Geschwollene Lymphknoten: Oft harmlos - aber nicht immer

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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Fast jeder Mensch hat schon einmal geschwollene Lymphknoten am eigenen Körper ertastet – zum Beispiel am Hals, unter der Achsel oder in der Leiste. Meist führen harmlose Infekte zu einer Lymphknotenschwellung. Aber auch schwere Erkrankungen können sich durch geschwollene Lymphknoten bemerkbar machen.

Überall im Körper befinden sich Lymphknoten. Sie haben eine rundlich-ovale, leicht platte Form. Ihre Größe schwankt bei gesunden Personen zwischen der einer Linse und der einer Bohne. Geschwollene Lymphknoten können deutlich größer werden. Sie sind ein Hinweis darauf, dass sich der Körper gerade zur Wehr setzt.

Was sind Lymphknoten und wozu sind sie da?

Die Lymphknoten sind kleine Gewebeknoten, die zum sogenannten Lymphsystem gehören.

Ähnlich wie die Blutgefäße durchzieht das Lymphsystem mit seinen Lymphbahnen den ganzen Körper.  Es dient unter anderem der Abwehr von Krankheitserregern und ist somit Teil des Immunsystems.

Die Lymphbahnen befördern Flüssigkeit aus dem Gewebe. Diese Flüssigkeit heißt Lymphe. Über die Lymphbahnen gelangt die Lymphe in die Lymphknoten.

Spezielle Abwehrzellen in den Lymphknoten filtern die Lymphe. Sie reinigen sie von Abfallstoffen wie Bakterien und Fremdkörpern und fördern die Bildung von Antikörpern. Anschließend fließt die gereinigte Lymphe zurück ins Blut.

Die Lymphknoten sind wichtige Filterstationen für den Körper. Geschwollene Lymphknoten sind ein Zeichen für eine Abwehrreaktion. Diese entsteht zum Beispiel, wenn der Körper mit einem Infekt zu kämpfen hat.

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Die Lymphbahnen des Lymphsystems durchziehen den gesamten Körper. Dort, wo mehrere Lymphbahnen aufeinandertreffen, befindet sich jeweils ein Lymphknoten.

Lokalisierte und generalisierte Lymphknotenschwellung

Je nach Ursache treten geschwollene Lymphknoten an verschiedenen Körperregionen auf. Manchmal ist eine Lymphknotenschwellung auf eine Körperregion begrenzt – zum Beispiel auf

Ärzte sprechen von einer lokalisierten Lymphknotenschwellung. Oft liegt dann eine Infektion oder Entzündung in diesem Bereich vor. Ein typisches Beispiel sind geschwollene Lymphknoten am Hals, die im Rahmen einer Erkältung auftreten.

In manchen Fällen zeigen sich geschwollene Lymphknoten am gesamten Körper beziehungsweise an verschiedenen Körperstellen. Mediziner sprechen dann von einer systemischen oder generalisierten Lymphknotenschwellung. Eine solche Schwellung kann viele verschiedene Ursachen haben.

Geschwollene Lymphknoten: Das können die Ursachen sein

Geschwollene Lymphknoten haben oft harmlose Ursachen: Besonders häufig steckt eine Infektion mit Krankheitserregern dahinter – so zum Beispiel ein grippaler Infekt.

Seltener rufen gutartige und bösartige Neubildungen geschwollene Lymphnoten hervor.

Mögliche Ursachen einer Lymphknotenschwellung sind zum Beispiel:

Bei vergrößerten Lymphknoten unter der Achsel denken viele Frauen an Brustkrebs. Brustkrebsmetastasen können Lymphknotenschwellungen unter der Achsel herbeiführen. Es können aber auch viele andere Ursachen dahinterstecken, zum Beispiel eine lokale Entzündung, die beim Rasieren entstanden ist.

Um herauszufinden, was tatsächlich hinter einem geschwollenen Lymphknoten steckt, ist auf jeden Fall ein Arztbesuch zu empfehlen.

