Funktionen und Fehlfunktionen des Immunsystems: Autoimmunerkrankungen

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (30. Dezember 2014)

Je nachdem, welche Funktionen des Immunsystems gestört sind, kann sich das Immunsystem fälschlicherweise gegen körpereigenes Gewebe richten. Solche Fehlfunktionen sind für Autoimmunerkrankungen kennzeichnend.

Das Immunsystem hat unter anderem die Funktion, jede körperfremde Eiweißstruktur (Antigen) zu erkennen und auf sie zu reagieren. Darüber hinaus erkennen Zellen, die zu einer Immunantwort fähig sind (sog. immunkompetente Zellen), auch körpereigene Strukturen, ohne jedoch zu reagieren, da sie in der Embryonalentwicklung und während der ersten Lebensmonate lernen, körpereigene Strukturen zu tolerieren: Dies nennt man Autoimmuntoleranz (griech. autos = selbst, eigen).

Bei Autoimmunerkrankungen ist diese Autoimmuntoleranz durchbrochen – das Immunsystem greift die körpereigenen Gewebe in einer sogenannten Autoimmunreaktion an und schädigt sie. Bereits Paul Ehrlich erkannte die Gefahr solcher Fehlfunktionen des Immunsystems und nannte sie horror autotoxicus.

Wie eine Autoimmunerkrankung entsteht, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Vermutlich entwickeln sich solche Fehlfunktionen des Immunsystems auf Grundlage von Infektionen mit Bakterien, Viren oder anderen Mikroorganismen, deren antigene Strukturen teilweise identisch mit denen von körpereigenen Zellen sind. Als Reaktion auf die Erreger-Antigene bildet das Immunsystem Abwehrstoffe (Antikörper), die sich auch gegen das körpereigene Gewebe richten (sog. Kreuzreaktion). Verbleiben diese Autoantikörper im Blut, nachdem die Infektion abgeklungen ist, entwickeln sich chronische Autoimmunerkrankungen, die in der Regel in Schüben verlaufen und verschiedene Organe und Gewebe betreffen können.