Rudolf Zenker

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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* 24. Februar 1903 in München

† 18. Januar 1984 in München

Die weltweit erste Herzverpflanzung wurde von dem südafrikanischen Internisten und Chirurgen Christiaan N. Barnard (*1922) am 3. Dezember 1967 durchgeführt. Seitdem folgten weltweit über 100 weitere Herztransplantationen.

Als Barnard seine Pioniertat durchführte, waren auch die Schüler des Münchener Chirurgen Rudolf Zenker, die Chirurgen Werner Klinner (*1923) und Fritz Sebening (*1930) zugegen. Doch in Deutschland zögerte man noch, denn das Problem der Gewebeverträglichkeit war längst nicht erforscht. Viele Patienten überlebten den Eingriff nur kurze Zeit. Die Abwehrzellen des Immunsystems hatten das transplantierte Fremdgewebe als biologischen Eindringling identifiziert, den es zu bekämpfen galt. Um den fünften Tag nach der Organtransplantation begann die Abwehrreaktion. Auch Barnards erster Herzpatient war knapp drei Wochen später, am 21. Dezember 1967, verstorben.

Am 13. Februar 1969 wurde jedoch auch in Deutschland die erste Herzverpflanzung durchgeführt. Unter der Leitung von Rudolf Zenker transplantierte ein herzchirurgisches Team mit Werner Klinner und Fritz Sebening einem 36-jährigen Patienten das Herz einer zuvor verunfallten Spenderin. Der Patient überlebte die Operation um 27 Stunden. Hier war jedoch nicht die Gewebeverträglichkeit das Problem, sondern eine unerkannte Vorschädigung des Herzens.

Rudolf Zenker, Sohn eines Münchener Augenarztes, studierte an den Universitäten München und Zürich Chirurgie. Seine Lehrer waren Medizinerpersönlichkeiten wie E. Ferdinand Sauerbruch (1875–1951), Erich Lexer (1867–1937) und Martin Kirschner (1879–1942), zu dem er als Assistent nach Tübingen kam und mit dem er nach Heidelberg ging. Bei Sauerbruch und Kirschner lernte Rudolf Zenker nicht nur das Skalpell kunstvoll zu führen, sondern auch die Grundlagen der Intensivmedizin.

In Heidelberg habilitierte sich Rudolf Zenker als Privatdozent für Chirurgie und wurde 1943 außerplanmäßiger Professor in Heidelberg sowie zugleich Ärztlicher Direktor der Chirurgischen Abteilung der Städtischen Krankenanstalten in Mannheim. 1953 nahm Rudolf Zenker einen Ruf als Ordinarius für Chirurgie und als Direktor an die Chirurgische Universitätsklinik und Poliklinik in Marburg an der Lahn an. 1958 folgte Zenker einem Ruf als ordentlicher Professor nach München, wo er als Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1973 tätig war.

Rudolf Zenker war eine Kapazität auf den Gebieten der Bauch-, Extremitäten-, Herz- und Thoraxchirurgie. Noch in Marburg hatte er 1958 die in Deutschland erste erfolgreiche Operation am offenen Herzen mit einer Herz-Lungen-Maschine vorgenommen. Rudolf Zenkers Interesse galt zudem der Ausbildung des herzchirurgischen Nachwuchses und der Einrichtung herzchirurgischer Kliniken, verbunden mit der Lösung der immunologischen Probleme der damals noch jungen Transplantationschirurgie.

Nach seiner Emeritierung war Rudolf Zenker vor allem fachpublizistisch tätig. Für seine Arbeiten wurde Rudolf Zenker 1973 mit dem Großen Bundesverdienstkreuz sowie dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet. Zu seinen medizinischen Anerkennungen zählen die Ehrendoktorwürde, die Paracelsus-Medaille sowie Mitgliedschaften in zahlreichen medizinischen Akademien und nationalen wie internationalen chirurgischen und verwandten medizinischen Gesellschaften.

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