IGeL-Monitor: Entscheidungshilfe für Selbstzahlerleistungen

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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"Ist die vom Augenarzt angebotene Prüfung des Augeninndendrucks wirklich wichtig? Macht eine Biofeedback-Therapie bei Migräne Sinn?" Diese oder ähnliche Fragen stellt sich so manch ein gesetzlich Versicherter im Behandlungszimmer.

Für viele Patienten sind sie immer noch ein undurchsichtiges Unterfangen: die individuellen Gesundheitsleistungen, kurz IGeL oder umgangsprachlich auch IGeL-Leistungen genannt. Hierzu zählen Untersuchungen und Diagnosen, deren Kosten die gesetzlichen Krankenkassen nicht übernehmen – gesetzlich Versicherte greifen dafür in die eigene Tasche. Über Nutzen und Notwendigkeit dieser zusätzlichen IGeL-Leistungen müssen sich Patienten in vielen Fällen selbst ein Bild machen – und tappen dabei nach Ansicht des Spitzenverbandes Bund der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Spitzenverband) allzu oft im Dunkeln.

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IGeL: Viele Patienten tappen im Dunkeln.

Für mehr Transparenz und Klarheit hinsichtlich solcher zahlungspflichtigen Zusatzleistungen soll der sogenannte IGeL-Monitor sorgen. Dieses vom Medizinischen Dienst (MDS) des GKV-Spitzenverbandes entwickelte Bewertungssystem hat zum Ziel, eine Einschätzung über Nutzen und Schaden von IGeL-Leistungen zu erleichtern und Patienten bei der Entscheidung über ihre Notwendigkeit unter die Arme zu greifen.

Seit ihrer Einführung in den 1990er Jahren stehen die IGeL-Leistungen immer wieder unter Verdacht, vornehmlich die Kassen der Ärzte zu füllen, statt einen eindeutigen Mehrwert für den Patienten zu bieten. Kritisiert wird außerdem, dass die Versicherten über Notwendigkeit und Zweck der Zusatzleistungen von den Ärzten nicht ausreichend informiert und in den Arztpraxen durch das Extraangebot überrumpelt würden.

Deshalb fordert Dr. Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, die Anforderungen an die Beratung durch den Arzt konkreter zu formulieren. Dieser müsse über die von den gesetzlichen Krankenversicherung finanzierten Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten aufklären und dem Patienten Vor- und Nachteile der IGeL-Leistungen und deren Alternativen aufzeigen.

"Gleichzeitig muss der Patient auch die Möglichkeit haben, sich bei Bedarf zu informieren und die Entscheidung für oder gegen eine solche Selbstzahlerleistung ohne Zeitdruck fassen zu können. Deshalb ist es wichtig, dass es eine unabhängige Information für den Patienten gibt, die wissenschaftlich valide und verständlich ist", so Pfeiffer. Die Aufgabe, Informationslücken zu schließen, soll künftig der IGeL-Monitor erfüllen.

Die Bewertungen des IGeL-Monitors bauen nach eigenen Angaben auf Leitlinien von Ärzten und medizinischen Fachgesellschaften, auf Standardwerke der Medizin und auf Herstellerangaben auf. Dabei haben die Wissenschaftler des Medizinischen Dienstes die Notwendigkeit der Selbstzahlerleistungen genau unter die Lupe genommen und Nutzen und Schaden gegeneinander abgewogen. Bislang bietet der IGeL-Monitor eine Einschätzung zu 25 gängigen IGeL-Leistungen, die unter www.igel-monitor.de abrufbar sind. Darunter befinden sich zum Beispiel die Glaukom-Früherkennung (sofern lediglich der Augeninnendruck gemessen wird und keine weitere Untersuchung erfolgt) oder die Akupunktur zur Vorbeugung von Spannungskopfschmerzen. Das Bewertungspektrum erstreckt sich von "positiv" über "unklar" bis "negativ".

Die Abstufung "tendenziell positiv" wurde für zwei IGeL-Leistungen vergeben. Zum Urteil "negativ" kamen die Wissenschaftler bei vier Selbstzahlerleistungen – bei diesen Leistungen schlug der Schaden der Leistung deutlich stärker zu Buche als ihr Nutzen. Waren Schaden und Nutzen einer Selbstzahlerleistung gleichauf oder gab es keine ausreichenden Daten für die Bewertung, vergaben die Wissenschaftler das Urteil "unklar" – in diese Kategorie fielen sieben Zusatzleistungen. "Tendenziell negativ" schnitten sieben weitere IGeL-Leistungen ab. Die restlichen vier Leistungen wie etwa der Sport-Check oder Atteste und Gutachten wurden zwar aufgeführt, bekamen aber keine Bewertung. Dies liege darin begründet, dass sie per se nicht in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen fielen, da sie einen Gesundheitszustand feststellen und dokumentieren, diesen aber nicht verbessern.

IGeL-Bewertung in der Übersicht

IGeL Bewertung IGeL-Monitor
Akupunktur zur Migräneprophylaxe "tendenziell positiv"
Akupunktur zur Spannungskopfschmerz-Prophylaxe "unklar"
Atteste und Gutachten nicht bewertet
Bach-Blütentherapie "unklar"
Bestimmung der Protein-C-Aktivität ("Thrombose-Check") "tendenziell negativ"
Bestimmung des HbA1c-Wertes ("Diabetes-Vorsorge") "unklar"
Bestimmung des Immunglobulin G (IgG) gegen Nahrungsmittel "negativ"
Biofeedback-Therapie bei Migräne "unklar"
Colon-Hydro-Therapie "negativ"
Dünnschichtzytologie zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs "unklar"
Eigenbluttherapie bei Tendinopathie "tendenziell negativ"
Entfernung von Tätowierungen nicht bewertet
Extrakorporale Stoßwellentherapie beim Tennisarm "tendenziell negativ"
Hyperbare Sauerstofftherapie beim Hörsturz "tendenziell negativ"
Kunsttherapie bei psychischen Erkrankungen "unklar"
Kunsttherapie für Krebspatienten und deren Angehörige "unklar"
Laser-Behandlung von Krampfadern "tendenziell positiv"
Lichttherapie bei saisonal depressiver Störung ("Winterdepression") "tendenziell positiv"
M2-PK Stuhltest zur Darmkrebs-Früherkennung "unklar"
Messung des Augeninnendrucks zur Glaukom-Früherkennung (ohne Papillenbeurteilung) "tendenziell negativ"
MRT zur Früherkennung einer Alzheimer-Demenz "tendenziell negativ"
Operative Behandlung des Schnarchens (Rhonchopathie) "tendenziell negativ"
Professionelle Zahnreinigung (PZR) bei Erwachsenen ohne Parodontitis "unklar"
PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs "tendenziell negativ"
Reisemedizinische Vorsorge nicht bewertet
Sport-Check nicht bewertet
Toxoplasmose-Test bei Schwangeren (Früherkennung) "negativ"
Ultraschall der Brust zur Krebsfrüherkennung "unklar"
Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung "negativ"
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