Der Darm: Blinddarm und Wurmfortsatz

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (26. November 2015)

Der Blinddarm ist der Anfang des Dickdarms und ragt als ballonartige Aussackung in die Bauchhöhle hinein. Er besitzt ein kleines Anhängsel den etwa 10 Zentimeter langen Wurmfortsatz (Appendix vermiformis). Bei manchen Personen kann der Wurmfortsatz auch länger sein. Wenn umgangssprachlich von einer Blinddarmentzündung (Appendizitis) die Rede ist, meint man genaugenommen die Entzündung des Wurmfortsatzes.

In der Schleimhaut des Wurmfortsatzes liegen dichte Ansammlungen von Lymphzellen – ein Zeichen dafür, dass der Wurmfortsatz wahrscheinlich eine Rolle für das Immunsystem spielt (sog. "Tonsille des Darms" oder "Darmtonsille"). Mit zunehmendem Alter nimmt das lymphatische Gewebe allmählich etwas ab.

Welche Funktion der Wurmfortsatz genau hat, ist jedoch nicht ganz klar. Manche Wissenschaftler glauben, dass ihm eine Art Wächterfunktion zukommt, was die bakterielle Besiedelung des Dickdarms (Darmflora) angeht: Im Falle einer Durchfallerkrankung werden mit dem Stuhl auch viele Bakterien der Darmflora ausgeschieden. Krankheitserregende Bakterien haben dadurch die Gelegenheit, den freigewordenen Platz zu nutzen und sich anzusiedeln. Als Folge können gesundheitliche Beschwerden auftreten. Der Wurmfortsatz könnte daher im Falle einer Durchfallerkrankung durch seine "Auslagerung" als eine Art Schutzraum fungieren, in dem ein paar der "nützlichen" Darmbakterien überleben und so den Dickdarm rasch wieder besiedeln können. "Fremde" Mikroorganismen würden dabei auf Dauer wieder verdrängt.

Blinddarm-OP: Wird der Wurmfortsatz zur Behandlung einer Blinddarmentzündung operativ entfernt, müssen jedoch keine gesundheitlichen Folgen befürchtet werden. Unter guten hygienischen Bedingungen, wie sie in den westlichen Industrieländern vorherrschen, hat der Wurmfortsatz aus medizinischer Sicht keine große Bedeutung.