die zu einer Immunantwort befähigten Zellen des Immunsystems einen Fremdkörper erkennen: Diese Erkennung gelingt anhand der fremden Oberflächenstruktur des Eindringlings (z.B. ein Bakterium). Die Struktur der Oberfläche setzt sich unter anderem aus artfremden Eiweißen zusammen, die man als Antigene bezeichnet. Bestimmte Immunzellen des spezifischen Immunsystems (die B-Lymphozyten) können gegen diese Antigene spezielle, aus Eiweißen bestehende Abwehrstoffe bilden: Ein solcher sogenannter Antikörper passt zum jeweiligen Antigen wie ein Schlüssel zu einem bestimmten Schloss. Ein Eiweiß, das die Eigenschaften eines Antikörpers aufweist, nennt man auch Immunglobulin. Vermutlich ist das Immunsystem imstande, spezifische Antikörper für etwa 10 bis 100 Millionen unterschiedliche Antigene zu bilden. Je nach Typ teilt man die Antikörper in fünf Klassen ein, die unterschiedliche Bedeutung bei einer Immunantwort haben:

  • IgG-Antikörper: Diese häufigsten Immunglobuline kommen vorwiegend im Blutplasma vor. Sie binden Mikroorganismen und (z.B. von Bakterien gebildete) Giftstoffe (= Toxine), die im Plasma vorkommen, sodass die Abwehrzellen des unspezifischen Immunsystems (sog. Fresszellen) sie anschließend besser aufnehmen können. Außerdem aktivieren mehrere Untergruppen der IgG das sogenannte Komplementsystem, das auch am Ablauf der Immunreaktion beteiligt ist.
  • IgM-Antikörper: Die Bildung dieser Eiweiße erfolgt vor allem zu Beginn einer Abwehrreaktion des Immunsystems. IgM-Antikörper aktivieren auf besonders wirksame Weise das Komplementsystem des unspezifischen Immunsystems. Diese Aktivierung löst eine Kette von Reaktionen aus, die schließlich zur Auflösung des Erregers führen.
  • IgA-Antikörper: Sie kommen in Regionen des Körpers vor, die für antikörperbildende Zellen unerreichbar sind. IgA-Antikörper befinden sich beispielsweise im Speichel, in der Tränenflüssigkeit, im Schweiß, im Nasenschleim sowie in den Sekreten der Lunge und des Magen-Darm-Trakts. Die IgA verkleben die Fremdkörper miteinander und schützen so vor allem die Schleimhäute des Organismus vor bakteriellen Infektionen.
  • IgE-Antikörper: Sie spielen eine besondere Rolle bei der Abwehr von Parasiten und bei allergischen Reaktionen, indem sie an bestimmte Fresszellen (Mastzellen und basophile Granulozyten) binden. Geraten sie in Kontakt mit einem allergieauslösenden Stoff (Allergen), kommt es zur Quervernetzung der Antikörper, wodurch verschiedene Substanzen freikommen, die zu entzündlichen allergischen Reaktionen führen.
  • IgD-Antikörper: Sie finden sich als Oberflächeneiweiß auf unreifen B-Lymphozyten und haben im Immunsystem wahrscheinlich eine regulatorische Funktion.