Funktionen und Fehlfunktionen des Immunsystems: Bildung von Tumoren

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (30. Dezember 2014)

Auch wenn das Immunsystem in seiner Funktion ungestört ist, können Krankheiten entstehen: Während für eine Allergie oder Autoimmunkrankheit Fehlfunktionen des Immunsystems verantwortlich sind, kann eine Bildung von Tumoren trotz vorhandener Immunantwort stattfinden.

Eine wesentliche Funktion des Immunsystems besteht darin, körpereigene Zellen, deren DNA durch sogenannte Mutationen (lat. mutare = verändern) krankhaft verändert ist, als fremd zu erkennen und auszumerzen.

Die DNA des menschlichen Organismus mutiert ständig – diese Mutationen entstehen entweder von selbst oder durch bestimmte Faktoren (wie Strahlung oder chemische Substanzen). So mutiert pro Tag durchschnittlich 1 von 1.000.000 Trägern der Erbanlage (sog. Gene) – das heißt: Bei geschätzten 50.000 Genen pro menschlicher Zelle unterliegt pro Tag etwa jede 20. Zelle einer Mutation. Dies bleibt jedoch meistens ohne Auswirkungen, da verschiedene Reparatursysteme die Mutationen beheben beziehungsweise das Immunsystem die betroffenen Zellen erkennt und beseitigt. Bei der Bildung von Tumoren liegt der Fall aber anders:

Gegen bösartig veränderte Tumorzellen ist in vielen Fällen zwar auch eine Immunantwort zu beobachten, für deren Vermittlung hauptsächlich Immunzellen des spezifischen Immunsystems (T-Lymphozyten und teils B-Lymphozyten) mit Antikörperproduktion verantwortlich sind. Allerdings sind die Funktionen der Immunabwehr bei Krebs oft unwirksam und können die Tumorbildung nicht verhindern, denn: Tumoren verfügen häufig über eine Reihe von Mechanismen, die sie vor der Immunantwort schützen (sog. Escape-Phänomene). Die Tumorzellen sind dadurch für das Immunsystem unkenntlich und können wachsen und sich im Körper ausbreiten.