Geschmacksstörung (Dysgeusie)

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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Bei einer Geschmacksstörung (Dysgeusie) kann der Geschmackssinn in verschieden starker Ausprägung eingeschränkt sein oder vollständig ausfallen. Es ist auch möglich, dass nur bestimmte Geschmacksrichtungen nicht mehr oder falsch wahrgenommen werden. In anderen Fällen wird etwas geschmeckt, das gar nicht vorhanden ist.

Geschmacksstörungen alleine treten im Vergleich zu Geruchsstörungen relativ selten auf, häufig kommen diese beiden Sinneseinschränkungen jedoch in Kombination vor. Tritt eine Dysgeusie allein auf, ist sie meist qualitativ.

Was ist eine Geschmacksstörung (Dysgeusie)?

Der Begriff Geschmacksstörung (Dysgeusie) umfasst per Definition jegliche Störung des Geschmackssinns. Man unterscheidet zwischen qualitativen und quantitativen Geschmacksstörungen.

Geschmacksstörung (Dysgeusie): Ursachen

Geschmacksstörungen können sehr unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen. Bei einigen Menschen ist die Dysgeusie angeboren. In den meisten Fällen ist sie aber erworben und tritt erst im Laufe des Lebens auf.

Geschmacksstörungen können je nach Ursache in drei Gruppen unterteilt werden:

Die epithelialen Ursachen wirken sich auf den Geschmackssinn aus, indem sie die Geschmacksknospen schädigen. Epitheliale Ursachen können sein:

Ursache für Geschmacksstörungen mit nervalen Ursachen kann eine Schädigung bestimmter Hirnnerven sein. Infrage kommen:

Diese Nerven können zum Beispiel bei Operationen am Ohr oder bei Zahnbehandlungen geschädigt werden. Entfernt der Hals-Nasen-Ohren-Arzt die Gaumenmandeln (Tonsillektomie) oder Hals-Lymphknoten (Neck dissection), kann er dabei die Hirnnerven ebenfalls verletzen. Zu den möglichen nervalen Ursachen zählen außerdem:

Des Weiteren kommen zentralnervöse Störungen der Schmeckbahn als Ursache einer Geschmacksstörung infrage. Hierzu gehören beispielsweise:

Geschmacksstörung (Dysgeusie): Diagnose

Um eine Geschmacksstörung festzustellen, versucht der Arzt zunächst, im Rahmen der Anamnese die Art der Störung genau zu charakterisieren. Dazu stellt er dem Betroffenen unterschiedliche Fragen, etwa:

Wichtig für die Diagnose ist auch, ob in der Vorgeschichte Kopfverletzungen, Krankheiten oder Operationen im Bereich von Hals, Nase, Ohren oder der Zähne vorkamen. Anschließend untersucht der Arzt gründlich den Mundraum, die Nase und den Nasenrachen. Außerdem kontrolliert er, ob die Mundschleimhaut ausreichend feucht ist.

Verschiedene Arten von Geschmackstests ermöglichen eine genaue Diagnose der Dysgeusie. Dabei werden folgende Fragen überprüft:

  • In welcher Konzentration nehmen Sie einen Geschmacksstoff gerade eben noch wahr?
  • Wie intensiv nehmen Sie eine bestimmte Geschmacksprobe wahr?
  • Erkennen Sie eine spezielle Geschmacksprobe?

    Andere Verfahren beruhen darauf, elektrische Signale aus den Hirnströmen abzuleiten, die nach einem Geschmacksreiz entstehen.

Je nach vermuteter Ursache können weitere Untersuchungen die Diagnose einer Geschmacksstörung unterstützen, wie beispielsweise:

Wichtig für die Diagnose und die anschießende Therapie ist zudem, welche Form der Geschmacksstörung vorliegt:

Als qualitative Geschmacksstörung wird jegliche Form von verändertem Geschmacksempfinden bezeichnet, wenn also sauer beispielsweise als süß empfunden wird:

Bei einer quantitativen Geschmacksstörung ist die Stärke des Geschmacks verändert (stärker oder schwächerer Geschmack), die Geschmacksrichtung wird aber weiterhin normal empfunden (sauer bleibt sauer, süß bleibt süß, ...). Zu den quantitativen Formen der Dysgeusie gehören:

Geschmacksstörung (Dysgeusie): Therapie

Die Therapie einer Geschmacksstörung richtet sich nach der jeweiligen Ursache – aber nicht alle Formen der Dysgeusie können behandelt werden. So gibt es etwa kaum Möglichkeiten, die häufig auftretenden qualitativen Geschmacksstörungen zu behandeln. Diese bilden sich aber in den meisten Fällen nach weniger als einem Jahr von alleine wieder zurück.

In einigen Fällen qualitativer Geschmacksstörungen konnte eine Behandlung mit Alpha-Liponsäure oder Zink beziehungsweise Zinkglukonat helfen. In besonders starken Fällen von Geschmacksstörungen mit hohem Leidensdruck kann ein lokales Betäubungsmittel wie Lidocain eingesetzt werden.

Wenn Nebenwirkungen von Medikamenten Ursache einer Dysgeusie sind, ist die Therapie oft einfacher. In diesen Fällen legen die Beschwerden sich in den meisten Fällen kurze Zeit nach dem Absetzen der entsprechenden Wirkstoffe.

Achtung: Setzen Sie Medikamente nicht ohne Absprache mit dem behandelnden Arzt ab. Reduzieren Sie auch die Dosierung nicht in Eigenregie.

Entwickelt sich eine Geschmacksstörung im Laufe einer Entzündung der Mundschleimhaut, können Antibiotika Abhilfe schaffen.

Geschmacksstörung (Dysgeusie): Weitere Informationen

Quellen:

Patienteninformationen: Riech- und Schmeckstörungen. Online-Informationen der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie: www.hno.org (Abruf: 18.6.2015)

Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 266. Auflage, de Gruyter, Berlin 2014

Arnold, W., Ganzer, U.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2011

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie: Schmeckstörungen. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 017/052 (Stand: 1.5.2007)

Stand: 28. Juli 2015

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