Siamesische Zwillinge

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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Ob eine Schwangere siamesische Zwillinge erwartet, kann im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft festgestellt werden. Siamesische Zwillinge müssen nicht zwingend getrennt werden – einige führen gemeinsam ein erfülltes Leben.

In einigen Fällen ist eine Trennung auch gar nicht möglich. Siamesische Zwillinge operativ zu trennen birgt ein großes Risiko und ist nur möglich, wenn jeder Zwilling alle lebensnotwendigen Organe hat.

Was sind siamesische Zwillinge?

Als siamesische Zwillinge oder Doppelfehlbildung werden eineiige Zwillinge bezeichnet, die sich im Mutterleib nicht vollständig voneinander getrennt haben. Siamesische Zwillinge können an verschiedenen Körperstellen miteinander verbunden sein – am häufigsten sind Verbindungen im Brustbereich.

Die Bezeichnung der Doppelfehlbildung als siamesische Zwillinge geht auf die Zwillinge Eng und Chang Bunker (1811-1874) aus Thailand (früher Siam) zurück.

Je nachdem, an welchen Körperstellen die siamesischen Zwillinge miteinander verbunden sind, gibt es unterschiedliche Bezeichnungen:

Wie entstehen siamesische Zwilinge?

Siamesische Zwillinge können entstehen, wenn sich eineiige Zwillinge in einem bestimmten Entwicklungsstadium nicht vollständig voneinander trennen.

Eineiige Zwillinge können in verschiedenen Stadien der embryonalen Entwicklung entstehen – für gewöhnlich ein bis etwa zwölf Tage nach der Befruchtung. Nur bei einer äußerst seltenen Form der Zwillingsbildung (Trennung nach dem zwölften Tag) kann es zu einer unvollständigen Trennung und damit zu siamesischen Zwillingen kommen.

Verschiedene Möglichkeiten der Ausbildung von Zwillingen. Nur bei einer fehlerhaften Trennung nach dem 12. Tag kann es zu siamesischen Zwillingen (d) kommen.

Bei der Ausbildung von eineiigen Zwillingen kann die Trennung der Embryonen voneinander in verschiedenen Stadien der Embryonalentwicklung erfolgen. In der Grafik ist Folgendes zu sehen:

  1. Trennung der Embryonen zwischen dem 1. und 3. Tag nach der Befruchtung (Morula-Stadium): Zu dieser Zeit entstehen zwei vollständig getrennte Keimblasen (Blastozysten). Jeder Zwilling hat eine eigene Fruchtblase und eine eigene Plazenta (Mutterkuchen).
  2. Trennung der Embryonen zwischen dem 4. und 8. Tag nach der Befruchtung (Blastozystenstadium): Jeder Zwilling hat eine eigene Fruchtblase, beide teilen sich aber eine Plazenta.
  3. Trennung ab dem 9. Tag nach der Befruchtung (äußerst selten): Trennen sich die Embryonen, nachdem sich der Fruchtsack (Amnion) ausgebildet hat, teilen sich die Zwillinge eine Fruchtblase und eine.
  4. Trennung nach dem 12. Tag nach der Befruchtung: Die Embryonen können sich nicht vollständig voneinander trennen (siamesische Zwillinge).

Häufigkeit

Siamesische Zwillinge gibt es sehr selten. Das liegt zum einen daran, dass sich diese Form der eineiigen Zwillinge äußert selten bildet. Außerdem werden viele Schwangerschaften mit siamesischen Zwillingen frühzeitig abgebrochen oder enden in einer Fehlgeburt. Die Lebenserwartung von siamesischen Zwillingen ist zudem recht niedrig – viele überleben bereits die ersten Tage nach der Geburt nicht.

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich nach der Befruchtung siamesische Zwillinge ausbilden, liegt bei 1:60.000 bis 1:200.000. Bei etwa drei bis vier von 1.000 Geburten kommen eineiige Zwillinge zur Welt. Nur ein Prozent dieser Geburten sind siamesische Zwillinge.

Mit 70% sind siamesische Zwillinge am häufigsten im Brustbereich miteinander verbunden. Etwa 5% der siamesischen Zwillinge sind an der Hüfte vereinigt, weniger als 2% am Kopf.

Weitere Informationen

Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 28.4.2017)

Weyerstahl, T., Stauber, M.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013

Schneider, H., Husslein, P., Schneiter, K. T. M.: Die Geburtshilfe. Springer, Heidelberg 2011

Uhl, B.: Gynäkologie und Geburtshilfe compact. Thieme, Stuttgart 2010

Aktualisiert am: 21. November 2017

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