Die Pille: Historisches

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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Die Geschichte der Empfängnisverhütung reicht mehrere tausend Jahre zurück. Auf heutzutage zum Teil abenteuerlich anmutende Weise versuchten die Menschen immer wieder, eine sichere Empfängnisverhütung zu erreichen. Aber erst in den 1950er Jahren kam es in puncto Verhütung zum Durchbruch.

1951: Historischer Meilenstein

Das Jahr 1951 wurde zum historischen Meilenstein in der Entwicklung der Pille. In diesem Jahr meldete der Wissenschaftler Carl Djerassi einen Abkömmling des weiblichen Gelbkörperhormons Progesteron als Empfängnisverhütungsmittel zum Patent an. Die verhütende Wirkung des Progesterons war schon vorher bekannt. Doch oral, also über den Mund eingenommen, wurde es im Körper schnell abgebaut und somit unwirksam. Dank Djerassi war der Progesteron-Abkömmling nun auch noch wirksam, nachdem man ihn oral eingenommen hatte. Gemeinsam mit Gregory Pincus kann Carl Djerassi als der Vater der Pille bezeichnet werden. Die Konzentration der verwendeten Hormonpräparate war damals noch deutlich höher als bei den heute üblichen niedrig dosierten Präparaten.

1960 erstmals zugelassen

1960 wurde die Pille als erste hormonelle Verhütungsmethode in den USA zugelassen. Ein Jahr später brachte die Berliner Schering AG die erste Pille in Deutschland auf den Markt. Dabei stieß die Pille im Nachkriegsdeutschland auf einige Probleme. Denn Mädchen und junge Frauen sollten keinen Geschlechtsverkehr vor der Ehe haben, "brauchten" also nach diesem Verständnis auch keine Verhütungsmittel. Und bei den Ehefrauen war reicher Kindersegen erwünscht. Somit wurde die öffentliche Diskussion und Aufklärung über Verhütungsmittel nicht gefördert.

Schering führte daher die Pille erst einmal als "Mittel zur Behebung von Menstruationsstörungen" ein. Bis heute ist die Zyklusregulation eine erwünschte "Nebenwirkung" der Pille. In der DDR kam 1965 die erste Pille der Firma Jenapharm auf den Markt.

Sexuelle Revolution

Erst die Studentenbewegung brachte den offiziellen Durchbruch für die Pille. Unter dem Motto der sexuellen Revolution förderte sie die Enttabuisierung der Sexualität und damit die freie Verfügbarkeit der Pille für alle Frauen, zumindest in den westlichen Ländern. 1968 wurde die Pille als Mittel zur Verhütung in der "Enzyklika Humanae vitae" von Papst Paul VI. geächtet. Diese Haltung bleibt bis heute unverändert.

Nr. 1 in Sachen Verhütung

Seit den 1970er Jahren ist die Pille in Deutschland fest etabliert. In einer Repräsentativbefragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Jahr 2010 gaben sieben von zehn Frauen im Alter zwischen 20 und 29 Jahren an, mit der Pille zu verhüten, im Alter von 20 bis 44 ist es jede zweite. Rund 9 von 10 Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren, die bereits sexuelle Erfahrungen gemacht haben, griffen auf die Pille als Verhütungsmittel zurück. Die Pille ist demnach das bevorzugte Verhütungsmittel der Frauen. Experten gehen davon aus, dass in Deutschland insgesamt etwa 40 von 100 Frauen im gebärfähigen Alter mit der Pille verhüten.

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