Der Darm: Darmflora

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (26. November 2015)

Unter der Darmflora versteht man alle Mikroorganismen, die den Darm besiedeln. Im Unterschied zum Magen und zum Dünndarm befinden sich im Dickdarm sehr viele Bakterien: Mehr als 10 Billionen solcher Winzlinge tummeln sich hier.

Dabei setzt sich die Darmflora aus etwa 500 verschiedenen Bakterienarten zusammen und bildet quasi ein eigenes Ökosystem, das sich perfekt an die Lebensverhältnisse im Darm angepasst hat. Vor allem Bakterien, die keinen Sauerstoff benötigen, finden sich hier: sogenannte Anaerobier. Aber auch Bakterien, die Sauerstoff benötigen, leben in diesem Darmabschnitt: die Aerobier. Dazu gehören unter anderem die Kolibakterien und die Milchsäurebakterien (Laktobazillen). Die Bakterien der Darmflora schließen unverdauliche Nahrungsreste wie Ballaststoffe auf. Dabei entstehen kurze Fettsäuren, die von der Darmschleimhaut verwertet werden können und ihr Energie liefern.

Milchsäurebakterien & Co. stabilisieren die Darmflora

Auch wenn sauerstoffabhängige Bakterien wie Milchsäurebakterien im Verhältnis nur schwach vertreten sind, haben sie dennoch wichtige Funktionen für das Ökosystem Darm. Sie verbrauchen den Sauerstoff, den die Darmschleimhaut ins Darminnere abgibt und schaffen dadurch die Lebensvoraussetzung für die restlichen 90 Prozent der Bakterien des Darms, die eine sauerstoffarme Umgebung zum Leben benötigen. Auch durch ihre Stoffwechselprodukte schaffen sie eine günstige Umgebung für die anderen nützlichen Darmbakterien.

Wichtig für die Erregerabwehr

Die Darmflora ist auch ein wichtiger Teil der Erregerabwehr. Sie hilft zum einen der Darmschleimhaut, Erreger abzuwehren, indem sie ihr Energiebausteine liefert. Außerdem verhindert eine gesunde Darmflora, dass sich krankmachende Keime ansiedeln können. Denn da die Darmwand durch die Bakterien der Darmflora besiedelt ist, können sich Krankheitserreger nur schwer an die Darmwand anheften.

Einige Bakterien der Darmflora geben Stoffe ab, die andere Bakterien schädigen: sogenannte Bakteriozine. So schützen sie sich vor einer Verdrängung durch fremde Bakterien.

Störfaktoren

Die Darmflora kann durch verschiedene Einflüsse gestört werden, zum Beispiel durch Medikamente wie Antibiotika, falsche Ernährung oder auch Stress. Antibiotika sind wichtige Medikamente, mit denen viele Erkrankungen erfolgreich bekämpft werden können. Durch sie sterben jedoch oft nicht nur die krankmachenden Bakterien ab, sondern auch nützliche Bakterien der Darmflora. Andere Bakterien, wie etwa aufgenommene Krankheitserreger, können diese Lücke nutzen und sich an deren Stelle ansiedeln. Als Folge kann die Darmflora aus dem Gleichgewicht geraten. Eine Möglichkeit, die Darmflora wieder zu stabilisieren, besteht in der Zufuhr geeigneter Probiotika: Spezielle Bakterienstämme (z.B. von Milchsäure- und Bifidobakterien), die den Darm in großer Zahl lebend und aktiv erreichen, können die Darmflora unterstützen, indem sie eine günstige Umgebung für nützliche Darmbakterien schaffen und die Lücken vorübergehend auffüllen. Allerdings verbleiben diese Probiotika nicht dauerhaft im Darm und sollten daher regelmäßig zugeführt werden.