Geschwollene Lymphknoten am Hals: Mögliche Ursachen

Am Hals befinden sich besonders viele Lymphknoten. Lymphknoten am Hals sind oft einseitig geschwollen. Die Ursachen liegen häufig im Kopf-Hals-Bereich. Mögliche Ursachen sind z.B.

  • eine Mandelentzündung,
  • ein grippaler Infekt oder
  • ein erschwerter Zahndurchbruch (z.B. bei den Weisheitszähnen).

Auch Erkrankungen, die den ganzen Körper betreffen, können zu geschwollenen Lymphknoten am Hals führen – etwa das peiffersche Drüsenfieber (Mononukleose) oder Toxoplasmose.

Geschwollene Lymphknoten: Das macht der Arzt

Oft ist eine Lymphknotenschwellung harmlos und geht von alleine zurück, sobald der Körper den Infekt erfolgreich zurückgedrängt hat. Manchmal steckt auch eine behandlungsbedürftige Erkrankung dahinter.

Wann zum Arzt?

Suchen Sie in jedem Fall einen Arzt auf, wenn

  • Sie einen Lymphknoten bemerken, der größer als 1 bis 2 cm ist,
  • ein Lymphknoten sehr plötzlich und sehr stark anschwillt,
  • die Schwellung dauerhaft bestehen bleibt und/oder
  • Sie weitere Beschwerden haben, z.B. Fieber, Nachtschweiß oder Gewichtsverlust.

Der Arzt wird im Gespräch zunächst einige Fragen stellen. So wird er zum Beispiel wissen wollen:  

Der Arzt schaut sich den oder die vergrößerten Lymphknoten an und tastet sie ab. Dabei beurteilt er auch die Konsistenz der Knoten. Zudem prüft er, ob sich die geschwollenen Lymphknoten verschieben lassen. Auch wird er wissen wollen, ob der Betroffene über Schmerzen klagt, wenn man mit dem Finger auf den Knoten drückt. Zudem prüft der Arzt, ob weitere Lymphknoten am Körper geschwollen sind. Gegebenenfalls misst er die Körpertemperatur.

Lymphknoten sind normalerweise relativ weich, elastisch und lassen sich ein wenig bewegen. Entzündete Lymphknoten fühlen sich fester an und können schmerzen. Bösartig vergrößerte Lymphknoten sind meist hart, nicht schmerzhaft und wenig verschiebbar. Eine eindeutige Diagnose kann jedoch nur ein Arzt stellen.

Weitere mögliche Untersuchungen

Je nachdem, welche Ursache der Arzt für die geschwollenen Lymphknoten vermutet, können weitere Untersuchungen nötig sein.

Dazu zählen unter anderem:

Geschwollene Lymphknoten: Therapie

In vielen Fällen bedürfen geschwollene Lymphknoten keiner speziellen Therapie – zum Beispiel, wenn die Ursache zum Beispiel eine harmlose Erkältung ist. Die Lymphknoten schwellen von selbst wieder ab, wenn die Infektion abgeklungen ist.

Stecken jedoch ernsthafte Erkrankungen hinter der Schwellung, wird der Arzt eine Therapie veranlassen. Wie die Behandlung genau aussieht, ist dabei von der Ursache abhängig. Einige Beispiele:

Geschwollene Lymphknoten: Weitere Informationen


Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017

Lymphom. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 7.4.2017)

Faller, A., Schünke, M.: Der Körper des Menschen. Thieme, Stuttgart 2016

Neurath, F., Lohse, A.: Checkliste Anamnese und klinische Untersuchung. Thieme, Stuttgart 2015

Middeke, M.: Duale Reihe Anamnese und Klinische Untersuchung. Thieme, Stuttgart 2014

Hahn, J.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Battegay, E. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose. Thieme, Stuttgart 2012

Kochen, M.M.: Allgemeinmedizin und Familienmedizin. Thieme, Stuttgart 2012

Schwegler, J., Lucius, R.: Der Mensch. Anatomie und Physiologie. Thieme, Stuttgart 2011

Aktualisiert am: 1. August 2017

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