Schwangerschaft und Zähne

Veröffentlicht von: Sandra von dem Hagen

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Kaum eine Frau denkt an Zahnprobleme, wenn sie von ihrer Schwangerschaft erfährt. Die vielfältigen Veränderungen in dieser Zeit betreffen jedoch auch die Zähne. Deshalb sind Zahnpflege und Mundhygiene während einer Schwangerschaft besonders wichtig.

Im Laufe der ersten drei Schwangerschaftsmonate können mitunter unangenehme Veränderungen im Mundraum auftreten, die eventuell eine zahnärztliche Behandlung erfordern. Volksweisheiten, wie "Jedes Kind kostet die Mutter einen Zahn" oder "Die Zähne der Schwangeren werden weicher, um den Calciumbedarf des ungeborenen Kindes zu decken", geben die medizinischen Zusammenhänge zwar nicht richtig wieder, haben aber einen wahren Kern.

Zahnbeschwerden in der Schwangerschaft

Die hormonellen Umstellungen während der Schwangerschaft – insbesondere der veränderte Östrogenspiegel – bewirken viele Veränderungen im Körper der Schwangeren. Auch die Mundhöhle ist davon betroffen. Das Zahnfleisch ist stärker durchblutet und dadurch weicher und empfindlicher. Bakterien können sich besser im Zahnfleisch ansiedeln und zu Entzündungen führen, der sogenannten Schwangerschaftsgingivitis (schwangerschaftsbedingte Mundschleimhautentzündung).

Seltener ist eine Mundschleimhautwucherung (Schwangerschaftsepuli). Außerdem steigt das Kariesrisiko durch den erhöhten Östrogenspiegel.

Mundschleimhautentzündung

Der veränderte Hormonhaushalt bewirkt, dass sich verstärkt Blutgefäße im Bereich des Zahnhalteapparats bilden. Daher kommt es gehäuft zu Zahnfleischbluten und – meist in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft – einer Mundschleimhautentzündung (Schwangerschaftsgingivitis). Die Symptome dafür sind typisch:

Die Mundschleimhautentzündung ist die häufigste schwangerschaftsbedingte Veränderung im Mundraum. Eine gute Zahnpflege kann größere Beschwerden vermeiden.

Mundschleimhautwucherung

Ab dem dritten Schwangerschaftsmonat können sich in seltenen Fällen Wucherungen am Zahnfleisch bilden. Diese sogenannte Schwangerschaftsepulis entsteht durch hormonelle Faktoren und lokale Reize wie Zahnstein oder Kronenränder. Die Mundschleimhautwucherung kann sehr schmerzhaft sein und bluten.

Karies

Durch die hormonelle Umstellung während der Schwangerschaft verändert sich die Zusammensetzung des Speichels. So ist etwa der Säuregehalt erhöht, was wiederum die Kariesentwicklung begünstigt. Eine Schwangerschaft bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass mehr Karies auftritt: Ein kariesfreier Mund bleibt meist auch weiterhin kariesfrei. Aber es besteht ein erhöhtes Kariesrisiko, das sich besonders auf bereits bestehende Kariesschäden auswirkt und diese verstärkt.

Behandlung von Zahnbeschwerden in der Schwangerschaft

Schwangerschaftsbedingte Veränderungen im Mundraum müssen gewöhnlich nicht behandelt werden. Wichtig ist aber eine gute Mundhygiene. Schwangere sollten zu Hause konsequent ihr Zahnfleisch massieren und die Zähne regelmäßig reinigen. Der Zahnarzt kann bei der Mundpflege professionell unterstützen, etwa mithilfe lokaler mechanischer Behandlungen sowie durch Ultraschall.

Chirurgische Eingriffe sind auch bei einer Schwangerschaftsepulis – also einer Wucherung der Mundschleimhaut – in der Regel nicht notwendig, da sich die Schleimhaut nach Ende der Schwangerschaft wieder normalisiert. Bei guter Mundpflege bleiben gewöhnlich keine Schäden zurück. Bilden sich die Wucherungen nach der Geburt nicht von selbst wieder vollständig zurück, kann der Zahnarzt sie enternen. Dies ist aber nur selten nötig.

