Der Darm: Dünndarm

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (26. November 2015)

Der Dünndarm ist etwa drei bis fünf Meter lang und schließt sich direkt an den Magen an. Er lässt sich vom Magen an in drei Abschnitte unterteilen:

  • Zwölffingerdarm (Duodenum)
  • Leerdarm (Jejunum)
  • Krummdarm (Ileum)

Während der Zwölffingerdarm etwa 25 bis 30 Zentimeter lang ist, machen Leerdarm und Krummdarm zusammen circa 5,5 Meter aus.

Vom Magen gelangt der Speisebrei in den Dünndarm, wo die Nahrung verdaut und aufgeschlossen wird. Enzyme helfen dabei, Nährstoffe (wie Kohlenhydrate, Eiweiße, Fette und Vitamine) in ihre einzelnen Bestandteile zu zerlegen. Bei der Verdauung der Fette helfen außerdem Gallensäuren, die aus der Gallenblase stammen und dem Nahrungsbrei im Zwölffingerdarm zugeführt werden. Daneben unterstützen Sekrete der Bauchspeicheldrüse und der Darmschleimhaut die Verdauung.

Darmbewegungen sorgen dafür, dass der Speisebrei gut durchmischt und gleichzeitig weiterbefördert wird. Die Vorwärtsbewegungen im Darm setzen automatisch ein, sobald sich Nahrungsbrei im Dünndarm befindet.

Die Dünndarm-Schleimhaut nimmt die zerlegten Nährstoffe auf (sie resorbiert sie). Dabei ist die Dünndarm-Schleimhaut keine glatte Fläche – vielmehr besteht sie aus zahlreichen gut durchbluteten Vertiefungen und Ausstülpungen (sog. Krypten und Zotten). Die Krypten und Zotten vergrößern die Schleimhautoberfläche deutlich. Sie ermöglichen es der Schleimhaut, die Nährstoffe, die von hier aus in den Blutkreislauf gelangen, effektiver aufzunehmen. Zum Ende des Dünndarms hin (im Krummdarm) sind die Zotten und Falten schließlich immer weniger stark ausgeprägt.

In der Dünndarm-Schleimhaut finden sich verschiedene Zelltypen:

  • Enterozyten (Saumzellen): Enterozyten dienen v.a. der Aufnahme von Nahrungsbestandteilen und sind zahlenmäßig am meisten vertreten. Zum Inneren des Dünndarms hin besitzen die Enterozyten einen Bürstensaum, der aus zahlreichen sog. Mikrovilli besteht. Das sind winzige, fingerartige Fortsätze, die eine Vergrößerung der Zelloberfläche bewirken und so die Nährstoffaufnahme erleichtern. Auf einen Enterozyten kommen dabei etwa 3.000 Mikrovilli.
  • Becherzellen: Becherzellen geben Schleim ab, der dem Darminhalt leichter gleiten lässt und auch dem späteren Stuhl zu mehr Bindung verhilft. Zum Ende des Dünndarms hin nimmt die Zahl der Becherzellen zu.
  • Paneth-Zellen: Paneth-Zellen werden nur etwa 20 Tage alt und geben sog. Defensine ab. Das sind kleine Peptide, die Erreger wie Bakterien, Pilze oder Viren abwehren und dadurch eine Fehlbesiedelung der Darmflora im Dickdarm verhindern sollen. Außerdem produzieren sie sog. Lysozyme, die in der Lage sind, die Zellwand von Bakterien anzugreifen. Paneth-Zellen findet man vor allem im Leerdarm und im Krummdarm.
  • Enteroendokrine Zellen: Unter enteroendokrinen Zellen versteht man bestimmte Zellen, die für die Verdauung wichtige Peptidhormone in das Darminnere abgeben.
  • M-Zellen: M-Zellen sind Teil des sog. darmassoziierten lymphatischen Systems und unterstützen die Immunabwehr. Man findet M-Zellen nur über speziellen Lymphzellansammlungen (z.B. den sog. Peyer-Plaques). Im Unterschied zu anderen Zellen der Dünndarm-Schleimhaut haben M-Zellen keine oder nur sehr wenige, kürzere Mikrovilli. M-Zellen nehmen Antigene aus der Nahrung auf (z.B. Makromoleküle, Viren, Bakterien) und schleusen diese durch Darmschleimhaut hindurch. Hinter den M-Zellen stehen Zellen der Immunabwehr bereit, die die Antigene aufnehmen. So kann das Immunsystem Krankheitserreger schnell erkennen und auf diese reagieren.

Abgesehen vom Nahrungsbrei gelangt auch viel Flüssigkeit in den Dünndarm: pro Tag etwa neun Liter. Von dieser Flüssigkeitsmenge stammen:

  • 2 Liter aus Getränken
  • 7 Liter aus Speichel, Magensaft, Galle, Sekreten der Bauchspeicheldrüse und des Darms

Davon wird jedoch der größte Teil bereits über die Dünndarm-Schleimhaut wieder aufgenommen. In den Dickdarm gelangen so zusammen mit den unverdaulichen Nahrungsresten nur noch etwa 1,5 Liter Flüssigkeit pro Tag.