Funktionen und Fehlfunktionen des Immunsystems: Allergien

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (30. Dezember 2014)

Wenn beim Immunsystem des Menschen einzelne Funktionen gestört sind und Fehlfunktionen auftreten, kann dies in Form von Allergien geschehen. Eine Allergie ist die Folge einer überschießenden Reaktion des Immunsystems: Der bereits sensibilisierte (immunisierte) Organismus reagiert überempfindlich auf ein Antigen (= fremder Eiweißstoff, der im Körper die Bildung von Abwehrstoffen bewirkt), mit dem er zuvor bereits Kontakt hatte. Dabei kommt es zur Schädigung von Zellen und Gewebe. Diese Schädigung kann:

  • entweder in Form einer Entzündung örtlich begrenzt bleiben
  • oder in Form von einem Schock den gesamten Organismus betreffen.

Abhängig davon, von welchen Immunzellen des spezifischen Immunsystems die Überempfindlichkeitsreaktion ausgeht (ob vom T- oder B-Zellsystem), unterscheidet man bei Allergien die folgenden Reaktionstypen:

  • Typ-I-Reaktion:
    Diesen auch anaphylaktische Reaktion genannten Reaktionstyp (griech. ana = voneinander, phylaxis = Schutz) setzt man im heutigen Sprachgebrauch häufig mit dem Begriff Allergie gleich. Allergien vom Typ I spielen vor allem bei der Auseinandersetzung des Immunsystems mit Allergenen wie Gräserpollen (bei Heuschnupfen), Nahrungsmittelbestandteilen (z.B. Hühnereiweiß), Insektengiften (z.B. durch Bienenstich) oder Arzneimitteln (z.B. Penicillin) eine Rolle.
    In Mitteleuropa sind etwa 15 Prozent der Bevölkerung von einer Allergie vom Typ I betroffen. Bei anaphylaktischen Reaktionen kommt es durch eine Aktivierung von Mastzellen aufgrund der Bildung von IgE-Antikörpern zur Freisetzung von Entzündungsmediatoren. Innerhalb von Sekunden bis Minuten können als Sofortreaktionen zum Beispiel Atemnot, Asthmaanfall, Juckreiz oder Rötung und Schwellung der Haut (= Urtikaria) bis hin zu einer allgemeinen Schockreaktion des Körpers (= anaphylaktischer Schock) auftreten. Diese Symptome klingen meist rasch ab. Allerdings sind noch etwa zwei bis acht Stunden nach dem akuten Ereignis schwere Spätreaktionen möglich.
  • Typ-II-Reaktion:
    Dieser auch zytotoxische Reaktion genannten Reaktionstyp umfasst überschießende Reaktionen des Immunsystems, deren Auslöser IgM- und IgG-Antikörper sind. Allergien vom Typ II spielen hauptsächlich bei der Abstoßung von transplantierten Organen, bei Bluttransfusionen und bei sogenannten Autoimmunerkrankungen eine Rolle. Die ausgelösten Entzündungsreaktionen erreichen frühestens 4 bis 10 Stunden nach dem Kontakt mit dem Antigen ihr Maximum.
  • Typ-III-Reaktion:
    Dieser Reaktionstyp entsteht durch die Bildung und Ablagerung sogenannter Immunkomplexe: Diese Antigen-Antikörper-Komplexe zirkulieren im Blut und in anderen Körperflüssigkeiten, lagern sich an den Gefäßwänden oder im Gewebe ab und lösen dort Entzündungsreaktionen aus. Je nachdem, ob sich die Immunkomplexe im gesamten Gefäßsystem oder nur in einzelnen Bereichen ablagern, unterscheidet man den gesamten Organismus betreffende (bzw. systemische) und örtlich begrenzte (bzw. lokale) Typ-III-Reaktionen.
    Systemische Reaktionen des Immunsystems gehen mit Fieber, Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen, Gefäßentzündungen, Nierenentzündung und Vergrößerung der Lymphknoten einher. Dieses Beschwerdebild nennt man auch Serumkrankheit, da er bei der früheren Therapie von Diphtherie (mit artfremden Antikörpern z.B. vom Pferd) auftrat. Zu den möglichen Grunderkrankungen gehören Lupus erythematodes (SLE) und rheumatoide Arthritis. Die örtlich begrenzte Überempfindlichkeitsreaktion vom Typ III bezeichnet man als Arthusreaktion. Sie tritt zum Beispiel bei Zöliakie (= Glutenunverträglichkeit) auf.
  • Typ-IV-Reaktion:
    Dies ist eine zellvermittelte Spätreaktion des Immunsystems. Ihre Vermittlung geschieht durch T-Lymphozyten und angelockte Lymphozyten und Makrophagen, die nicht spezifisch gegen das Antigen sensibilisiert sind. Ihr Maximum erreicht die allergische Reaktion erst 24 bis 48 Stunden nach dem Kontakt mit dem Antigen.
    Allergien vom Typ IV entstehen typischerweise durch auf die Haut aufgebrachte Substanzen (= Kontaktallergie, z.B. Nickelallergie), durch krankmachende Keime (Infektallergie, z.B. bei Tuberkulose oder Pilzinfektionen) und durch Antigene von Fremdgewebe nach Transplantationen.