Intelligent durch Muttermilch?

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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Muttermilch scheint ein wahrer Zaubertrank zu sein: Sie stärkt nicht nur das Immunsystem des Säuglings, sondern reduziert auch das Risiko für Infektionen oder Erkrankungen wie Neurodermitis, Asthma und Heuschnupfen. Ihre Nährstoffe sind besonders gut verdaubar und ideal auf die Bedürfnisse des sich entwickelnden Säuglings abgestimmt. Diese Fülle an gesundheitsfördernden Eigenschaften legt die Vermutung nahe, dass in Muttermilch noch weitere, unentdeckte Potenziale schlummern könnten.

Sie zu entdecken hat sich der amerikanische Wissenschaftler James Anderson zur Aufgabe gemacht. So widmete er sich der Frage, ob Muttermilch auch die Intelligenz des Säuglings steigert. Gemeinsam mit seinen Kollegen Bryan Johnstone und Daniel Remley verglich er in einer so genannten Metastudie insgesamt 20 Studien, die sich mit der Auswirkung der Muttermilch auf die geistige Entwicklung des Kinds beschäftigen. Der Vergleichsparameter war in allen Fällen der Intelligenzquotient (IQ). Das Ergebnis: Muttermilch scheint die geistige Entwicklung tatsächlich zu fördern. In Intelligenztests schnitten gestillte Kinder generell besser ab. Ihr Intelligenzquotient lag im Durchschnitt um mehr als drei Punkte über dem der nicht gestillten Kinder.

Die möglichen Ursachen für den schlau machenden Effekt wurden bereits identifiziert: Es handelt sich um die beiden mehrfach ungesättigten Fettsäuren Docosahexaensäure (DHA) und Arachidonsäure (AA). DHA ist unter anderem für die Entwicklung von Gehirn und Augen von besonders großer Bedeutung. 40 Prozent der Fettsäuren im Gehirn zählen zu DHA. DHA und AA reichern sich im Gehirn von gestillten Säuglingen an und fördern dort deren geistige Entwicklung.

Die Ergebnisse bestätigen, was Wissenschaftler schon lange vermuten: Muttermilch enthält offenbar einen ganzen Cocktail an wirksamen Substanzen. Die intelligenzsteigernden Fettsäuren sind lediglich Teil dieses Substanz-Cocktails.

Thomas Kresser (ehem. Chefredakteur)
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