Treten während der Schwangerschaft oder der Stillzeit allerdings Probleme mit den Zähnen auf, gestaltet sich der Besuch beim Zahnarzt etwas komplizierter. Bei einer Zahnbehandlung können potenzielle Risiken für das Ungeborene entstehen, etwa durch

Wenn Sie schwanger werden möchten, planen Sie bereits vorher einen Zahnarzttermin mit ein. So können nötige Behandlungen vor der Schwangerschaft durchgeführt werden. Wenn Sie bereits schwanger sind, sollten Sie möglichst früh einen Termin beim Zahnarzt vereinbaren. Bei dieser Vorsorgeuntersuchung stellt er fest, ob eine Behandlung dringend notwendig ist. Indem er bestehende Zahnprobleme frühzeitig behandelt, kann er verhindern, dass im weiteren Verlauf der Schwangerschaft ernstere Beschwerden auftreten.

Einige Zahnbehandlungen können, wenn nötig, während der Schwangerschaft vorgenommen werden. Andere hingegen sollten erst nach der Geburt und meist auch erst nach dem Abstillen erfolgen. Hierzu zählen zum Beispiel:

Manchmal lassen sich Röntgenuntersuchungen beim Zahnarzt oder Kieferorthopäden während der Schwangerschaft nicht umgehen. Ist das der Fall, bekommt die Schwangere eine Bleischürze umgelegt, die das Ungeborene vor der Röntgenstrahlung schützt

Komplikationen vorbeugen

Da Zahnprobleme in der Schwangerschaft häufig hormonelle Ursachen haben, können Schwangere ihnen nur schwer vorbeugen. Eine gute Zahnpflege kann jedoch dazu beitragen, dass keine größeren Beschwerden auftreten. Eine vernünftige Mundhygiene ist auch nach der Geburt wichtig, denn damit schützen Mütter nicht nur die eigenen Zähne, sondern auch die ihres Kindes: Befinden sich im Mundraum der Mutter kariesverursachende Bakterien, können diese über den Speichel auch in den Mund des Kindes gelangen – etwa wenn die Mutter einen Löffel des Kindes ableckt. Das Kind ist dann anfälliger für Karies.

Planen Sie außerdem, wenn möglich, schon beim Kinderwunsch den Zahnarztbesuch ein: Kleinere Zahndefekte kann der Zahnarzt vor oder zu Beginn der Schwangerschaft beheben und so größeren Zahnproblemen in der Schwangerschaft vorbeugen. Auch eine zahnfreundliche Ernährung kann Zahnproblemen in der Schwangerschaft vorbeugen.

Es ist sinnvoll, während der Schwangerschaft mindestens einmal eine professionelle Zahnreinigung vornehmen zu lassen!

Jedes Kind kostet die Mutter einen Zahn?

Auch wenn alte Volksweisheiten den Verlust eines Zahns pro Schwangerschaft voraussagen, so muss dies nicht eintreten. Durch die hormonelle Umstellung können allerdings versteckte Kariesherde aufflammen. Auch veränderte Essgewohnheiten können zu Zahnproblemen in der Schwangerschaft führen. Dadurch besteht ein erhöhtes Risiko für Karies, Zahnfleischprobleme und sogar den Verlust eines Zahns. Ein gepflegtes Gebiss ist daher die Grundvoraussetzung, dass keine ernsteren Zahnprobleme auftreten.

Auch eine Zahnfleischentzündung in der Schwangerschaft (Schwangerschaftsgingivitis) zieht nicht automatisch eine Parodontitis mit bleibenden Schäden nach sich. Schwangere sollten allerdings auf eine ausreichende Versorgung mit Calcium achten. Zu wenig Calcium schwächt die Zähne. Nimmt die Schwangere nicht ausreichend Calcium auf, wird es gegebenenfalls aus dem Knochen abgebaut und dem Fötus zugeführt. Auch eine ausreichende Fluoridierung der Zähne ist wichtig.

Lassen Sie sich von Ihrem Zahnarzt beraten, wie Sie Ihre Zähne in der Schwangerschaft optimal pflegen können.

Weitere Informationen

Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 21.11.2017)

Das erste Jahr. Online-Informationen der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung: www.kzbv.de (Abruf: 20.11.2017)

Zahngesundheit während der Schwangerschaft. Online-Informationen der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung: www.kzbv.de (Abruf: 20.11.2017)

Zahnarztbesuch während der Schwangerschaft. Online-Informationen der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde: www.dgzmk.de (Stand: 1.12.2012)

Kämmerer, P., Kunkel, M.: Die Schwangerschaftsepulis. Zahnärztliche Mitteilungen, Jg. 98, Heft 11, S. 50-52 (1.6.2008)

Aktualisiert am: 21. November 2017

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