Strahlenbelastung durch Erdgas

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

Jupiterimages/iStockphoto
Anzeige

In den Jahren 1980 bis 1988 wurden in der damaligen Sowjetunion ca. 50 Atombomben für die Erschließung von Erdgasquellen gezündet. Die damaligen und heutigen Regierungen der Sowjetunion bzw. Russlands veröffentlichten bzw. veröffentlichen leider keinerlei Informationen dazu.

Von russischer Seite gibt es so beispielsweise keine Angaben über Art und/oder Sprengkraft der Bomben sowie eine mögliche radioaktive Belastung des Erdgases mit den bei der Explosion frei gesetzten Radionukliden.

Da das Erdgas jedoch nach der Förderung gereinigt und anschließend über lange Wege in Pipelines transportiert wird, können nur die gasförmigen Radionuklide Tritium, also Wasserstoff 3, Kohlenstoff 14 und zwar als Kohlendioxid, sowie Krypton 85 zu einer Strahlenbelastung beitragen. Welche Mengen dieser Gase bei der Kernspaltung frei geworden sind, lässt sich trotz der Informationssperre der Russen recht gut mittels bestimmter Modellrechnungen abschätzen oder ist von den Kernwaffentests der Amerikaner her bekannt. Eine Aktivitätsabschätzung zeigt, dass das Krypton 85 den Hauptanteil einer radioaktiven Belastung liefert. Beim Verbrennen des Erdgases in geschlossenen Räumen, also z.B. beim Heizen und Kochen, wird dieses Krypton freigesetzt und kann zu einer Äquivalentdosis von ca. 10 Nanosievert (1 nSv=10-9 Sv) im Jahr führen. Eine derartige Dosis ist, z.B. im Vergleich mit der mittleren natürlichen Strahlenbelastung von 2,4 mSv pro Jahr, extrem gering.

Da sich das Edelgas Krypton sehr schnell wieder aus dem Körper verflüchtigt, findet vor allem eine Strahlenbelastung der Haut statt. Es sei erwähnt, dass sich das Krypton mit einer Halbwertszeit von rund 10,76 Jahren über einen Beta-Zerfall in das stabile Rubidium 85 umwandelt. Die Energien der Betastrahlung betragen dabei 0,7 MeV und 0,8 MeV und die Energien der darauf folgenden Gammastrahlung 0,51 MeV und 0,15 MeV.

Anzeige