Gangstörungen

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

Jupiterimages/PhotoDisc
Anzeige

Gehen ist eine der kompliziertesten und zugleich normalsten Bewegungen des täglichen Lebens. Wer nicht richtig gehen kann, also Gangstörungen hat, ist im Alltag oft verunsichert. Das kann zu erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität führen.

Allgemein sind mit dem Begriff Gangstörungen sämtliche Abweichungen vom natürlichen Gangbild gemeint – dies kann sowohl die Ganggeschwindigkeit als auch den sonst flüssigen und symmetrischen Bewegungsablauf betreffen.

Wie sich eine Gangstörung bemerkbar macht, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Die sichtbaren Gangstörungen reichen von einem leichten Humpeln bis hin zu einem sehr auffälligen Gangbild. In manchen Fällen können Gangstörungen sogar so stark ausgeprägt sein, dass Gehen kaum mehr möglich ist.

Allgemein unterscheiden Mediziner bei Gangstörungen die folgenden Formen:

  • Hinken
  • kleinschrittiger Gang
  • Watschel- oder Entengang (sog. Duchenne-Hinken)
  • Schiebergang
  • spastischer Gang
  • ataktischer Gang mit Gleichgewichtsstörungen
  • Gangstörung mit plötzlich einschießenden unwillkürlichen Bewegungen
  • Innen- bzw. Außenrotationsgang

Hinken ist die häufigste Gangstörung. Es kann ein Anzeichen sein für eine angeborene oder erworbene Verformung des Fußes, unterschiedlich lange Beine, Ischiasschmerzen, einen Reizzustand der Rückenmarksnerven (z.B. durch einen Bandscheibenvorfall), eine Verletzung, einen Knochenbruch oder auch für eine Lähmung. Zudem können Menschen mit einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit immer wieder vorübergehend hinken (sog. Claudicatio intermittens).

Ein kleinschrittiger Gang ist ein typisches Symptom der Parkinson-Krankheit. Außerdem kann diese Gangstörung beispielsweise vorkommen, wenn die vorderen Anteile des Frontalhirns geschädigt sind oder wenn ein Wasserkopf mit meist normalem Hirndruck (sog. Normaldruckhydrozephalus) vorliegt.

Für den Watschel- oder Entengang ist kennzeichnend, dass das Becken zur Spielbeinseite absinkt und die Betroffenen ihren Oberkörper als Ausgleich zur Standbeinseite verlagern. Eine solche Gangstörung kann zum Beispiel entstehen durch eine Fehlstellung der Hüfte (Hüftluxation), eine unvollständige Lähmung der Gesäßmuskel, fortschreitenden Muskelschwund, ein verletzungsbedingtes Auseinanderreißen der Schambeinfuge, Rachitis, eine Erkrankung des Skelettsystems namens Morbus Paget oder einen verbogenen Oberschenkelhals (Coxa vara).

Beim Schiebergang schieben die Betroffenen beim Gehen das Becken nach vorne, weil die Beweglichkeit der Hüfte oder des Iliosakralgelenks beeinträchtigt ist. Dahinter können unter anderem entzündliche Veränderungen der unteren Wirbelsäule, eine Hüftgelenksarthrose oder ein Morbus Bechterew stecken.

Ein spastischer Gang, bei dem die Betroffenen ihre Füße nur im Vorfuß belasten und die Knie beim Gehen aneinanderreiben, kann beispielsweise auftreten bei amyotropher Lateralsklerose (ALS), infantiler Cerebralparese oder wenn eine Körperhälfte nach einem Schlaganfall gelähmt ist.

Beim ataktischer Gang mit Gleichgewichtsstörungen ist die Koordination der Bewegungsabläufe gestört. Mögliche Auslöser dieser Gangstörung sind zum Beispiel ein Schlaganfall, Polyneuropathie, multiple Sklerose, eine Schädigung des Gleichgewichtsorgans (akuter Labyrinthausfall), eine degenerative Erkrankung des Kleinhirns, ein Hirntumor oder Neurosyphilis im Endstadium.

Eine Gangstörung mit plötzlich einschießenden unwillkürlichen Bewegungen kann ein Symptom für verschiedene Erkrankungen sein, die mit krankhaft gesteigerten Bewegungsaktivitäten der Skelettmuskeln (sog. Hyperkinesen) einhergehen – wie Chorea Huntington oder ein sogenannter einseitiger Ballismus (eine Erkrankung des Nervensystems, bei der es zu unkontrollierbaren und plötzlichen Schleuder- oder Schaukelbewegungen kommt).

Beim Innen- oder Außenrotationsgang handelt es sich meist nur um eine leichte Abweichung vom normalen Gangbild, die sich die Betroffenen unbewusst angewöhnt haben. Der gewohnheitsmäßige Innenrotationsgang mit nach innen zeigenden Fußspitzen tritt beispielsweise oft bei Kindern im Vorschulalter auf, der Außenrotationsgang mit nach außen gerichteten Fußspitzen bei großen übergewichtigen Menschen und bei Plattfüßen.

Wissenswertes
Gangstörungen gehören zu den häufigsten Leitsymptomen im Alter. Etwa ein Drittel aller über 70-Jährigen hat eine Gangstörung.
Anzeige