Biorhythmus

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (18. Juli 2014)

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Unter dem Begriff Biorhythmus versteht man Abläufe im Körper, die wiederkehrenden Mustern folgen, wie etwa der Schlaf-Wach-Rhythmus. Es handelt sich hierbei meist um Abläufe, die tageszeitlich organisiert ablaufen.

Der Ablauf dieser Prozesse wird von inneren und äußeren Faktoren beeinflusst, den sogenannten Zeitgebern. Innere, also aus dem Körper kommende Signale gibt dabei vor allem die "innere Uhr". Äußere Einflüsse (wie das Tageslicht) können wiederum auf die innere Uhr einwirken und deren Signale verändern. Auf diese Weise kann sich der Biorhythmus auf eine veränderte Situation einstellen und der Körper passt sich an – etwa nach einem Langstreckenflug in eine andere Zeitzone.

Wer vom Biorhythmus spricht, meint meist den Tag-Nacht-Rhythmus (auch 24-Stunden-Rhythmus oder zirkadianer Rhythmus genannt). Wichtigster Zeitgeber des Tag-Nacht-Rhythmus ist das Tageslicht beziehungsweise der Wechsel von Tag und Nacht.

Man sieht eine Bildhälfte bei Nacht, die andere bei Tag. © Jupiterimages/iStockphoto

Der Körper des Menschen ist an den Tag-Nacht-Wechsel der Erde angepasst – das macht sich im Biorhythmus bemerkbar.

Der zirkadiane Rhythmus reguliert viele Prozesse und Fähigkeiten, so zum Beispiel:

  • Schlaf-Wach-Rhythmus: Die Abfolge von Schlaf- und Wachphasen folgt dem Tag-Nacht-Rhythmus und hängt vom Hell-Dunkel-Wechsel ab.
  • Hormonsystem: Der Körper schüttet verschiedene Hormone zeitlich organisiert aus.
    • Die Konzentration des Hormons Kortisol z.B. nimmt im Verlauf zwischen 2 und 8 Uhr morgens zu und fällt dann wieder ab. Das Minimum ist zwischen 16 und 24 Uhr erreicht.
    • Die Konzentration des "Schlafhormons" Melatonin ist dagegen nachts am höchsten und nimmt mit zunehmender Helligkeit wieder ab.
  • Wärmeregulation: Die Wärmeregulation des Körpers verändert sich im Tagesverlauf. Etwa gegen 3 Uhr früh ist die Körpertemperatur am niedrigsten und steigt dann an, bis sie abends ihren Höchstwert erreicht.
  • Leistungsfähigkeit: Der Mensch ist im Tagesverlauf nicht zu jeder Zeit gleich leistungsfähig. Bestimmte Dinge funktionieren zu bestimmten Zeiten einfach besser – das liegt auch am Biorhythmus. Am Vormittag fällt vielen z.B. Rechnen und logisches Denken leichter, auch die körperliche Leistungsfähigkeit ist hier am höchsten. Morgens funktioniert zudem das Gedächtnis besser, Gelerntes kann also leichter abgerufen werden. Am frühen Nachmittag fällt es den meisten dagegen eher schwer, aufmerksam zu sein.
  • Schmerzwahrnehmung: Auch das Schmerzempfinden verändert sich im Laufe des Tages. Zwischen 12 und 18 Uhr ist das Schmerzempfinden am niedrigsten, zwischen Mitternacht und 3 Uhr früh am höchsten.

Den Wissenschaftsbereich, der sich mit dem Biorhythmus beziehungsweise mit zeitlich regulierten Körperrhythmen beschäftigt, nennt man Chronobiologie.